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Leben im Spagat zwischen Firma, Familie, Politik

Der erste Konzer Ehrenbürger : Leben im Spagat zwischen Firma, Familie, Politik

Der Unternehmer und FDP-Kommunalpolitiker Franz Görtz wird am Sonntag, 23. Dezember, 80 Jahre alt. Zum Geburtstag bekommt er ein besonderes Geschenk: Er wird der erste Ehrenbürger der Verbandsgemeinde Konz.

Denkt Franz Görtz an Konz, sagt der 79-Jährige spontan: „Heimat!“ Ein Begriff, der Görtz’ Gefühle für die Saar-Mosel-Stadt auf den Punkt bringt. Denn er kommt am 23. Dezember 1938 in Karthaus zur Welt und wächst dort auf. Danach bleibt er sein Leben lang in Konz. Er lebt aber nicht nur dort, sondern prägt die Stadt und die Verbandsgemeinde (VG) ein halbes Jahrhundert mit – als „Macher zwischen Baufirma und Sitzungssälen“, wie der TV 2013 titelte.

Einerseits ist der Konzer Inhaber der Baufirma Elenz, andererseits arbeitet er 50 Jahre lang als FDP-Politiker im Verbandsgemeinderat mit. Pünktlich zum 80. Geburtstag, den Görtz am Sonntag, 23. Dezember, feiert, bekommt er dafür eine Auszeichnung: Der VG-Rat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür gestimmt, ihn zum ersten Ehrenbürger der Verbandsgemeinde zu machen. Bisher gibt es nur für die Stadt Konz Ehrenbürger (siehe Info). Die Verleihung des Ehrentitels soll im Januar folgen, ein Termin steht noch nicht fest.

Die Auszeichnung bekommt Görtz sozusagen für 50 Jahre im Spagat. Der Konzer hat es geschafft, eine mittelständische Baufirma zu führen und zugleich die Kommunalpolitik seiner geliebten Heimatstadt mitzuprägen. Sein Unternehmen beschäftigt zurzeit 217 Mitarbeiter. Görtz selbst kommt immer noch täglich in sein Büro. Dort steht ein Teller Obst für ihn bereit. Meist arbeitet er von 7.45 bis 13 Uhr. Danach ist er für die Mitarbeiter noch auf dem Handy erreichbar. Er stehe immer bereit, sagt der Unternehmer.

Die Bilder zeigen verschiedene Stationen im Leben von Franz Görtz. Foto: Franz Görtz

Neben der Arbeit bringt sich Görtz seit Ende der 1960er Jahre in die Kommunalpolitik ein. Er arbeitet seit 50 Jahren in den politischen Gremien der VG Konz mit. Oft plant er dort Projekte, die seine Firma später ausführt. Bei der Auftragsvergabe darf er dann wegen Befangenheit nicht mitstimmen, sobald seine Firma ein Angebot abgibt. Als Politiker ist Görtz bekannt für seine Reden, seine spitzen Kommentare und Beispielrechnungen, mit denen er die Belange der regionalen Wirtschaft anschaulich darstellt – zum Beispiel, wenn er vorrechnet, wie viele Kilometer die Laster seiner Firma fahren müssen, weil es den Moselaufstieg, die direkte Anbindung von Konz an die A 64, nicht gibt.

