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Langjährige Ortsbürgermeister aus den Verbandsgemeinden Konz, Saarburg-Kell und Hermeskeil blicken auf ihr Schaffen

Vier Ortsbürgermeister blicken zurück : Schlaflose Nächte und Gänsehautmomente

Die Nachfolger sind längst am Ruder. Doch haben Werner Weber, Lothar Rommelfanger, Martin Lutz und Willi Emser jahrzehntelang in ihren Dörfern viel bewegt. Der TV blickt mit den vier dienstältesten Ex-Ortschefs im Raum Konz, Saarburg und Hochwald auf schöne und schwierige Momente zurück.

Was die Dauer der Amtszeit als Ortsbürgermeister angeht, ist Werner Weber aus Naurath/Wald (CDU) einer der Spitzenreiter im Kreis. Der heute 65-Jährige stieg vor 40 Jahren in die Gemeindepolitik des 200-Einwohner-Dorfs im Hochwald ein, war fünf Jahre lang erster Beigeordneter, dann 35 Jahre Ortschef. Vor der Kommunalwahl im Mai entschied er, „dass irgendwann der Zeitpunkt da ist, wo andere übernehmen sollten“. Am Sonntag würdigten die Naurather sein Wirken mit einer Abschiedsfeier.

Als wichtigste Projekte seiner Laufbahn nennt Weber die Neubaugebiete. Zudem seien von 2002 bis 2012 alle Straßen saniert worden. Als „Mammutprojekt“ beschreibt er die Sanierung des Bürgerhauses, die ihn einige schlaflose Nächte gekostet habe: „So ein 500 000-Euro-Projekt zehrt am Ortsbürgermeister.“ Der müsse ständig aufpassen, dass nichts aus dem Ruder laufe, permanent Kompromisse finden mit Bürgern und Baufirmen. Finanziell sei es der Gemeinde dank Pachteinnahmen von drei Windrädern immer gut gegangen.

Ansprechpartner bei jedem Problem im Dorf zu sein, könne zwar anstrengend sein, sagt Weber. „Aber mit den Jahren wächst man da rein.“ Nächtliche Anrufe etwa nach Wildunfällen hätten ihn kaum noch gestört. Wichtig sei immer die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit der Verwaltung in Hermeskeil und seinem Gemeinderat gewesen. Von seinen vielen Kontakten aus 35 Jahren profitiere auch sein Nachfolger Dirk Nabakowski, den er unterstütze. Dessen dringendste Aufgabe: „Weiter Bauland für junge Leute schaffen.“

Weber arbeitete bis vor drei Jahren bei einem LKW-Fahrzeugbauer in Föhren. Als Ruheständler und Ex-Ortschef habe er nun mehr Zeit fürs Wandern und Gärtnern. Das Schönste an dem Amt, sagt er, war „die spannende Aufgabe, ein Dorf voranzubringen“. Als angenehm habe er die „Kameradschaft“ im Ort empfunden, die sich zum Beispiel bei der 825-Jahr-Feier 2015 gezeigt habe.

Obwohl in Naurath problemlos ein Nachfolger gefunden worden sei, bemerke er zurückgehendes Interesse am politischen Ehrenamt, sagt Weber: „Die Gesellschaft hat sich stark gewandelt. Die Leute sind zeitlich sehr eingespannt.“ Den Ortschef mehr zu unterstützen und Lasten zu verteilen, könne den Job attraktiver machen.

Willi Emser (76, parteilos) hat in Baldringen 30 Jahre lang die Gemeindegeschäfte geführt. Bei seinem Antritt 1989, sagt er, sei das Hochwalddorf mit etwa 260 Einwohnern das am zweithöchsten verschuldete in der damaligen VG Kell am See gewesen. Somit war das erste wichtige Projekt die „eiserne Sparpolitik“, dank der Baldringen bald wieder Rücklagen gebildet habe. Zu den größten Erfolgen zähle er die drei Neubaugebiete. „Damit waren wir im VG-Gebiet in dieser Zeit der Ort, der prozentual am stärksten gewachsen ist.“ Möglich war dies laut Emser auch durch eine „konstruktive Zusammenarbeit“ im Rat und viel ehrenamtlichen Einsatz der Bürger. Die damals im Dorf bestehenden Gruppen zu einer Gemeinschaft vereint zu haben, sei auch ein Verdienst Emsers, hieß es bei seiner Verabschiedung im Rat.

