Langfinger greifen immer öfter zu

KONZ/SAARBURG. Die Kriminalstatistik 2006 der Polizeiinspektion Saarburg liegt vor. Die gute und gleichzeitig schlechte Nachricht: Auch im vergangenen Jahr konnten die Ordnungshüter mehr als die Hälfte der Straftaten aufklären, obwohl die Gesamtzahl der Delikte um rund 20 Prozent gestiegen ist.

 Fremder Leute Sachen haben offenbar auch in Konz einen großen Reiz: Insgesamt 1013 Diebstähle wurden im Bereich der Polizeiinspektion Saarburg im vergangenen Jahr verübt. Verglichen mit anderen Delikten rangieren die Diebstähle damit in der Kriminalstatistik 2006 an erster Stelle. TV-Foto: Hermann Pütz

Fremder Leute Sachen haben offenbar auch in Konz einen großen Reiz: Insgesamt 1013 Diebstähle wurden im Bereich der Polizeiinspektion Saarburg im vergangenen Jahr verübt. Verglichen mit anderen Delikten rangieren die Diebstähle damit in der Kriminalstatistik 2006 an erster Stelle. TV-Foto: Hermann Pütz

Wenn Günter Schander mit roten Zahlen hantieren muss, ist das für ihn durchaus ein Grund zur Besorgnis - vor allem dann, wenn dem Ersten Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion (PI) Saarburg die jährlich erscheinende Kriminalstatistik vorliegt. Sie dokumentiert die in den zurückliegenden zwölf Monaten verübten Straftaten, deren Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren sowie die Aufklärungsquote. Grün hinterlegte Zahlen stehen für eine positive Entwicklung. Die Zahlen, die in der Kriminalstatistik 2006 der PI Saarburg zu lesen sind, sind hauptsächlich rot hinterlegt. Konkret: Die Gesamtzahl der gemeldeten Straftaten, die in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg sowie in Teilen der VG Kell am See verübt wurden, betrug im vergangenen Jahr exakt 2718 und lag damit um immerhin 465 über dem Wert von 2005.1013 Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche

Unangefochten an der Spitze lagen die Diebstahlsdelikte, zu denen unter anderem Laden- und Wohnungseinbruchsdiebstähle gehören. Genau 1013 Straftaten zählten zu dieser Kategorie, im Jahr 2005 waren es nur 787. "Der nicht unerhebliche Anstieg ist im Wesentlichen auf Einbruchsserien zurückzuführen", erklärt PI-Chef Günter Schander. Derzeit schlagen sich die Saarburger Ordnungshüter mit einer neuen Serie herum - und tappen, was die Täter angeht, noch im Dunkeln. Ende vergangenen Jahres und zuletzt im Februar waren Unbekannte in Wohn- und Geschäftshäuser in Saarburg, Trassem, Ayl und Tawern eingebrochen (der TV berichtete mehrfach). Obwohl die Polizei noch keine konkreten Angaben zu den Tätern machen kann, wagt Schander doch einen Tipp: "Vermutlich handelt es sich um eine ‚überörtliche' Tätergruppe." In der Kriminalstatistik 2006 folgen den Diebstählen und den Sachbeschädigungen (479 Fälle) die Vermögens- und Fälschungsdelikte, in diesem Fall hauptsächlich Betrügereien. Ihre Zahl ist verglichen mit 2005 geradezu sprunghaft von 289 auf 418 angestiegen. "Besonders die Internet-Betrügereien im Zusammenhang mit Online-Auktionshäusern haben stark zugenommen", berichtet Günter Schander und erläutert: "Die Leichtgläubigkeit ihrer Opfer kommt den Tätern zugute." Letzteren biete das Internet allerdings nur eine scheinbare Anonymität. Saarburgs leitender Polizist rät: "Wer Opfer eines Internet-Betrügers geworden ist, sollte möglichst alles sammeln, was später als Beweismittel in Betracht kommen könnte, darunter den E-Mail-Schriftverkehr." Auch wenn die aktuelle Kriminalstatistik unter dem Strich eine negative Entwicklung dokumentiert, so sind dennoch einzelne Lichtblicke - oder besser: grün hinterlegte Zahlen - erkennbar. Leicht zurückgegangen sind unter anderem die "Rohheitsdelikte", dem Sammelbegriff für schwere und gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. Die Zahl dieser Delikte lag im vergangenen Jahr mit 331 um 25 unter dem Vorjahreswert. Besonders alarmierend: "Die häusliche Gewalt, beispielsweise zwischen Lebenspartnern, hat zugenommen", sagt Schander. "Im Jahr 2006 mussten wir 72 Mal bei Auseinandersetzungen einschreiten." Wirksamstes Mittel der Polizei als Reaktion auf häusliche Gewalt seien Hausverweise, die bis zu einer Dauer von zehn Tagen ausgesprochen werden können. Doch damit sei das eigentliche Problem oft nicht gelöst, denn: "Viele der meist männlichen Täter sind Wiederholungstäter." Um ihnen das Handwerk legen zu können, müsse der oder die Geschädigte auf jeden Fall Anzeige erstatten. Trotz der insgesamt eher ernüchternden Bilanz konnten die Saarburger Ordnungshüter im vergangenen Jahr einen gewissen Erfolg verbuchen. Der Anteil der Delikte, die aufgeklärt werden konnten, ist nahezu gleich geblieben und lag bei 58,5 Prozent - und das, obwohl die Gesamtzahl der Straftaten verglichen mit 2005 um rund 20 Prozent angestiegen ist. Anders ausgedrückt: Genau 1590 Fälle konnten die Frauen und Männer in Grün ad acta legen.

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