Liebe zu starken Klängen

Zärtlich-Versponnenes ist ihre Sache nicht. Die Interpretationen von Dayoung Kang leben vom energischen Zugriff. Das Konzert der Koreanerin an der Orgel in der Pfarrkirche St. Nikolaus Konz hat sich dabei zum virtuosen Glanzstück entwickelt.

Konz. Gleich die ersten Läufe in Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur, BWV 564, sorgten für Klarheit. Dayoung Kang aus Seoul ist eine Organistin der deutlichen Konturen, der starken Klänge, des offensiven Musizierens. Bach klingt bei ihr durchgehend hell und obertonreich. Sogar der italienisch-kantable Mittelsatz gibt sich bei ihr nicht weich und zärtlich, sondern kraftvoll und energisch, und die spielerischen Figuren im Finale atmen echt virtuose Brillanz.
Dayoung Kang ist keine Frau für zärtlich-versponnene Klänge. Ihre Interpretationen leben von der plastischen Gestaltungskraft. Da präsentiert sich die siebensätzige Barock-Sonate von Jacques Boyvin immer wieder anders, und immer wieder neu. Kein Wunder auch, dass jemand, der so auf Deutlichkeit und virtuose Energie setzt, an der Toccata von Axel Ruoff (geboren 1957) seine Freude hat. Da übertönt die Kraft der Interpretation sogar, dass die wuchtigen Akkordverschiebungen dieser Komposition doch einigermaßen schematisch ablaufen.
Mozart als Zugabe


Zum Abschluss dann Maurice Duruflés Suite op. 5. Vielleicht wäre die mystische Dimension, die es in diesem Werk auch gibt, in einer anderen Akustik deutlicher geworden. Aber Kang bringt nicht nur musikalische Energie mit, sondern auch ein Sensorium für den weich fließenden Stil des französischen Komponisten. Und die abschließende Toccata entwickelte sich unter ihren Händen und Füßen zu einem imponierend virtuosen Glanzstück. - 50 hellauf begeisterte Besucher in St. Nikolaus und eine erstaunlich feingliedrige Mozart-Zugabe. mö