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Livestream-Messen und aufmunternde Videos – Wie Priester und Gläubige im Raum Trier Ostern feiern

Kostenpflichtiger Inhalt: Kirche in Corona-Zeiten : Livestream-Messen und aufmunternde Videos – Wie Priester und Gläubige im Raum Trier Ostern feiern

Ostern steht vor der Tür. Doch in Corona-Zeiten ist gemeinsames Gottesdienst-Feiern tabu. Trotzdem können die Gläubigen in Trier und im Kreis Trier-Saarburg das Fest mitzelebrieren – auf virtuelle Art. Auch sonst nutzen Geistliche vielerorts neue Wege, um ihre Schäfchen zu erreichen.

Ostern ist für Christen das wichtigste Fest im Kirchenjahr. Doch diesmal ist vieles anders. Gottesdienste im großen Kreis zu feiern, ist wegen der Corona-Pandemie nicht möglich – zumindest nicht wie gewohnt. Denn in vielen Gemeinden des Bistums Trier und des Evangelischen Kirchenkreises können Gläubige dank digitaler Angebote zumindest virtuell bei den Oster-Gottesdiensten dabei sein. Auch darüber hinaus haben die Seelsorger neue Wege gefunden, mit ihrer Gemeinde Kontakt zu halten.

Liveübertragung

Einige Messen werden im Fernsehen live übertragen. Die Gottesdienste aus dem Trierer Dom mit Bischof Stephan Ackermann von Gründonnerstag (19 Uhr) bis Ostersonntag (10 Uhr) sind auf der Homepage des Bistums Trier (t1p.de/bistum-tr-domstream) mitzuverfolgen oder über den Kabelsender OK54. Die evangelische Kirchengemeinde Trier überträgt an Karfreitag und  Ostersonntag, jeweils um 9.30 und 12 Uhr, eine Videoandacht aus der Konstantinbasilika bei OK 54 und online auf www.evangelisch-trier.de.

Die Pfarreiengemeinschaft (PG) Saarburg strahlt Gottesdienste aus St. Marien auf ihrer Facebook-Seite aus. Dieselbe Plattform nutzt die PG Schillingen. „Ich feiere die Messen stellvertretend für alle, die jetzt nicht dabei sein können“, sagt Pastor Kai-Georg Quirin. Dabei unterstütze ihn ein kleines Team, gebildet nach Vorgaben des Bistums (siehe Hintergrund).

Im Fernsehen liefen derzeit viele Übertragungen, weiß Quirin: „Aber die Menschen sind froh, wenn sie den eigenen Pfarrer mal wieder sehen.“ Wenngleich ein wesentliches Element der Seelsorge, die direkte Nähe, derzeit fehle. In seinen Pfarreien denke man aber auch an die, die nicht online unterwegs seien. Grüße und Gebete würden per Post und E-Mail verschickt. „So spüren die Menschen, dass sie nicht vergessen sind.“

Täglich wendet sich Theo Welsch, Pastor der Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz in Trier, per Video an seine Schäfchen – am 1. April sogar mit einem Fußball-Scherz. Foto: Screenshot Youtube Foto: Christa Weber

Botschaften vom Pfarrer

Theo Welsch ist Pastor in der Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz in Trier. Seit Mitte März nimmt er Videos mit „Tagesimpulsen“ auf, verschickt sie per Kurznachrichtendienst WhatsApp an Bekannte. „Mit fehlten die liebgewonnenen Gesichter. So sehe ich sie zwar auch nicht, sie aber mich“, beschreibt er seine Motivation.

Für seine Videos nutze er lokale Bezüge. Auch „Momente der Freude“ gehörten in „diese besorgniserregende Zeit“. So verschickte er als Aprilscherz eine Vorschau auf ein Fußball-EM-Spiel 2024 zwischen Deutschland und dem Vatikan. Welschs Beiträge verbreiten sich im Netz – auf der Video-Plattform YouTube, auf Facebook und bis ins saarländische Heusweiler, seine frühere Wirkungsstätte. Dort findet Ingrid Stephan (79): „Er macht das mit wenigen, aber guten Gedanken. In einer fast trostlosen Zeit verbreitet er eine angenehme Botschaft, die Trost, Sinn und Hoffnung gibt.“

Am Computer-Bildschirm eröffnet Pfarrer Christoph Urban aus der evangelischen Kirche in Konz-Karthaus die Videokonferenz zur Abend-Andacht. Foto: Christoph Urban

„Wie wir es gern möchten, geht es im Moment nicht“, stellt der Trierer Pater Aloys Hülskamp fest. Doch er nutzt seit Jahren Facebook, um mit den Menschen seiner Gemeinden im Trierer Westen in Verbindung zu bleiben. Seit dem 15. März postet er jeden Morgen  „mutmachende Gedanken“, Psalme und „was zum Lachen“. Das komme bei vielen gut an.

YouTube und soziale Medien

Die PG Schweich lädt auf YouTube Mitschnitte von Gottesdiensten hoch, außerdem Videos von Stationen des Kreuzwegs zum Heilbrunnen. Am Ostersonntag, 10.30 Uhr, wird die Messe in St. Martin auf YouTube live zu verfolgen sein. Videos für die Kommunionkinder sind Diakon Herbert Knobloch besonders wichtig. Er bekomme viele Mails von Eltern, „die uns ermuntern, damit weiterzumachen“. Nach Ostern wolle er die Gläubigen verstärkt einbinden. 

YouTube nutzen auch die Ordensschwestern im Kloster in Hermeskeil für ein tägliches Gebetsvideo. In Ehrang bieten evangelische Pfarrerinnen einen Sofa-Gottesdienst via Instagram (@evangelisch_ehrang) an. Wer sich sonntags um 18 Uhr dort einloggt, erhält Anleitungen, um virtuell gemeinsam am Smartphone zu beten.

Videokonferenz

Pfarrer Christoph Urban startet in der evangelischen Kirche in Konz-Karthaus täglich um 18 Uhr eine Videoandacht mit 30 Teilnehmern. Dafür nutzt er das Videokonferenz-Programm Zoom. „Wir wollten Kontakt, nicht nur den Gottesdienst abfilmen“, sagt Urban. Per E-Mail und WhatsApp hat er Gemeindemitglieder eingeladen. Über einen Link erhalten sie Zutritt (Kontakt: christoph.urban@ekir.de). Manches wie gemeinsames Singen funktioniere weniger gut, sagt Urban: „Das ist zeitverzögert und klingt furchtbar.“ Dafür sei Interaktion möglich, etwa das gleichzeitige Anzünden von Kerzen – in der Kirche und zu Hause. Ältere Teilnehmer lernten neue Kommunikationswege kennen. „Das Ganze hat auch was Ermutigendes“, findet Urban. Über Ostern bleibe es bei den Abend-Andachten. Karsamstag machten Jugendliche zusammen virtuell „die Nacht durch“ bis zum Entzünden des Osterlichts.

Im Evangelischen Kirchenkreis Trier gebe es viele Rückmeldungen von Gläubigen, sagt Pressesprecherin Maike Roeber. Sie enthielten sowohl Sorge wegen des Fehlens gewohnter Angebote als auch Zuspruch zu den neuen Formaten. „Viele freuen sich, dass ihre Kirchengemeinde so in Krisenzeiten sichbar und hörbar bleibt.“ Zugleich blieben klassische Angebote wie Telefon-Seelsorge und der Gemeindebrief bestehen.