Lehrer lassen sich verarzten

Mehr als 110 Lehrer, Angestellte und ehemalige Mitarbeiter im Hermeskeiler Schulzentrum haben am Donnerstag vom Gesundheitsamt Trier ihr Blut untersuchen lassen. Sie wollen wissen, ob bei ihnen wegen der Schadstoffbelastung ihres Arbeitsplatzes erhöhte PCB-Werte im Körper vorliegen. Ein Labor in Erlangen wird die Proben analysieren. Die Ergebnisse werden Ende März erwartet.

Hermeskeil. Klassenräume, die ausnahmsweise als Behandlungszimmer dienen, Menschen in weißen Kitteln, die durch die Flure huschen und dazu noch ein Großaufgebot an Medienvertretern.

Michels erwartet psychologische Wirkung



Der 12. Februar war an der Erich-Kästner-Realschule kein normaler Unterrichtstag. Circa 110 Menschen, die im Hermeskeiler Schulzentrum als Lehrer, Hausmeister, Sekretärin oder Reinigungskraft arbeiten oder dort früher beschäftigt waren, haben sich am Donnerstag von den Mitarbeitern des Gesundheitsamts Trier Blut abnehmen lassen. "Ich will einfach Klarheit haben, ob sich irgendwelche Chemikalien auch auf mich ausgewirkt haben. Außerdem möchte ich das Anliegen meiner früheren Kollegen unterstützen", sagt Diethelm Prümm, der von 1971 bis 1995 an der Schule unterrichtet hat. Der Medizin-Check war für Schulleitung und Personalrat eine der wichtigsten Forderungen, nachdem an ihrem Arbeitsplatz trotz der aufwendigen Sanierung Ende der 1990er Jahre vor einigen Monaten erneut in mehreren Räumen eine erhöhte Konzentration der giftigen Chlorverbindung "PCB" gemessen worden war. Er ist zudem Teil des Zwölf-Punkte-Katalogs, mit dem Kreis und Verbandsgemeinde (VG) als Reaktion auf die massiven Proteste von Eltern, Lehrern und Schülern das Schadstoffproblem lösen wollen. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamts Trier, hatte am Mittwoch zudem die Zusage gegeben, dass auch die Blutwerte der circa 150 Schüler in den zehnten Klassen untersucht werden sollen.

Ob bei den Lehrern oder bei den Schülern: Michels betont, dass "jeder wissen muss, dass wir durch die Blutwert-Untersuchung zwar eine Belastungssituation nachweisen, aber nicht sagen können, ob eine Gesundheitsschädigung eintreten wird". Er verspricht sich zwar weiterhin mehr von den ab Aschermittwoch anstehenden Luftmessungen in allen Räumen, mit denen PCB-Quellen aufgespürt werden sollen. Michels erhofft sich von den Blutuntersuchungen aber eine psychologische Wirkung. "Vielleicht können sie ja zumindest zur Beruhigung der Menschen, die hier betroffen sind, beitragen. Sie müssen das Gefühl haben, dass wir alles tun, um das Problem in den Griff zu bekommen." Rektor Hans-Joachim Gärtner und der Personalrats-Vorsitzende Hans-Werner Becker finden die Untersuchung gleichwohl wichtig: "Sie wird uns Auskunft geben, welche Schadstoffe überhaupt ins Blut gewandert sind", sagt Gärtner. "Wir stellen damit ja den Status quo fest, was hilfreich sein kann, wenn es um spätere Gesundheitsschäden geht", meint Becker.

Rasche Sanierung unter fachlicher Kontrolle



Der Umweltmediziner Ulrich Ewers hatte bei der Informationsveranstaltung am Mittwoch mit Blick auf die in der Schule gemessenen Werte zwar davon gesprochen, "dass keine nachteiligen Gesundheitsauswirkungen zu erwarten sind." Becker und seine Kollegen mögen dieser Aussage aber nicht so recht glauben. "Viele fragen sich, warum PCB überhaupt verboten wurde, wenn es so harmlos ist, wie behauptet wurde."

Der Personalrats-Vorsitzende drängt vor allem aber darauf, dass die VG als Schulträger "so schnell wie möglich" mit den Sanierungsarbeiten - unter anderem ist der Austausch aller Fenster vorgesehen - beginnt. Anders als in der Vergangenheit müsse zudem "der gesamte Ablauf der Sanierungsarbeiten von den begleitenden Wissenschaftlern kontrolliert werden", fordert Becker.