Lückenschluss für Radweg zwischen Kanzem und Wiltingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Lückenschluss mit Fragezeichen für Radweg zwischen Kanzem und Wiltingen

1995 war erstmals der Ruf nach einem neuen, autofreien Radweg zwischen Kanzem und Wiltingen laut geworden. Es folgte eine endlose Diskussion. Nach fast 25 Jahren zeichnet sich eine Lösung ab. Allerdings wurde ein entscheidendes Gremium noch gar nicht befragt.

„Das war wohl eine Zangengeburt“, sagt ein Ratsmitglied stöhnend in der jüngsten Kanzemer Gemeinderatssitzung. Soeben hat sich der Rat einstimmig bei zwei Enthaltungen für eine neue Radwegtrasse entschieden, die ab dem Kanzemer Ortsausgang unabhängig von der Kreisstraße 147 zur Wiltinger Brücke führen soll. Wenn nun auch noch der Wiltinger Rat dem Trassenverlauf über seine Gemarkung zustimmt, könne der Landesbetrieb Mobilität  (LBM) mit der konkreten Planung beginnen, heißt es. Der bisherige sogenannte Radweg auf dem drei Kilometer langen Abschnitt ist als solcher nur durch Schilder zu erkennen. Radfahrer müssen sich dort die Fahrbahn der K 147 mit dem Autoverkehr teilen.

Vor der Abstimmung berichtet der Kanzemer Ortsbürgermeister Johann Peter Mertes von einer Ortsbegehung mit Vertretern des LBM, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord und der Kreisverwaltung. Gesucht und gefunden worden sei eine genehmigungsfähige Lösung, die nicht in die Belange des angrenzenden Naturschutzgebietes eingreife. Die beschlossene Variante führt zunächst wie heute schon von der Kanzemer Brücke durch die Kirchstraße hinauf zur K 147, die aber anders als bisher von den Radlern nur überquert werden muss (siehe Grafik). Weiter geht es von dort über den auszubauenden Wirtschaftsweg bis zur Straße Alter Weg. Dort knickt die Trasse in Richtung Steinbruch ab, an dem sie entlangführt um dann im Hang des Schlossbergs auf die Gemarkung Wiltingen zu wechseln. In einer Serpentine geht es schließlich hinunter zur K 147. Die Straße wird nochmals überquert, dann weiter über den schon bestehenden Radweg zur Wiltinger Brücke.

Die Ideallösung sei dies nicht, sagt Ortsbürgermeister Mertes. Besser wäre ein eigenständiger Radweg entlang der K 147 gewesen, verbunden mit einer Radwegbrücke als direkte Anbindung an Wiltingen. Mit 800 000 Euro ist das Projekt in seiner jetzigen Form kalkuliert. Bauherr wird der Landkreis sein.

Schon 2016 hatte der Kreisausschuss den neuen Radweg und die Sanierung der maroden K 147 in sein mittelfristiges Straßenbauprogramm aufgenommen (der TV berichtete). Damals schätzte Landrat Günther Schartz den Vorlauf für das Radwegprojekt auf drei bis fünf Jahre, da auch ein Planfeststellungsverfahren erforderlich ist. Über den Trassenverlauf herrschten damals  nur vage Vorstellungen. Zu den bevorzugten Möglichkeiten zählte schon 2016 das Weinbergsgelände am Schlossberg oberhalb der K 147.

geplanter Radweg zwischen Kanzem und Wiltingen. Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Übrigens bezweifeln einige Kanzemer Ratsmitglieder Sinn und Zweck des 800 000-Euro-Projekts. Tenor: „Da wird von Kreis und Land viel Geld ausgegeben für einen Radweg, den am Ende keiner nutzt.“ Sie haben mit dem Wiltinger Ortschef etwas gemeinsam. Dieser kennt die in Kanzem diskutierte Planung bislang allein durch den TV (siehe Info).

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