Lange Nacht der Volkshochschulen - Hermeskeil

Bildung : Hermeskeil stößt auf 100 Jahre Bildung an

Die deutschen Volkshochschulen feiern Jubiläum und die Hochwaldstadt feiert mit – in einer Langen Nacht.

(red) 100 Jahre Volkshochschulen – ein Grund zum Feiern. Am Freitag, 20. September erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil ab 18 Uhr ein buntes Programm, beginnend mit einem Vortrag von Otmar Nieß zum Thema „Weimar im Krisenjahr 1919“ und einem Sektempfang. Anschließend geben die Dozenten der Volkshochschule (VHS) Hermeskeil beim Speed Learning Einblick in ihre Kurse. Zwischendrin bleibt Zeit zum Austausch bei Kulinarischem und Soul und Funk von Soul Cantina.

Die Lange Nacht der Volkshochschulen ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 100-jährigen Bestehen der Volkshochschulen in Deutschland und findet an diesem Abend erstmals bundesweit statt. Das Jubiläum geht zurück auf die Weimarer Verfassung, die den Anspruch auf Weiterbildung in staatlicher Verantwortung erhob.

Mit der Verankerung der Volkshochschulen in die Verfassung zeigt sich die hohe Wertigkeit, die die Gründerväter der Weimarer Republik der Erwachsenenbildung zukommen ließen. In dieser Umbruchzeit, die gezeichnet war von politischen Kämpfen, der Hypothek des Krieges und Hyperinflation, sind die Grundlagen für die heutige Demokratie gelegt worden.

Neue gesellschaftliche Konzepte drängten in die Politik. Eine Aufbruchsstimmung des jungen 20. Jahrhunderts spiegelte sich auch im Bildungssystem wider. Reformpädagogen brachten neue Bildungskonzepte in die Schulen ein. In Hermeskeil wurde das Gymnasium gegründet.

Diese progressiven Kräfte, die auf neue gesellschaftliche Herausforderungen eine Antwort suchten, konkurrierten mit den beharrenden Strukturen. Unter den Nationalsozialisten wurden nicht linientreue Leiter und Dozenten aus Schulen und Volkshochschulen entfernt. Die Volkshochschulen wurden vielerorts zu Volksbildungsstätten umbenannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte es für Hermeskeil noch lange dauern, bis eine Erwachsenenbildung tätig wurde. 1953 schuf der Landkreis Trier das erste Kreisvolksbildungswerk in Rheinland-Pfalz, mit der erklärten Aufgabe, örtliche Volksbildungswerke im Landkreis zu initiieren und diese zu unterstützen.

Ein Jahr später wurde auf Initiative von Pastor Peter Mohr das Volksbildungswerk Hermeskeil gegründet. In Kooperation mit dem Kreisvolksbildungswerk sollte das Volksbildungswerk allen Bürgern dienen und konfessionell nicht gebunden sein.

1958 übernahm die Volksbildung eine Gruppe Hermeskeiler Bürger unter anderem Rektor Georg Marx, Klaus Piepenstock und Siegrid Hackethal, die auch in Tradition der Hochwaldzeitung die Wochenzeitung „Rund um Hermeskeil“ aus der Taufe hoben. Hierbei fungierte das Volksbildungswerk als Herausgeber. Der Schwerpunkt der Bildungsarbeit lag auf dem heimatkundlichen Bereich.

Als der Musiklehrer Peter Würtenberger an das Gymnasium Hermeskeil kam, übernahm er zunächst die von Elisabeth Jost organisierten Kammerkonzerte. Diese bildeten dann auch bald einen festen Bestandteil des Programms des Volksbildungswerkes. Unter der Ägide Würtenbergers wurde das Volksbildungswerk betont weltlich ausgerichtet. Die Fremdsprachen wurden und blieben wesentlicher Bestandteil der Erwachsenenbildung.

1966 erfolgte die Erweiterung der Erwachsenenbildungen in Hermeskeil um zwei weitere Institutionen: das Katholische Bildungswerk Johanneshaus und das Evangelische Bildungswerk. 1969 übernahm Dr. Hans Reichert das Volksbildungswerk. Er ist vielen Hermeskeiler in lebhafter Erinnerung geblieben, unter anderem durch seine naturkundlichen Veranstaltungen. Es gibt nur wenige Pilzkenner, die nicht einmal an einer Pilzführung unter seiner Leitung teilgenommen haben.

Mit dem Schaffen einer Kreisvolkshochschule als Anstalt des öffentlichen Rechts im Jahr 1970 erhielt auch das Volksbildungswerk Hermeskeil einen neuen Namen: Volkshochschule. Im selben Jahr wird auch durch das Erwachsenenbildungsgesetz Rheinland-Pfalz eine Vereinheitlichung im Hinblick auf Organisationsform und Honorare erzielt.

Die 70er Jahre wurden einerseits geprägt von einem latent bedrückenden Klima, dem Kalter Krieg, und Vietnam. Die Studentenunruhen und der Terror der RAF zeigten die gesellschaftlichen Spannungen auf. Gleichzeitig herrschte vor Ort Aufbruchsstimmung. Hermeskeil wurde Stadt und erhielt ein neues, modernes Schulzentrum. Bereits das Äußere des Schulgebäudes verweist mit seinen radikalen Bauformen wie Materialsichtigkeit und Struktur auf die weitreichenden inneren Schulreformen von Schulsystem und Pädagogik. Wieder waren innovative Köpfe auf der Suche nach Antworten auf neue gesellschaftliche Konflikte. Einer von den jungen engagierten Lehrern war Michael Geisen, der von 1974 bis 1978 die VHS leitete. Josef Lauterbach übernahm als neuer Leiter des Gymnasiums 1978 auch die Leitung der Volkshochschule, die wiederum 21 Jahre später in die Hände des langjährigen Geschäftsführers Volkhard Hubert übergeben wurde.

Im neuen Jahrtausend erhielt die Erwachsenenbildung ihr erstes selbstständiges Büro in den Räumen der IGS. Damit wurde sie neben Schweich, Saarburg und Konz eine der vier hauptamtlichen Außenstellen der Kreisvolkshochschule Trier-Saarburg.

Seit 100 Jahren sind Volkshochschulen in den Kommunen der Ort, an dem sich alle Menschen begegnen und zusammen lernen – ein Grund zum Feiern.

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