Die 30 Jahre als Ortschef hätten ihm oft richtig Spaß gemacht, sagt er. Es habe aber auch Zeiten gegeben, wo er „am liebsten das Handtuch geworfen hätte“, zum Beispiel, als Windkraftpläne für Baldringen scheiterten. Besonders berührt habe ihn eine Aktion der Dorfjugend, als gerade über eine nicht vorhandene Hausordnung für den Jugendraum diskutiert wurde: „Sie klingelten bei mir und wollten der Gemeinde 700 D-Mark spenden. Anstatt von uns etwas zu erwarten, gaben sie uns etwas.“

Die Kehrseite des Amts: „Es ist zeitaufwendig, und man trägt immer Risiken und Verantwortung.“ Wie man den Job attraktiver machen könnte? Aus Emsers Sicht ist die Kluft zu groß zwischen der kommunalen Politik und der Ebene darüber. „Wir versuchen, vor Ort Probleme zu lösen, die die Politik da oben nicht richtig wahrnimmt.“

Seiner Nachfolgerin Jennifer-Laura Höfer (33) habe er geraten, keine „Parteipolitik“ zu machen, sagt Emser. Er selbst habe nach seinem SPD-Austritt und durch viele parteipolitische Auseinandersetzungen in der früheren VG „Altlasten“ herumgetragen, die manches erschwert hätten. Als ehemaliger Berufssoldat und IT-Spezialist bei der Bundeswehr habe er stets um die Verantwortung des Amts gewusst und arbeite daher mit Höfer an der „perfekten Schichtübergabe“. Deren dringendste Aufgabe sei, die Pläne für das vierte Baugebiet voranzutreiben.

Merzkirchens Ortsbürgermeister hieß 20 Jahre lang Martin Lutz (CDU). Kurz vor seinem 70. Geburtstag hörte er auf: „70 war für mich eine magische Zahl, dann ist es gut.“ Lutz erinnert sich an seinen Start: „Ich habe damals noch bei der Bundeswehr in Koblenz und Andernach gearbeitet. Da kam keiner auf die Idee, morgens um 7.30 Uhr anzurufen und zu fragen: ,Da hängt ein Ast über die Straße. Kannst du dich mal kümmern?’.“ Nach der Versetzung nach Trier sei es schon schlimmer geworden. 2003 ging Lutz in Rente: „Ab da war ununterbrochen irgendwas.“

Dennoch sagt der Körriger: „Ich fand das Amt gar nicht so anstrengend.“ Obwohl wegen wichtiger Termine auch mal der Urlaub ausfallen musste. Es sei zwar viel Arbeit gewesen, er habe aber auch die Ergebnisse seines Tuns gesehen, sagt Lutz: „Ich war nie so der Mann für den Vordergrund. Das Schönste an dem Amt war zu sehen, dass ich jemandem geholfen habe oder dass das Dorf nun in Ordnung ist.“ 

Die drei größten Projekte aus 20 Jahren benennt Lutz ganz spontan. Die Flurbereinigung etwa habe den Ort 13 Jahre lang beschäftigt. „Da wurde viel diskutiert. Aber daraus hat sich auch vieles ergeben, beispielsweise vier Neubaugebiete (zwei in Merzkirchen, je eines in Körrig und Kelsen) und ein neues Kataster, das die Grundstücksgrenzen endlich klar regelt.“ Ein weiteres Großprojekt war laut Lutz der Kanalbau, genauer die Umstellung von Mischwasser auf Trennsystem. Daraus habe sich wiederum der Straßenneubau ergeben, weil man die Fahrbahnen ohnehin habe öffnen müssen. Projekt drei schloss sich automatisch an: die Dorferneuerung: „Viele Höfe waren wegen des Kanalbaus kaputt.“

Ideen, wie man den Job des Ortsbürgermeisters attraktiver machen könnte, hat Lutz einige. Man sollte die Gestaltungsspielräume vergrößern („für jeden Mist braucht man ein Gutachten“), die finanzielle Ausstattung verbessern („für alles muss man fragen, alles muss man begründen, selbst den Rasenmäher“) und die Haushaltspläne vereinfachen („mit dem Plan der Verbandsgemeinde können Sie einen erschlagen“).

