Gesellschaft: Lange Leidenschaft für Tante Emma-Läden

Gesellschaft : Lange Leidenschaft für Tante Emma-Läden

Wolfgang Riehm aus Schillingen sammelt Kleinläden aus vergangener Zeit. Seine neueste Errungenschaft ist ein Landhandels-Laden, eine Art Raiffeisen-Betrieb in Kleinformat. Und auch sonst hat er viele kleine Kostbarkeiten in seinem Haus.

Wolfgang Riehm wohnt mit seiner Ehefrau Marliese in Schillingen und betreibt einen kleinen Versand für Metzgerei-Gewürze. Der eigentliche Beruf des zugezogenen Saarländers jedoch war das Metzgerhandwerk.

Er selbst machte 1963 die Meisterprüfung. „Keinen der Betriebe, in denen ich früher gearbeitet habe, gibt es heute mehr,“ stellt Riehm fest. Das sei typisch für die heutige Entwicklung. 1957 habe er sich in Lebach selbstständig gemacht und dabei ein damals erfolgreiches Konzept übernommen: Alle Arbeiten, die mit der Fleischzubereitung zu tun hatten, wurden bei mir hinter der Theke für den Kunden sichtbar ausgeführt.“

Kaum einer vermutet hinter der Fassade seines Hauses in Schillingen, das er im Jahr 1997 gekauft hat, eine Art Museum. Doch genau das ist es. Auf zwei Etagen hat der 78-Jährige die Begegnungsstätten einer vergangenen Zeit aufgebaut. Läden, in denen außer dem Verkauf auch die Kommunikation eine wichtige Rolle spielte. Unzählige Dinge kann man in der Sammlung bestaunen.

Eine Aufschnitt-Schneidemaschine, eine uralte Holzkasse und viele Reklame-Plakate sind sein ganzer Stolz. „Alles im Original“, so sein Kommentar. Sogar einen passenden Kühlschrank aus vergangener Zeit nennt er sein eigen. „Das ist ein normaler Holzschrank, der mit Eisstangen aus der Brauerei bestückt wurde. Das abtropfende Tauwasser wurde aufgefangen.“ Seine neueste Errungenschaft ist ein sogenannter Landhandels-Laden, eine Art Raiffeisen-Betrieb in Tante-Emma-Art. „Ich kenne keinen weiteren dieser Art“, sagt Riehm stolz.

Zu sehen sind hier kleine Haushaltsmaschinen von damals bis hin zu handbetriebenen Schleifsteinen. Besonders erwähnt er eine große Kiste in seinem Laden. „Das ist eine Mehlkiste, aus der das Mehl lose verkauft wurde.“

Riehm erinnert sich, als Kind in solchem Laden eingekauft zu haben, insbesondere Mehl. „Man nannte die Läden auch Mehlengel. Wenn wir etwas Geld zusammen hatten, durfte ich davon 5 Pfund Mehl kaufen. Das war für mich ein großes Erlebnis.“

Er habe etwa 50 komplette Läden zusammengestellt, die er in ganz Deutschland verkauft habe. Dabei stellen sich Inhaber kleinerer Unternehmen diese Läden auf, um damit ihr Geschäft zu betreiben, der Nostalgie wegen. „Meine fertigen Läden gebe ich weiter an zahlreiche Sammler – komplette Tante-Emma-Läden, die diesen Dingen ebenso verfallen sind wie ich selbst.“

Sein ganzer Stolz ist jedoch ein Autogrammbuch. Darin haben sich alle Ermittler der BKA-Soko Lebach 1969 eingetragen. Damals waren zwei bewaffnete Männer in die Standortmunitionsniederlage Landsweiler des Fallschirmjägerbataillons 261 eingedrungen, nachdem sie vier der zwölf Munitionsbunker gewaltsam geöffnet, 1000 Schuss Gewehrmunition, 50 Schuss Pistolenmunition, zwei Pistolen Walther P1 sowie drei Schnellfeuergewehre vom Typ HK G3 mitgenommen hatten. Sie töteten drei der fünf diensthabenden, schlafenden Wachsoldaten und verletzten zwei weitere schwer.