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Literatur, Wissenschaft und Wein in der Saarburger Kulturgießerei

Freizeit : Literatur, Wissenschaft und Wein in der Saarburger Kulturgießerei

Zur Lesung „Grenzgänger: Mittsommertage in Lothringen“ des Autors Peter C. Burens in der Saarburger Kulturgießerei wurden Weine seines Sohnes Peter gereicht.

Peter C. Burens ist Zeithistoriker und Politologe, aus Saarburg stammend und Autor zahlreicher Sachbücher und auch Novellen. Er lebt in Frankfurt und Südfrankreich. Sein Sohn Peter Burens ist als Winzer unter anderem in der Vereinigung „Saarkinder“ aktiv und produziert im Nebenerwerb vielbeachtete Weine, von deren hoher Qualität sich die rund zwei Dutzend Interessierten bei der Lesung seines Vaters am vergangenen Mittwochabend im Café Urban der Kulturgießerei überzeugen konnten.

Der hat sich einen Namen mit zeitgeschichtlichen Sachbüchern, hin und wieder jedoch auch Ausflüge in das Gebiet der Prosa gemacht. Dazu gehört nun auch sein neuestes Werk „Grenzgänger: Mittsommertage in Lothringen“. Ein kurzer Roman von 140 Seiten (siehe auch Rezension im TV von Katharina de Mos am 30. April 2019), dessen Handlung sich bewusst auf einige wenige Tage in der Gegenwart beschränkt.

Neben einer romantischen Begegnung zwischen einem schon etwas älteren Literaturprofessor und einer jungen Marketing­assistenten behandelt Burens auch ganz allgemein die Entwicklung des deutsch-französischen Verhältnisses auf den Spuren des Dichters Theodor Fontane, der 1870 auch als Kriegsberichterstatter tätig war.

Darüber hinaus gibt es geographische, militärhistorische und kunstgeschichtliche Ausflüge, die den Leser intellektuell vor Herausforderungen stellen. Diese hochinteressanten Exkurse sind dann auch zentrales Thema bei der Lesung. Kenntnisreich legt Burens die schicksalhafte und kriegsentscheidende Bedeutung geographischer Faktoren in mehreren Kriegen dar, beispielsweise die bergige Schichtstufe zwischen Lothringen und den Vogesen.

Die trenne nicht nur den französischen vom deutschen Sprachraum, sondern sei auch natürliches Hindernis für Armeen in mehreren Kriegen gewesen.

Diese wissenschaftlichen Exkurse sind fesselnd, wohingegen die Roman-Geschichte doch reichlich klischeegeladen daherkommt. Da verliert sich der Protagonist in bildungsbürgerlichen Ergüssen und auch Burens Beschreibung der sich anbahnenden Liebesgeschichte kommt zu fantasievoll aufgeladen daher, um wirklich fesseln zu können.

Sei es drum, die anschließende, lebhafte Diskussion geht dann wieder auf das von Burens differenziert beschriebene deutsch-französische Verhältnis, dessen Entwicklung in den letzten 200 Jahren und ob die wechselseitigen Zuschreibungen der Dickköpfigkeit und Weltbelehrung auf der deutschen Seite und der Glücksuche im Privaten beziehungsweise Lebenslust bei den Franzosen, heute noch der Realität entsprechen.

„Sind die Franzosen noch die Rationalisten und die Deutschen noch die Realisten?“ fragt Grenzgänger Burens und blickt mit den meisten Diskutanten übereinstimmend skeptisch in die Zukunft eines geeinten Europas.