Laufen für arme Kinder

Die gemeinnützige Gesellschaft "Direkt für Kinder" aus Mainz hat gemeinsam mit der Grundschule Freudenburg einen Sponsorenlauf organisiert. 135 Erst- bis Viertklässler drehten ihre Runden um den Sportplatz. Die Spenden von Eltern, Freunden, Bekannten und andere Sponsoren fließen zu zwei Fünftel an den Förderverein. Mit dem Rest werden Kinder direkt unterstützt.

Freudenburg. "Die Armut ist mitten unter uns, nicht nur irgendwo in der Dritten Welt", sagt die Gründerin der Gemeinnützigen Gesellschaft "Direkt für Kinder", Edith Wingenfeld. Aktuell belege das der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung.
Gemeinsam mit der Freudenburger Grundschulleiterin Rita Folz hat Wingenfeld die Aktion Hilfreich organisiert, bei der 135 Schüler einen Spendenlauf absolvierten. In ihren Aktionskarten waren die Sponsoren und die Höhe des Spendengeldes eingetragen.
"Genau steht der Betrag erst fest, wenn das Geld bei einem eigenen Termin übergeben wird", erklärt Wingenfeld, die in ihrer Kindheit selbst unter Armut litt. Geschätzt kamen ungefähr 2000 Euro zusammen.
Ein Fünftel von der Summe darf der Förderverein für schuleigene Projekte einsetzen. Der Rest geht direkt an bedürftige Kinder, deren Eltern auf Rechnung einkaufen können. Diese wiederum werden von der Organisation beglichen.
Sportlehrerin Heike Dillenburger hatte eigens mit den Kindern trainiert, damit möglichst viele Sportplatzrunden - und damit ein stattlicher Betrag - zusammenkamen. Im Unterricht lautete das Thema "Reichtum erfahren".
Schulleiterin Folz, die Edith Wingenfeld seit langem kennt, erklärt, wie Kinder das Problem Armut erfassen: "Es werden Gruppen gebildet, in denen zwei Kinder die Eltern spielen, die vier Kinder haben." So soll untereinander überlegt werden, wie alle das bekommen können, was sie brauchen, und erkannt wird, dass jeder Einzelne etwas für viele tun kann.
Guido Rach, der erste Beigeordnete der 1750-Einwohner-Gemeinde Freudenburg, ist davon überzeugt: "Ganz bestimmt gibt es auch bei uns im Ort betroffene Familien mit Kindern." Annähernd 1000 Kinder sind es im Landkreis Trier-Saarburg, wie Rainer Drautzburg vom zuständigen Jobcenter bestätigt.
"Die Dunkelziffer in ländlichen Regionen ist bestimmt höher", weiß der Vorsitzende des Fördervereins, Stefan Jungen, der selbst viele Jahre im sozialen Bereich gearbeitet hat. Das Problem sei hier die höhere Hemmschwelle, sein finanzielles Problem offenzulegen, denn auf dem Dorf kenne doch jeder jeden.
"Da die Statistik nicht die Niedriglohnempfänger erfasst, können die Zahlen nicht stimmen", fügt Wingenfeld hinzu. Wenn Geld für Sportschuhe, die Klassenfahrt, Musik oder sogar Spielsachen fehlt, kann die Hilfsorganisation einspringen. Oft rufen aber nicht die Betroffenen selbst, sondern Lehrer, Ärzte oder Vermieter an.
"Arm ist nicht gleich dumm" - darauf legt Stefan Jungen großen Wert. Deshalb sollen hochbegabte Kinder besonders gefördert werden, wie Wingenfeld erklärt: "Wir haben sogar schon einmal ein gebrauchtes Klavier gekauft, weil der Kleine auf einem Plastikklavier so toll spielte, dass mir die Tränen kamen."
Extra

Die gemeinnützige Gesellschaft Direkt für Kinder ist am 14. Juli 2010 in Mainz gegründet worden. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, vor allem Schulkinder, die akut von Armut betroffen sind, zu unterstützen und zu fördern. Es fließt dabei kein Bargeld. Vielmehr gehen Sachleistungen direkt an die Kinder in akuten Notlagen. Für dieses Jahr wird eine Zielmarke von 30 000 Euro Spendengeld angestrebt. doth Die Gesellschaft Direkt für Kinder ist unter Telefon 06131/9719136 und per Mail unter Kontakt@direkt-fuer-kinder.de erreichbar. Im Internet wird unter www.direkt-fuer-kinder.de umfangreich informiert.