Leichte Muse und ernste Gedanken zum neuen Jahr

Leichte Muse und ernste Gedanken zum neuen Jahr

"So zärtlich wird 2017" ist ein musikalisches Versprechen, das die Stadt Konz im Blick auf ein Neujahrskonzert im Kloster Karthaus gegeben hat. Aus Geschichten und Klängen zum Nachdenken und Träumen sollten Bilder in den Köpfen der Zuhörer entstehen.

Konz-Karthaus. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist für Musikliebhaber immer ein Muss. Doch es kommt im Fernsehen. "Nach der Walzerseligkeit holen wir unsere Zuhörer genau dort ab, wo dieses Konzert geendet hat", erklärt Frank Grandjean vom Saarbrücker Salon Ensemble, das zum neuen Jahr im Kloster Karthaus aufspielte.
Der Mann am Kontrabass ist Teil einer Formation, die sich der Wiener Salon-Musik verschrieben hat. Die Besonderheit: In einem historischen Ohrensessel sitzt ein älterer Herr an einem Tisch mit Stehlampe, Jürgen Kirchhoff, Schauspieler und Theatermann, der Texte bekannter Autoren rezitiert.
Zärtlich soll das neue Jahr beginnen, wünschen sich die Musiker. Und so plätschert erst einmal die "Schöne blaue Donau" von Johann Strauß (Sohn) durch den Festsaal. "In den Köpfen soll nach den Texten und der Musik ein Film ablaufen", wünscht sich Grandjean.
Bürgermeister Karl-Heinz Frieden hofft, dass sich die Prophezeihung für 2017 erfüllt: "Das klingt hier ja fast wie in Wien." Lustig ging's mit einem Text von Kurt Tucholsky los. In seine Betrachtung über den Menschen stellt er fest: "Es gibt davon den männlichen Teil, der nicht denken will, und den weiblichen, der nicht denken kann." Da gab's ein heftiges Raunen unter den rund 200 Zuhörern.
Nach eisiger Nacht und ebensolchen Straßen war der Zuspruch erstaunlich. Belohnt wurden alle nicht nur durch Musik und Dichtung, sondern auch mit hellem Sonnenglanz, der wenige Minuten nach Konzertbeginn durch die Fenster strahlte.
Nach Stücken übers Leben, die Liebe und Leidenschaft, die sich wie ein roter Faden durch das Konzert zogen, kam ein erschreckend aktueller Text. "Der Mensch ohne Pass" schrieb Max-Werner Lenz 1934. Es heißt darin: "Geflohen aus der Not in die Not, ein unangemeldetes Leben. Und brauch ich einen Pass, wenn ich stehe über Grenzen und dem Hass?"
Das Werk "Wiederauferstehung eines Engels" von Astor Piazolla wirkte nochmals als Verstärkung der Vorstellung, was ohne Pass 1934 und heute wieder mit Menschen passieren kann.
Entspannt ließ der Erzähler seine Zuhörer an der berühmten Szene von Loriot teilhaben, in der es einer Frau so schwerfällt, sich für ein Kleid aus dem Schrank zu entscheiden: "Mit dir kann man ja über nichts Wichtiges reden"! Mit Musik aus und für Stummfilme entließ das Salon-Ensemble sein Publikum ins neue Jahr.
"Schwungvolle Musik, besinnliche Texte", urteilt Liselotte Seidel aus Konz nach dem Konzert. Auch dem Konzer Wolf-Peter Hippchen hat das Konzert gut gefallen: "Das war eine geglückte Auswahl. Mit Rezitation - das hört man nicht alle Tage."
Die Besetzung: Ewgenia Grandjean: Violine; Damien Fiedler: Violine; Gabor Szarvas: Cello; Frank Grandjean: Kontrabass; Michael Christensen: Klavier; Jürgen Kirchhoff: Rezitation. doth

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