Lernpaten helfen: Kinder besser in Deutsch

Lernpaten helfen: Kinder besser in Deutsch

Hunderte Schüler und Lehrer haben am Mittwoch das Stifterforum der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung besucht. Wissenschaftler der Universität Trier stellten erste Ergebnisse ihrer Studie zum Lernprojekt "Stark in Deutsch" vor. Das Fazit: Die Schüler haben sich zum Teil enorm verbessert.

Konz. Klavier-, Chor- und Geigenmusik ertönt im Kloster Karthaus. Diesmal sind keine Profis am Werk, sondern Kinder. Zwar erklingt ab und an ein schiefer Ton, doch das macht nichts. Die Kinder haben nicht nur Spaß, sondern auch Talent. Die Musik-AG der St.-Johann-Grundschule in Konz-Karthaus, an der insgesamt 180 Schüler mitwirken, präsentiert ihr Können - und das im voll besetzten Klostersaal. Etliche Kinder, ihre Eltern und Vertreter aus Vereinen und Kommunalpolitik aus der ganzen Verbandsgemeinde (VG) Konz hören ihnen zu. Sie sind zum Stifterforum der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung gekommen, wo die Stiftung ihre Arbeit des vergangenen Jahres vorstellt.
"Kompliment, was ihr für Potenziale bei den Kindern ausschöpft", lobt der Stiftungsvorsitzende Hartmut Schwiering nach dem musikalischen Auftakt. Auch Bürgermeister Karl-Heinz Frieden spricht von einem überwältigenden Start. "Die Aktivitäten der Stiftung finden inzwischen bundesweit Beachtung."
Das wichtigste Projekt der Stiftung ist die Lese- und Lernbetreuung an den Grundschulen in der VG Konz. 87 Ehrenamtler helfen als Lese- und Lernpaten mit - und das erfolgreich.
Die Lesepaten, die einzelnen Kindern das Lesen beibringen, wurden im Januar mit dem Ehrenamtspreis des Landes ausgezeichnet. Beim Stifterforum ernten nun auch die Lernpaten, die mit dem Projekt "Stark in Deutsch" in mehreren Fördergruppen 104 Kindern an den Konzer Grundschulen St. Johann und St. Nikolaus helfen, erste wissenschaftliche Ehren.
Nach sieben Monaten, in denen eine Fördergruppe und eine Vergleichsgruppe betreut worden sind, präsentieren die Wissenschafter, die das Projekt begleiten, erste positive Ergebnisse. "Besonders die Schüler ohne Migrationshintergrund haben sich enorm verbessert", sagt Di plom-Pädagoge Jörg Holle in Stellvertretung der Trierer Pädagogik-Professorin Michaela Brohm. Weitere Erkenntnisse gibt es über das Sozialverhalten der Kinder. Bei den Jungen fällt das Aggressionspotenzial nach dem zusätzlichen Deutschunterricht mit den Lernpaten niedriger aus. Mädchen aus der Fördergruppe präsentieren sich selbstbewusster als vorher.
Dass sich der Lernerfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund nicht so schnell einstelltwie bei denen ohne, hat Holle erwartet. Bei Muttersprachlern seien die Grundvoraussetzungen besser. "Wenn Kinder mit Migrationshintergrund die Sprache erst einmal erlernt haben, geht die Lernkurve extrem nach oben", prognostiziert der Wissenschaftler. Insgesamt halte er gemeinsames Lernen von guten und schlechten Schülern und von Muttersprachlern und Zweitsprachlern für sehr wichtig.
Schwiering urteilt noch vorsichtig: "Ich bin positiv überrascht. Aber das zweite Jahr sollte noch abgewartet werden, um bildungspolitische Rückschlüsse zu ziehen." Er ist jedoch stolz darauf, dass die Konzer-Doktor-Bürgerstiftung den "innovativen Weg gegangen ist" und die Schulen der VG den Weg für ehrenamtliche Helfer geöffnet haben. Beim Stifterforum wurden die Schüler geehrt, deren Bilder im neuen Schüler- und Familienkalender der Konzer-Doktor-Bürgerstiftung abgedruckt sind. Die Stiftung hatte in Zusammenarbeit mit der TG Konz alle Grundschüler in der Verbandsgemeinde Konz eingeladen, an dem Malwettbewerb "Sport macht Spaß" teilzunehmen. Von 250 aus acht Schulen eingereichten Bildern wurden 14 für den Kalender ausgewählt. Der Schüler- und Familienkalender kostet drei Euro. Er ist in den Sparkassen und Volksbanken sowie in verschiedenen Konzer Geschäften erhältlich. Der Reinerlös kommt dem Stiftungskapital zugute. cmk