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Landgericht: Kein Baustopp für Supermarkt in Nittel, Winzer unterliegt

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Kein Baustopp für Supermarkt in Nittel

Das Landgericht Trier hat pro Baufirma entschieden. Die Erdarbeiten für das Projekt gehen weiter. Der betroffene Winzer geht allerdings in Berufung.

Der drohende Baustopp für die Erdarbeiten an der Supermarkt-Baustelle in Nittel ist abgewendet – vorerst. Das Landgericht Trier hat am Donnerstag entschieden, dass der Winzer, dessen Weinberg in unmittelbarer Nachbarschaft des geplanten Gebäudekomplexes liegt, es dulden muss, dass ein Teil seines Grundstücks während der Bauarbeiten von der Baufirma genutzt wird. Dafür wird der Winzer entsprechend entschädigt.

Im Gerichtssaal ging es heiß her. Die Kontrahenten: auf der einen Seite die Baufirma, die in Nittel einen Gebäudekomplex mit diversen Geschäften und rund 35 Wohnungen bauen möchte, auf der anderen Seite eine alteingesessene Winzerfamilie, die eine direkt an das Baugrundstück angrenzende Weinbergsparzelle besitzt. Die beiden legten mit einer unüberhörbaren Schärfe im Ton ihre Argumente dar. Der Konflikt ist, dass die Firma Wirtz Massivhaus mit dem geplanten Einkaufszentrum bis an die Grundstücksgrenze zum benachbarten Weinberg bauen möchte. Dazu werden etwa 350 Quadratmeter des Weinbergs als Arbeitsfläche und zur Anlage der Baugrube benötigt. Das lehnt die Winzerfamilie rigoros ab. Die Erdarbeiten hatten vor gut einer Woche begonnen, denn dafür liegt eine Teilbaugenehmigung vor. Die endgültige Baugenehmigung für den gesamten Baukomplex steht noch aus.

Die Winzerfamilie lehnt es grundsätzlich ab, dass das zukünftige Gebäude direkt bis an ihren Weinberg heranreichen soll. Sie befürchtet, dass der Weinberg in seiner Qualität beeinträchtigt wird. Die Winzersfrau sagt mit erregter Stimme: „Es ist unser wichtigster und größter Weinberg, und durch das Gebäude werden die klimatischen Bedingungen unvorteilhaft verändert. Wir befürchten dauerhafte Missernten.“

Darüber hinaus würden die Arbeiten im Weinberg durch die zukünftigen Bewohner des Hauses mit großer Wahrscheinlichkeit erschwert. Der betroffene Winzer meint: „Es gibt überall massive Probleme in Weinbergen, die an Wohnhäuser grenzen, wegen des Traktorlärms, der Staubentwicklung und dem Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln.“

Mit den Befürchtungen der Winzerfamilie befasste sich auch schon der Nitteler Ortsgemeinderat im November 2019. Dort war man einhellig der Auffassung, dass die Ängste des Winzers unbegründet seien.

Der Rechtsanwalt der Winzerfamilie, Dr. Matthias Francois aus Bitburg, kündigte an, dass die Winzerfamilie in Berufung gehen wird. Diese Berufung wird dann laut Richter Dr. Eric Becker vom Landesgericht Trier vor dem Oberlandesgericht in Koblenz verhandelt. Diese Berufung müsse innerhalb eines Monats eingelegt werden. Währenddessen schafft die Baufirma vor Ort vollendete Tatsachen. Auf etwa 50 bis 70 Metern gräbt sich der Bagger derzeit bis zu sechs Meter tief und sieben Meter weit in den Weinberg.

Der Nitteler Ortsbürgermeister Peter Hein ist einerseits erfreut darüber, dass die Bauarbeiten weitergehen können. Andererseits bedauert er, dass es zu einem Prozess über die Nutzung eines kleinen Teilbereichs des Weinbergs gekommen ist. „Die Ortsgemeinde, der Bauherr – alle haben immer das Gespräch mit der Winzerfamilie gesucht. Doch leider war keine Kompromissbereitschaft zu erkennen“, sagt Hein. Trotzdem werde man sich weiter dafür einsetzen, dass der Winzer angemessen bis großzügig entschädigt werde.