Leserbrief: Wildschäden

Zum Bericht "Wildfraß wird zum Politikum" (TV vom 31. Oktober):

Die Dimensionen der Wildschäden sind mancherorts existenzbedrohend, aber das Problem kommt nicht über Nacht. Ein Grundübel ist, das die Jagdgenossen, also alle Grundstückseigentümer, ihre Rechte nicht wahrnehmen. Oft beherrschen die Gemeinden, die in der Regel größter Jagdgenosse sind, die Verpachtung eines Jagdbezirkes. Die Interessen der Winzer, eine intensive Bejagung, müssen hinter Interessen der Gemeinden, möglichst viele Einnahmen zu erzielen, zurücktreten. Wildschadensersatzpflicht (auch für Weinberge), Jagderlaubnisscheine für einheimische Jäger und vieles mehr ließen sich im Pachtvertrag vereinbaren. Doch jede Regel, die für Pächter zur Belastung wird, drückt den Pachtzins. Weinbaujagden sollten nur regional verpachtet werden. Zusätzliches Problem ist, dass Wildschäden bei ausländischen Pächtern in deren Heimatland einzuklagen wären. Ein Erfolg ist unrealistisch. Auch Drieschen machen den Winzern das Leben schwer. Die Bewirtschaftungskosten laufen aus dem Ruder. Es drohen Pilzkrankheiten und Ernteverluste. Viele Winzer würden gern Brachen in die Bewirtschaftung nehmen, doch das ist oft nicht möglich, weil die Eigentümer nicht bereit sind, ihr Land zu tauschen. Eine Verpflichtung, Brachen jährlich zu mulchen, könnte helfen. Hier ist die Politik in der Pflicht, sonst hat Steillagenweinbau keine Perspektive! Kommunen, Tourismusbetriebe, Winzer und Flächeneigentümer könnten gewinnen, wenn durch Flurordnungsverfahren geschlossene Weinbauflächen, Ausgleichsflächen und Aufforstungsflächen gewonnen würden.

Bernhard Weich, Riol, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbands