Lieder von Erde und Meer

Argentinien ist Tango und Brasilien Samba? Weit gefehlt. Auch auf dem südamerikanischen Kontinent gibt es klassische Musik, wie die Auftaktveranstaltung der 21. Kulturellen Tage in der ehemaligen Wawerner Synagoge zeigt.

Wawern. Folklore, Mythen, Natur, Legenden und Einflüsse aus Afrika, vieles mischt sich in der Musik aus Argentinien und Brasilien. Das alles fügten die argentinische Pianistin Laura Maito und die brasilianische Mezzosopranistin Angela Diel in einer Liedermatinee zusammen, mit der die 21. Kulturellen Tage in Wawern eröffnet wurden.
"Die Themen Tierra y Mar, also Erde und Meer, sind dabei der rote Faden", erklärt die Pianistin. Es höre sich manchmal wie Folklore an, sei aber die klassische Musik ihres Heimatlandes, in dem es weit mehr als Tango gibt.
Ähnlich ist das mit der gefühlten Dauerparty des Samba in Brasilien. Die Sängerin und die Pianistin brachten die Mentalitäten beider Nationen zusammen, die über Jahrhunderte auch von den Einwanderern beeinflusst wurden. "Die Meeresgöttin Jemanjá hat afrikanische Wurzeln", erklärt Laura Maito. Afroamerikanische Rhythmen wechselten sich mit Tänzen ab und vor allem immer wieder die musikalische Beschreibung der Menschen, die am und auch auf dem Meer leben und arbeiten.
Geschrieben haben die Stücke Komponisten, die alle im letzten Jahrhundert lebten oder sogar noch aktiv die Musikkultur ihrer Länder bereichern. So wechselten die beiden nicht nur immer wieder die beiden Länder, sondern auch deren Sprachen, Spanisch und Portugiesisch.
Der Organisator der Kulturellen Tage, Hans Greis, ist stolz auf den Erfolg seines Festivals, auch wenn beim Auftakt nur 20 Zuhörer in der ehemaligen Synagoge saßen: "Immer kommen ab Oktober Anfragen.
Ich kann mir die Künstler inzwischen aussuchen." Die Konzertreihe habe sich weit herumgesprochen.
Alleinstellungsmerkmal ist dabei das kleine, ehemalige jüdische Gotteshaus mit seiner außergewöhnlichen Akustik, der Nähe zum Publikum und besonderen Atmosphäre.
"Die Künstler sind alle davon begeistert", sagt Greis. Zuhörerin Marlies Raglewski aus Wawern freut sich: "Ich genieße diese morgendlichen Veranstaltungen." Jetzt habe ich ein ganz anderes Bild von Südamerika bekommen. Karin Marx aus Saarburg hat die Liederauswahl ebenfalls gut gefallen: "Gut, dass so viel auf Deutsch erklärt wurde. Dieses Konzert war ein besonderes Klangerlebnis." doth
Extra

Am Sonntag, 10. April, beginnt um 10.30 Uhr in der ehemaligen Wawerner Synagoge die nächste Matinee. Ganz auf Klassik und Blasmusik getrimmt ist das Animos Quintett mit Werken von Joseph Haydn, Peter Rasmussen, Robert Muczynski und Karl Jenkins. Am 17. April spielen Eileen Hogan & Clan aus Nordirland. Es folgen am 23. April Annika von Trier und am 4. Mai die Vorstellung des Literamus Nr. 43 mit Musik und Lesung der Texte durch die Autoren. Weitere Infos unter Telefon 06501/ 17187. doth