Als Unternehmer stehe er in der Politik oft auf verlorenem Posten, sagt Görtz. Die meisten Politiker haben aus seiner Sicht keine Ahnung, wie mittelständische Firmen funktionieren: „Das ist schade.“ Politik als Beruf, zum Beispiel im Land- oder Bundestag, sei für ihn trotzdem nie eine Option gewesen. Andere Unternehmer hätten das probiert, und oft habe die Firma gelitten. Einige seien sogar pleitegegangen. Für jüngere Unternehmer hat er einen Tipp: „Eine politische Ebene geht, mehr nicht!“ Auf die Entwicklung in der Verbandsgemeinde Konz – der Ebene, in der er tätig ist – blickt er mit Stolz. „Als ich damals in die Schule ging, war nichts funktionsfähig“, erzählt er. In Karthaus habe keine Toilette und keine Wasserleitung richtig gearbeitet. „Nach dem Krieg war alles kaputt, dann ging es aufwärts.“ Auch als Görtz 1967 mit 29 Jahren in die FDP, die Partei seines Schwiegervaters und Firmengründers Leo Elenz, eintritt, ist noch viel zu tun. 1969 ist er erstmals Mitglied des VG-Rats. Und dann folgen Jahrzehnte, die die Entwicklung in Konz maßgeblich prägen. Die Verbandsgemeinde Konz wächst bis heute von damals 22 000 auf mehr als 32.000 Einwohner. In den 1970er und 1980 Jahren werden zum Beispiel die Wohngebiete Canet oder Roscheid erschlossen. Görtz plant mit, seine Firma übernimmt oft die Bauaufträge. Es folgen etliche Straßen- und Tiefbauprojekte in der gesamten Verbandsgemeinde. Die Firma Elenz wächst mit der Zeit wie die VG. Zurzeit hat sie 217 Mitarbeiter an mehreren Standorten in Deutschland und Luxemburg.

Die Bilder zeigen verschiedene Stationen im Leben von Franz Görtz. Foto: Franz Görtz

Dass Görtz den Spagat zwischen Unternehmen und Politik so lange geschafft habe, verdanke er in erster Linie seiner Frau Gisela, sagt der 79-Jährige heute. Sie sei bis zu ihrem Tod im Oktober 2012 die dritte und wichtigste Säule in seinem Leben gewesen. Dem selbstbewussten Karthäuser fällt es auch sechs Jahre nach dem Verlust noch schwer, über sie zu sprechen. Er vermisse zum Beispiel die Wochenenden, an denen er Orgel gespielt und seine Frau beim Kochen dazu gesungen habe, erzählt er.

Wenn der Unternehmer auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, sieht er in der VG enorme Fortschritte. Allerdings liegen die wichtigsten Leistungen aus seiner Sicht schon länger zurück. Besonders in den 1970er und 1980er „verfügten wir über wesentlich höhere Mittel“. Deshalb ist Görtz’ Einwand die logische Konsequenz: „Das, was geschaffen wurde, ist nicht nachhaltig erhalten worden.“ Ein Beispiel ist für ihn das Wasserleitungsnetz. Die Rohre seien zum Teil in einem erbärmlichen Zustand. Görtz macht einen Teufelskreis ohne Ausweg aus: Gebäude, Straßen, Leitungen oder Brücken wurden aus seiner Sicht zu lange vernachlässigt. Zugleich sieht er einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Verwaltungen und Firmen. Verschärft werde dieses Problem durch die Nähe zum attraktiven luxemburgischen Arbeitsmarkt. Er zweifelt daran, dass die Politik dieser Entwicklung gegensteuern kann.

Franz Görtz soll der erste Ehrenbürger der Verbandsgemeinde Konz werden. Foto: privat Foto: Franz Görtz

Das Problem habe er kürzlich bei einem Treffen des FDP-Kreisverbands mit Landesverkehrsminister Volker Wissing angesprochen, erzählt Görtz. „Unser Land hört nicht hinter Wittlich oder Schweich auf“, habe er an Wissing appelliert. In solchen Situationen kommt dann das Schlitzohr aus dem Karthäuser heraus. „Ohrschlitz“ soll Hermann Hendricks, ehemaliger Bürgermeister der VG Konz (1975 bis 1992), den jungen Görtz einmal genannt haben. Nun soll das noch-79-jährige Schlitzohr Ehrenbürger der VG werden – so wie Hendricks es in der Stadt Konz war. Aufhören will Görtz trotz Auszeichnung nicht. Er will 2019 noch mal auf der FDP-Liste für den VG-Rat kandidieren. Nur den Fraktionsvorsitz will er abgeben, sollte er gewählt werden.