Liebesgrüße von der Grimburg

Die Zeit der Ritter und das dunkle Kapitel der Hexenprozesse sind auf der Burg Grimburg schon längst Geschichte. Heute dient die historisch bedeutsamste Sehenswürdigkeit im Hochwald einem erfreulicheren Zweck. In den vergangenen zehn Jahren haben dort 117 Paare den Bund fürs Leben geschlossen. Viele von ihnen kommen am Samstag beim großen Jubiläums-Hochzeitsfest wieder.

Hermeskeil. In den Überresten des ehemaligen Schmiedeturms der Burg Grimburg hängt seit einigen Tagen ein Gitter. Daneben befindet sich eine Tafel, deren mittelalterlicher Text so lautet: "Du bist min, ich bin din. Des solst du gewis sin. Du bist beslozzen in minem Herzen. Verloren ist das sluzzelin: du muost ouch immer darinne sin."
Gitter und Tafel haben eine symbolische Bedeutung und spielen am Samstag, 12. Mai, bei einem großen Fest eine besondere Rolle. Was es damit auf sich hat, erklärt Michael Hülpes, der nicht nur Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, sondern zugleich auch Vorsitzender des Fördervereins Burg Grimburg ist: "Wenn Ehepaare ihr Treueversprechen erneuern wollen, erhalten sie vom Förderverein eine Urkunde und ein Vorhängeschloss, auf dem die Vornamen eingraviert sind. Das Schloss bringen sie dann am Gitter an und werfen gemeinsam den Schlüssel weg."
Brauch aus Osteuropa


Dieser Brauch stammt aus Osteuropa und hat nun seinen Weg in den Hochwald gefunden, "weil wir uns zum Jubiläum etwas Besonderes ausdenken wollten", so Hülpes.
Denn am 12. Mai wird es auf den Tag genau zehn Jahre her sein, dass sich im Trauzimmer der Burg Grimburg erstmals ein Paar - es kam übrigens aus dem Saarland - das Jawort gegeben hat. Bis heute sind es 117 Paare, die vor der mittelalterlichen Kulisse Hochzeit hielten. Sie alle wurden eingeladen, am Samstag zur Burg Grimburg zurückzukehren und ab 11 Uhr am Jubiläums-Traufest teilzunehmen. Ein Drittel von ihnen hat zugesagt. Beim öffentlichen Teil, der ab 14 Uhr beginnt, können dann auch Besucher hinzustoßen, die sich nicht auf der Burg Grimburg das Jawort gegeben haben.
Auch über den Festtag hinaus will der Förderverein Paaren die Möglichkeit geben, ihr Eheversprechen zu erneuern und ein Vorhängeschloss an das Gitter im Schmiedeturm zu ketten. "Die Leute können sich mit uns in Verbindung setzen und ein solches Schloss erwerben", sagt Schriftführerin Iris Schleimer. Das haben beispielsweise die Eheleute Brusius und Weber aus Grimburg und Gusenburg schon gemacht.
Die beiden Paare gehen bereits seit 60 beziehungsweise 50 Jahren gemeinsam durchs Leben und wollen sich am Samstag erneut durch das symbolische Anbringen des Schlosses ihre Treue schwören. Der Standesbeamte Wolfgang Nellinger ist sich sicher, dass er auch in Zukunft noch viele Hochzeitsgesellschaften auf der Burg empfangen wird. "Anfangs ist es noch langsam angelaufen. Inzwischen haben wir aber pro Jahr etwa 20 Trauungen auf der Grimburg. Das ist etwa ein Viertel aller Hochzeiten in der VG."
Die wachsende Beliebtheit erklären er und Hülpes unter anderem damit, dass immer mehr Paare auf eine kirchliche Hochzeit verzichten. "Die standesamtliche Trauung bekommt dadurch einen größeren Stellenwert, und die Paare wünschen sich für diese Feier einen besonderen Rahmen", sagt der Fördervereins-Vorsitzende.
Ehen halten besonders gut


Für eine Hochzeit auf der Burg Grimburg könnte neben der romantischen Kulisse aber möglicherweise noch ein anderer Grund sprechen. Denn die Dauerhaftigkeit des historischen Gemäuers, das vor circa 800 Jahren erbaut wurde, scheint auch im richtigen Leben zu wirken. Jedenfalls weiß Nellinger davon zu berichten, dass von den 117 Hochzeitspaaren bisher nur drei wieder geschieden wurden. "Das ist eine gute Quote. Ehen, die auf der Grimburg geschlossen wurden, zeichnen sich offenbar durch besondere Haltbarkeit aus", sagt Nellinger.
Extra

Die Burg Grimburg wurde um 1190 als Landesburg der Trie rer Erzbischöfe erbaut. Die imposante Ruine im Hochwald hatte einst eine große historische Bedeutung: Sie war im Mittelalter Verwaltungssitz für mehr als 40 Dörfer. Aber auf der Grimburg spielten sich auch grausame Geschehnisse ab: Sie war Schauplatz von rund 300 Hexenprozessen, die für die angeklagten Frauen zumeist mit dem Todesurteil endeten. Um 1690 verließ die letzte Besatzung die Burg, die danach von den Menschen in den umliegenden Orten als Steinbruch zweckentfremdet wurde. Erst 1978 wurde das alte Gemäuer, das nur noch ein Trümmerhaufen war, wieder aus seinem "Dornröschenschlaf" geweckt und vom Förderverein Burg Grimburg peu à peu wieder aufgebaut. Allerhöchsten Besuch bekam die Grimburg 1512, also vor genau 500 Jahren. Damals weilte Kaiser Maximilian I. auf der Burg. Am 18. August wird mit einer weiteren Großveranstaltung an dieses Ereignis erinnert. ax