Landgericht verurteilt Mann aus Konz zu Freiheitsstrafe wegen Brandstiftung in Karthaus

Kostenpflichtiger Inhalt: Feuer in Karthaus : Landgericht verurteilt Konzer Brandstifter zu drei Jahren und acht Monaten Haft (Update)

Zwei Mieter haben im März bei einem Feuer in Karthaus eine Rauchgasvergiftung erlitten. Das Mehrfamilienhaus in dem Konzer Wohngebiet ist nicht mehr nutzbar. Nun muss der 43-Jährige, der zugegeben hatte, das Feuer gelegt zu haben, ins Gefängnis.

Der Verurteilte zeigt sich vor der Verkündung seiner Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten einsichtig: „Ich bereue, was ich getan habe“, sagt er. Er wolle seine Strafe verbüßen und dann in Freiheit sein Leben weiterführen, sagt der 43-Jährige. Der Mann hatte am ersten Verhandlungstag gestanden, nach einem Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin (36) deren Wohnung im Konzer Wohngebiet Karthaus angezündet zu haben.

Grund für den Streit war vermutlich, dass der Mann zugleich eine Beziehung mit der 21-Jährigen Tochter seiner Lebensgefährtin hatte. Am Tag des Brandes wollten die beiden Frauen den Mann mit der Situation konfrontieren, weshalb es zum Streit an einer Shisha-Bar in Trier kam. Der Mann fuhr mit dem Auto nach Konz und demolierte aus Wut zunächst Möbel in der Wohnung, was die Nachbarn schon mitbekamen. Dann wollte er laut eigener Aussage Fotos verbrennen. Das Feuer geriet außer Kontrolle. Durch den Brand und Löschwasser wurde das Haus so schwer beschädigt, dass es unbewohnbar wurde. Alle vier Wohnungen wurden geräumt. Zwei Frauen mussten mit Rauchgasvergiftungen im Krankenhaus behandelt werden. Der Sachschaden wird auf rund 350 000 Euro geschätzt.

Schon vor dem Geständnis hatten Verteidigung, Staatsanwaltschaft und die dritte Große Strafkammer am Landgericht Trier eine Absprache zum Strafrahmen getroffen, um das Verfahren abzukürzen. Dreieinhalb bis vier Jahre Haft waren angekündigt gewesen (der TV berichtete). Am Montag fordert Staatsanwalt Holger Schmitt drei Jahre und zehn Monate, Verteidiger Bernward Wittschier drei Jahre und sechs Monate. Die Kammer mit dem Vorsitzenden Richter Armin Hardt legt sich auf die Mitte zwischen den beiden Anträgen fest.

Richter Hardt betont bei der Urteilsbegründung, dass das Geständnis des Angeklagten nicht nur zur Verkürzung des Verfahrens von fünf auf drei Verhandlungstage geführt habe. Es sei auch der Hauptgrund für die relativ milde Strafe. „Ohne Geständnis hätte vermutlich eine fünf vor dem Komma gestanden“, sagt der Richter. Dabei wies er darauf hin, dass in zwei Fällen auch der Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt sei, weil zwei Frauen Rauchgasverletzungen erlitten haben. Die anderen Hausbewohner seien ebenfalls gefährdet gewesen. Hinzu komme der hohe Sachschaden, den die Eigentümer des Hauses von der Versicherung ersetzt bekommen.

Der Verurteilte habe sich nicht nur der Brandstiftung schuldig gemacht, sondern bei der „Kurzschlusshandlung im Rahmen eines Beziehungsstreits“ (Hardt) gleich mehrere weitere Straftaten in kurzer Zeit verübt. Verurteilt wurde er auch für die Trunkenheitsfahrt von Trier nach Konz sowie für zwei versuchte Nötigungen. Denn er hatte am Telefon den Polizisten, bei dem seine Lebensgefährtin wegen des Streits in Trier Anzeige erstattete, mehrfach bedroht und beleidigt.

Wie gefährlich es für die anderen Hausbewohner am späten Abend des 20. März war, wird besonders deutlich, als eine Zeugin vor Gericht mehrere Sprachnachrichten mit einem Hilferuf abspielt, den ihr eine der Mieterinnen aus dem Mehrfamilienhaus gegen 22.45 Uhr geschickt hatte. Als die Zeugin ihr Handy an das Gerichtsmikrofon hält, erklingt eine angsterfüllte Stimme, die panisch sagt: „Der demoliert die Wohnung. Ich habe Angst, dass er hochkommt. Ich steh am Fenster und kann mich nicht bewegen.“

Nebenklage-Anwältin Karin Adrian vertritt die Frau, die eine Rauchgasvergiftung erlitten und einer ihrer Freundinnen diese Worte hinterlassen hatte. Adrian weist in ihrem Plädoyer auf die Konsequenzen der Opfer hin: „Ich mag mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn sie vor Angst erstarrt wäre und sich nicht mehr auf die Straße getraut hätte“, sagt sie über ihre Mandantin. Der Angeklagte habe ein Feuer gelegt, sei rausgegangen und habe sich nicht mehr um die anderen Menschen gekümmert. Diese seien gefährdet gewesen. Zudem gehen sie jetzt laut der Anwältin leer aus.  Im Gegensatz zu den Hauseigentümern, die eine Feuerversicherung hatten, machen die Mieter alle vor Gericht deutlich, dass sie  ihr Inventar, das ebenfalls zerstört wurde, nicht versichert hätten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Frist für eine mögliche Revision dauert eine Woche.

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