Lieber draußen als im Saal

NITTEL. "Unser Konzert in Nittel ist ein Versuch", sagte Paul Trein, Leiter der Sommerakademie Konz. Künstlerisch war die Veranstaltung geglückt. Wenn nur die Nitteler gekommen wären...

 Engagiert bei Schubert (von links): Götz Hartmann, Valentina Messa am Klavier und Rosemarie Keller im Bürgerhaus Nittel. Foto: Martin Möller

Engagiert bei Schubert (von links): Götz Hartmann, Valentina Messa am Klavier und Rosemarie Keller im Bürgerhaus Nittel. Foto: Martin Möller

Petrus kann bekanntlich launisch sein, aber er kann es auch keinem wirklich recht machen. Für das Konzert der Konzer Sommerakademie im Bürgerhaus Nittel war am Samstag zur Abwechslung der wolkenlose Himmel das Problem. "Wir hatten bis jetzt immer ein volles Haus", sagt Organisator Hans A. Thiel, der die Veranstaltung modisch "Nittel Klassik" betitelt hatte. Wahrscheinlich, so vermutet Thiel, zog das Wetter potenzielle Besucher ab in die Kneipen und Biergärten. Die Gastronomie sollte zwar auch Teil des Nitteler Kulturkonzepts sein, aber eben nicht in dieser Ausschließlichkeit. So kam von den rund 60 Besuchern nur eine ganz kleine Anzahl aus dem Obermosel-Ort. Schade, denn die Veranstaltung mit Kursteilnehmern, einem Dozenten und vier Gästen war hörenswert. Berit Rasmussen lieferte mit zwei Klavierstücken vom Bedrich Smetana Paradestücke feiner, verinnerlichter Klavierkunst, und Anthony Newton glänzte im Chopin-Scherzo Nr. 3 mit Kraft und Prägnanz. Jamyang Santi, Violine, und Kumiko Kumagai, Klavier, musizierten zwei Sätze aus der Violinsonate Nr. 1 von Camille Saint-Saëns furios und doch leichthändig. Und in Nicolo Paganinis Bratschensonate lieferten Bratscher Giorgio Gnecco und Pianistin Elisa Aleo ein echtes Bravourstück. Dazu erklangen zwei populäre Schubert-Lieder im hellen, jugendlichen Tenorklang von Dozent Norbert Kleinhenn (Klavier: Daniel Ortiz Castro) und zum Abschluss Arien von Richard Tauber und Franz Léhar - wieder mit Norbert Kleinhenn - gefühlvoll, aber frei von Schmalz. Nach der Pause der Höhepunkt. Schuberts "Forellenquintett" in einer beeindruckend subtilen Interpretation mit Götz Hartmann (Violine) und Rosemarie Keller (Viola) aus dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken und von Jörg Sonnenschein (Violoncello) und Peter Hertel (Kontrabass) vom Philharmonischen Orchester Trier. Und vor allem mit der grandiosen Kammermusik-Pianistin Valentina Messa. Ein vielschichtiges, ein heiter-melancholisches Hörvergnügen. Grund genug für den Organisator, nicht gleich aufzugeben. Seit Jahren hält die Konzer Sommerakademie für Klavier und Kammermusik ein erstaunliches Niveau. Davon wird man auch in Nittel erfahren. Und vielleicht stellt sich ja im kommenden Jahr eine Regenflut ein, die alle Nitteler Musikfreunde ins Konzert schwemmt. Weitere Konzerte der "Sommerakademie für Klavier und Kammermusik Konz" heute um 20.30 Uhr im Kulturzentrum Forbach, morgen um 17 Uhr im Kloster Konz-Karthaus und am 11. September, 11 Uhr, gleichfalls im Kloster Konz-Karthaus.

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