Landwirtin macht Rosenhof in Züsch fit für die Zukunft

Schafzucht, Schlachtraum, eigener Hofladen : Landwirtin macht Rosenhof in Züsch fit für die Zukunft

Irmgard Feuerbach hat den Reitbetrieb ihrer Eltern in Züsch erweitert. Mit neuen Ideen will sie den Erhalt des 25 Jahre alten Rosenhofs sichern. Sie hält Hühner und Schafe, verkauft Felle und Fleisch im eigenen Laden. Um für ihre regionalen Produkte zu werben, geht die vierfache Mutter auch mal ungewöhnliche Wege.

Die Schafe blöken erwartungsvoll, als Irmgard Feuerbach den Zaun zur Weide öffnet. „Sie wissen, dass es was zu futtern gibt“, sagt die 34-Jährige und schüttet eine Schüssel Kraftfutter in den Trog. Die sieben Monate alten Lämmer machen sich sofort darüber her. Vor zwei Jahren hat Feuerbach begonnen, auf dem Rosenhof am Rande des Hochwaldorts Züsch eine Schafzucht aufzubauen. Geschlachtet wird im hofeigenen Schlachtraum. Das Lammfleisch – und Geflügel aus eigener Zucht – verkauft sie im Hofladen.

Um ihre 120 Hühner und die Herde mit 30 Mutterschafen kümmert sich die 34-Jährige weitgehend allein. Ihre Mutter Rainhild, die den Hof vor Jahren als Reit- und Ferienbetrieb gründete, managt nach wie vor diesen Bereich. Den Familienbetrieb führen sie gemeinsam als Nebenerwerb. Für die finanzielle Absicherung sorgt – neben den Jobs der Ehemänner – die Vermietung eines Ferienhauses. Mit ihren Schafen, sagt Feuerbach, wolle sie ein weiteres Standbein aufbauen. „Mit zwölf Hektar Fläche ist der Betrieb recht klein. Ich musste mir eine Nische suchen, um den Hof erhalten zu können.“ Die Landwirtschaft heutzutage hänge „am Tropf der Subventionen“, bemängelt sie. Wer überleben wolle, müsse sich etwas einfallen lassen.

Ein paar Schafe, sagt die Züscherin, gab es auf dem Rosenhof schon immer – aber nur zum Eigenverzehr. Um den Zuchtbetrieb mit Direktvermarktung zu etablieren, nimmt die vierfache Mutter einiges an Arbeit in Kauf. Im Frühjahr sind die neugeborenen Lämmer zu versorgen, im Spätherbst ist Deck- und Schlachtzeit. Dazu komme das tägliche Füttern, die Pflege der Tiere, das Reparieren der Zäune. Neulich, erzählt Feuerbach, habe sich ein Lamm die Lippe verletzt. Das habe sie einfach selbst genäht. „Ich wollte früher mal Tierärztin werden“, sagt sie und lacht. Zugunsten der Familienplanung habe sie sich anders entschieden. Zwischendurch gebe es auch ruhigere Phasen, sagt die vierfache Mutter. Da ihr Mann als Industriemechaniker im Schichtbetrieb arbeite, wüchsen ihre Kinder sehr selbstständig auf. „Sie können sich gut selbst organisieren. Aber wenn etwas sein sollte, bin ich ja zu Hause.“

Den Nebenerwerb einigermaßen wirtschaftlich zu gestalten, dazu gehöre „eine Portion Optimismus“, gibt Feuerbach zu. Lammfleisch sei „schon etwas speziell“, zudem deutlich teurer als Schwein oder Hühnchen. Verwerte sie ein Lamm komplett mit Fell, verdiene sie damit um die 100 Euro. „Das ist nicht so viel, wenn man meine ganze Arbeit übers Jahr betrachtet.“ Ein Absatzproblem habe sie allerdings nicht. Sie beobachte, dass immer mehr Menschen bei Lebensmitteln Wert auf regionale Herkunft und gute Qualität legten: „Die Nachfrage boomt. Auch wenn man manche Menschen damit nie erreichen wird, weil deren Geldbeutel es nicht hergibt.“

Für die Vermarktung will Feuerbach künftig stärker aufs regionale Netzwerk setzen. Mitglied bei der Regionalinitiative Ebbes von hei, über die Erzeuger aus der Region Saar-Hunsrück ihre Produkte bewerben, ist sie schon länger. Bislang habe sie dafür aber mengenmäßig nicht genug anbieten können. Wenn wie geplant zum Fleisch auch Wurst hinzukomme, lohne sich das eher, sagt sie.

Um ihren noch jungen Betrieb bekannter zu machen, greift die 34-Jährige auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Im Herbst 2018 stand sie etwa für die Südwestfunk-Sendereihe „Lecker aufs Land“ vor der Kamera. Pro Staffel reisen dabei sechs Landfrauen durch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, besuchen und bekochen sich gegenseitig mit Zutaten aus den eigenen Betrieben. „Das war zwar zeitaufwendig, hat aber viel Spaß gemacht“, sagt die Züscherin über den viertägigen Dreh auf ihrem Hof.

Das Thema Essen sei für sie „absolut essenziell. Es ist ein Stück Lebensqualität, darauf zu achten, was wir unserem Körper zumuten“. Ihr Menü für die Show: Lammbraten mit Rotkohl-Orangen-Salat, Rote-Bete-Carpaccio und beschwipste Dampfnudeln. Die Zutaten stammten auch aus dem eigenen Obst- und Gemüsegarten. Ihr Fernsehauftritt, sagt Feuerbach, habe das Interesse an ihrem Betrieb gesteigert. „Die Leute rufen an oder kommen einfach im Laden vorbei.“ Der Beitrag wurde zweimal ausgestrahlt und ist in der SWR-Mediathek abrufbar, auch ein Kochbuch zur Sendereihe ist erschienen. Unterwegs werde sie häufiger erkannt: „Es entsteht gleich eine Verbundenheit.“ Das habe sie auch im eigenen Dorf gespürt. Sie sei eine Art „Imageträgerin“ für ihre Heimatregion geworden: „Die Leute freuen sich, wenn jemand positiv über den Hunsrück spricht.“

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