Lena Weber und Willi Auler beim TV-Forum vor der Stadtbürgermeisterwahl in Hermeskeil

Hermeskeil : Das Duell vor der Bürgermeisterwahl (Update/Fotos)

Die beiden Kandidaten Lena Weber (28, SPD) und Willi Auler (68, CDU) stellen sich beim TV-Forum in Hermeskeil den Fragen der Moderatoren und der 200 Zuschauer. Dabei kommt auch Persönliches zur Sprache.

Ein ehrenamtlicher Stadtbürgermeister kann mehrere Dinge erwarten. Aufwand. Arbeit. Stress. Sogar Ärger. Viel davon. Warum sollte sich jemand all das freiwillig aufladen? In  Hermeskeil treten am 26. Mai zwei Kandidaten zur Wahl des Stadtchefs an, und ihre Motivation ist das erste zentrale Thema einer lebhaften zweistündigen Diskussion vor 200 Zuschauern im Johanneshaus.

Lena Weber ist 28, steht am Beginn ihres Berufslebens als Redakteurin bei der Linus Wittich Medien KG in Föhren (Verbandsgemeinde Schweich) und hat schon lange Schritte in der Kommunalpolitik gemacht – bis zur Spitze des SPD-Ortsvereins Hermeskeil. Jetzt will sie Stadtbürgermeisterin werden, und wenn sie darüber spricht, blitzen ihre Augen.

„Hermeskeil ist ein malerisches kleines Städtchen mit kleinen Makeln“, sagt sie, als Moderator Marcus Hormes nach den Hintergründen ihrer Kandidatur fragt.  „Ich bin waschechte Hermeskeilerin, fühle mich hier einfach pudelwohl und will zusammen mit den Menschen hier an den Makeln arbeiten und die Stadt klar voranbringen.“ Das Publikum im vollen Johanneshaus ist klar älter als Lena Weber, doch ein Blick in die Gesichter zeigt, dass die Worte der Sozialdemokratin ankommen.

Willi Auler (CDU) im Gespräch mit TV-Redakteurin Christa Weber. Foto: Friedemann Vetter

Willi Auler ist 68, sein Berufsleben ist ein abgeschlossenes Kapitel. Der Christdemokrat kennt die Härten des Jobs, für den er sich in Hermeskeil bewirbt, sehr genau, schließlich war er bereits zehn Jahre lang Ortsbürgermeister von Hinzert-Pölert und ist seit 2009 Erster Beigeordneter der Stadt Hermeskeil.

Lena Weber (SPD) und TV-Redakteur Marcus Hormes. Foto: Friedemann Vetter

Warum will er Stadtbürgermeister werden? Moderatorin Christa Weber fragt ihn. „Ich will mich für die Menschen einsetzen“, sagt er. „Ich habe die Zeit und Energie für dieses wichtige Amt, will politisch verbindend wirken und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort die Stadt voranbringen.“ Zustimmendes Nicken im Saal, viele kennen Auler.

Diese erste Phase der Debatte haben beide Kandidaten souverän gelöst, doch jetzt ist das Warmlaufen vorbei, es wird ernst. Moderator Hormes fragt Lena Weber konkret, von welchen Makeln sie spricht und was ihrer Ansicht nach in der letzten Zeit in Hermeskeil nicht gut gelaufen ist. Wie aus der Pistole geschossen kommt ihre Antwort: „Der Aussichtsturm.“

Der geplante Aussichtsturm am Waldstadion sollte ein Geschenk der Karl-Heil-Stiftung an die Stadt Hermeskeil und ihre Bürger sein. Der amtierende Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU), der am 26. Mai nicht mehr antritt, fuhr nach Mainz  und bat den Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch, um Rat – weil der Turm nicht barrierefrei geplant war. Die Stiftung bezeichnete diese Bedenken als vorgeschoben und stoppte schließlich das Projekt (der TV berichtete).

Willi Auler verteidigt Queck nicht. „Wir wollten alle den Turm“, sagt Auler. „Dann fuhr der Bürgermeister nach Mainz, und etwas ist gewaltig schiefgelaufen.“

Was wollen die Kandidaten in Hermeskeil erreichen, sollten sie die Wahl gewinnen? Die beiden Moderatoren bringen die Aufwertung der Innenstadt ins Spiel. Willi Auler betont: „Das Städtebauförderprogramm und die Verschönerung der Innenstadt und der Fußgängerzone sind für mich die wichtigsten Themen.“ Der CDU-Kandidat verweist auf „hervorragende Ideen“ aus den bisherigen Workshops“.

Auch Lena Weber unterstreicht die Bedeutung dieses Themas, sieht aber klare Schwächen in der Vermarktung. „Wir müssen zeigen, was Hermeskeil zu bieten hat und warum die Stadt sowohl für Familien als auch für ansiedlungswillige Betriebe eine sehr gute Adresse ist.“

Die Homepage der Stadt lässt die immer höfliche Diskussion ein wenig hitziger werden. „Die Adresse www.hermeskeil.de ist von der Verbandsgemeinde belegt“, erklärt Willi Auler. Doch diese Adresse werde frei, wenn die Gebietsreform der VG Thalfang umgesetzt sei und sich die VG Hermeskeil in VG Hochwald umbenennen könne. Auler: „Ich hätte aber auch kein Problem mit der Adresse www.stadt-hermeskeil.de.“

Lena Weber hakt ein. „Das ist absoluter Kappes“, sagt sie. „Es kann doch nicht sein, dass wir auf die Gebietsreform warten müssen, um eine eigene Homepage auf die Beine zu stellen. Wenn wir die Adresse www.stadt-hermeskeil.de wirklich hätten haben wollen, dann wäre sie schon längst da.“

Am 4. Juli 1970 hat Hermeskeil die Stadtrechte erhalten. Das soll 2020, genau 50 Jahre später, groß gefeiert werden. Lena Weber ist mit der bisherigen Vorbereitung nicht zufrieden. „Man hätte es früher anpacken müssen“, sagt sie. Auler widerspricht ihr vehement. „Wir haben schon viel vorbereitet“, sagt er. „Das Stadtrechtsjubiläum wird in das Stadtfest integriert, es wird einen Zug durch Hermeskeil vom Johanneshaus bis zum Festzelt geben.“

Auch das Publikum macht mit. Sicherheit in Hermeskeil, die Situation der Stadtteile, das Anlocken von Investoren – die Themen kommen Schlag auf Schlag, und beide Kandidaten stellen sich. Nach zwei Stunden geht eine spannende Debatte zu Ende.

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