Seine Nachfolge hat der 65-jährige Peter Hemmerling angetreten. Schmunzelnd merkt Lutz an: „Einen Generationswechsel hat es nicht gegeben.“ Hemmerling hätte schon vor 20 Jahren Ortschef werden sollen, damals aber aus beruflichen Gründen abgelehnt. Als dringende Aufgabe für seinen Nachfolger nennt Lutz das Beenden des juristischen Streits um den Kelsener Hangrutsch von 2009. Ein neues Vergleichsangebot liege vor. Zudem hält der Körriger die Entwicklung des kleinen Baugebiets in Kelsen für wichtig sowie den möglichen Neubau einer Kita in Merzkirchen. In seiner neu gewonnenen Freizeit wolle er mehr nach den vier Enkeln schauen.

30 Jahre war Lothar Rommelfanger (SPD) in Wiltingen Ortsbürgermeister. Im Mai verlor er die Wahl knapp gegen den von der CDU unterstützten Herausforderer Christoph Schmitz. Traurig ist er deshalb nicht: „Wenn man antritt, will man gewinnen. Aber ich war auch erleichtert“, sagt Rommelfanger. Weil er seit 2016 als Abgeordneter im Mainzer Landtag arbeite, sei das Zeitmanagement als Ortsbürgermeister zuletzt sehr anspruchsvoll gewesen. Jetzt ist er nur noch einfaches Gemeinderatsmitglied. Von den Wiltingern bekam er die meisten Personenstimmen aller Ratskandidaten.

Lange beschäftigt habe ihn als Ortschef die Neugestaltung des Bahnhaltepunkts, der kürzlich in Betrieb genommen wurde. Die Bahn hatte zuvor mehrfach ihre Vorgaben geändert, die Gemeinde deshalb mehrmals umplanen müssen. „Als ich das erste Mal am Haltepunkt mit dem Fahrrad in den Zug gestiegen bin, war das schon ein emotionaler Moment“, sagt Rommelfanger. Er habe eine alte Dame mit einem Wägelchen getroffen, die erstmals ohne Probleme nach Trier zum Einkaufen fahren konnte, weil der Bahnsteig endlich barrierefrei ist. Zur Kritik am Projekt sagt Rommelfanger: „Natürlich hätten wir einen zweiten Fahrkartenautomaten aufgestellt und eine Fußgängerunterführung bauen lassen, wenn wir uneingeschränkt Geld gehabt hätten.“

Hatte viel Freude an seinem Amt – trotz „eiserner Sparpolitik“: Willi Emser hat sich 30 Jahre lang als Gemeindechef für Baldringen eingesetzt. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber
Er fand es „gar nicht so anstrengend“: Martin Lutz hat zwei Jahrzehnte lang die Entwicklung Merzkirchens vorangetrieben. Foto: TV/Marion Maier
Für Haus und Garten hat er jetzt mehr Zeit: Rekordverdächtige 35 Jahre lang war Werner Weber Ortschef in Naurath/Wald. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Manche Begegnungen brennen sich tiefer als jedes Bauprojekt in die Erinnerung ein. Für Rommelfanger gab es im August 2007 einen solchen Moment. Da kehrte Edmund Meyer mit 15 Familienmitgliedern nach 70 Jahren im Exil in sein Heimatdorf Wiltingen zurück. 1937 musste die jüdische Familie das Dorf verlassen, weil sie in der damaligen NSDAP-Hochburg unerwünscht war. 2007 besuchte der damals 85-Jährige sein Elternhaus, wo man Stolpersteine verlegt hatte. Meyer schloss da seinen Frieden mit den Wiltingern. „Das war ein absoluter Gänsehautmoment“, sagt Rommelfanger. Insgesamt hält er soziale Projekte wie die Wiederbelebung der Kirmes, das Herausgeben der Dorfzeitung oder die Sonntagsmatineen für wichtige Errungenschaften seiner Amtszeit. Das Klagen anderer Kommunalpolitiker über zu kleine Spielräume in den Gemeinden verstehe er nicht. „Ich kann immer etwas im Kleinen gestalten. Da ist Einfallsreichtum gefragt.“ Der Ortsbürgermeisterposten sei ein anspruchsvolles Amt. „Wer viel gestalten möchte, braucht viel Zeit.“ Daher hielte er es für sinnvoll, die ehrenamtlichen Ortschefs ab einer gewissen Ortsgröße – zum Beispiel ab 2000 Einwohnern – von ihrer hauptamtlichen Arbeit freizustellen.