Laufen für ein warmes Essen

Anfang des Jahres machte Haiti Schlagzeilen wegen horrender Nahrungsmittelpreise. Und vor wenigen Wochen haben erneut Wirbelstürme den Inselstaat heimgesucht. Den Kindern dort zu helfen, haben sich Trierer Schüler auf die Fahnen geschrieben. Sie organisieren am 7. November auf dem Moselradweg einen Spendenlauf für Haiti.

Trier. Wenn Viktoria Vida von Haiti erzählt, strahlen ihre Augen. "Die Leute sind so herzlich,", schwärmt die 17-Jährige. Eine Woche war sie in dem karibischen Inselstaat in Urlaub, während ihres einjährigen USA-Aufenthalts. Das war im April, inmitten der Unruhen, als die Nahrungsmittelpreise dramatisch anstiegen. "Wir wollten sechs Tage bleiben" - es wurden zehn. "Die haben Straßensperren errichtet und uns nicht zum Flughafen gelassen", sagt die Schülerin, die in Trier das Hindenburg-Gymnasium besucht. "Ich hatte Angst, die Stimmung war so angespannt." Doch für die Not der Menschen hat sie Verständnis; und sie will ihnen helfen.

"Nach dem Rückflug hat mich das nicht mehr losgelassen." "Da musst du was machen", habe sie gedacht. "Ich hatte die ganze Zeit einen Spendenlauf im Kopf." Mit der Idee, die sie in den USA kennengelernt habe, will sie Geld sammeln. "Für einen Euro bekommt man in Haiti fünf warme Mahlzeiten", hat die junge Triererin in Erfahrung gebracht.

Mit ihrem Engagement hat Viktoria die Jugendlichen der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) in Trier angesteckt. Gemeinsam waren sie im Rathaus, um die Genehmigung für ihre Aktion einzuholen. Gelaufen wird am Freitag, 7. November, zwischen 14 und 20 Uhr, eine rund drei Kilometer lange Rundstrecke auf dem Moselradweg zwischen Römerbrücke und Konrad-Adenauer-Brücke. Für jeden Kilometer der Läufer sollen Eltern, Verwandte, Freunde einen bestimmten Betrag zahlen. Auch Firmen konnten als Sponsoren gewonnen werden. Sie springen ein, wenn ein Läufer keine Unterstützung mitbringt. Außerdem gibt es eine Tombola, und der Teilnehmer mit dem kreativsten Outfit gewinnt den Hauptpreis.

Kinder backen Kekse aus Matsch und Zucker



Der Erlös gehe an Glow ("Gottes Liebe für Waisen und Witwen"), sagt Viktoria. Die amerikanische Hilfsorganisation habe sie durch ihre Gasteltern in Michigan, USA, bei denen sie als Austauschschülerin lebte, kennengelernt. "Glow kümmert sich um die schulische und medizinische Betreuung der Kinder in Haiti und sorgt für Mahlzeiten. Das Besondere ist, dass sie Lehrer und Ärzte im Land ausbilden, damit es sich von innen heraus entwickeln kann. Das gefällt mir." In der New York Times habe sie gelesen, dass die Kinder dort aus Matsch und Zucker Kekse, "Mud Cookies", backen, berichtet die Triererin fassungslos. "Und uns haben sie in der Schule, die wir besuchten, Salat und Mangos vorgesetzt - das beste Essen, das sie haben."

Bekanntmachen wollen wir unsere Hilfsaktion über die Schulen, berichtet Allike Palias, die ebenfalls vom Haiti-Fieber befallen ist und das Angela-Merici-Gymnasium besucht. Denn die acht Mitstreiter der FEG seien an verschiedenen Schulen. Es gebe eine Homepage ( www.4haiti.de), Plakate, und auch die Schülervertretungen seien mit im Boot. "Wir sind die ersten in Europa, die so etwas machen", sagt die 18-Jährige aus Trier stolz. "Ich finde es gut, wenn die Schüler etwas Eigenes beitragen müssen", ergänzt ihre Freundin. "Wenn man, wie wir, so beschenkt ist - das ist ein Segen, da muss man was tun", ist Viktoria Vida überzeugt. "Wir müssen nur reden und Zeit opfern, um zu helfen, damit Kinder in Haiti ernährt und unterrichtet werden."

Interessierte Schüler, aber auch Erwachsene, können sich anmelden im Internet unter www.4haiti.de. Hier gibt es auch Informationen über die Verwendung der Spendengelder.