Luxemburg zeigt Ausstellung in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert

Gedenken : Kein Opfer soll vergessen werden

Eine Wanderausstellung des Großherzogtums Luxemburg ist bis 11. August in der Gedenkstätte Hinzert/Pölert zu sehen. Schreckliche Erinnerungen werden wach.

Gefangene, abgemagert zu rappeldürren „Knochengestellen“. Täter, die Menschen totschlugen, Hinrichtungen: Die Bilder lassen den Zeitzeugen, der zur Eröffnung der Ausstellung „Luxemburg im Zweiten Weltkrieg – Zwangsrekrutierung – Streik – Umsiedlung – Gefängnis“ ins ehemalige SS-Sonderlager/KZ Hinzert gekommen ist, bis heute nicht los. Der 83-Jährige, der Mariette Nölle, die Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte KZ Außenlager Cochem, an diesem Tag begleitet, wuchs neben einem der Cochemer Lager auf und beobachtete von zu Hause aus Mord und Terror. Männer hätten einander gegenseitig den Strick um den Hals legen und dann den Schemel des Vordermannes wegtreten müssen – im Bewusstsein, nun selbst der Nächste zu sein.

Zwei Vertreter des Staatsministeriums Luxemburg führen in die Ausstellung ein. Und beide verbinden persönliche Erfahrungen mit dem ehemaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert und der heutigen Gedenkstätte, in der die Ausstellung zu sehen ist.

Joseph Lorent, Präsident des die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wachhaltenden Gremiums „Comité pour la mémoire de la Deuxième Guerre mondiale“, ist der Sohn eines luxemburgischen Zwangsrekrutierten. Jean-Claude Muller, als Chef du service mémoire Leiter des Erinnerungskomitees, ist der Großneffe eines Wiltzers, der 1942 mit 20 Luxemburgern bei Hinzert erschossen wurde. Das nationalsozialistische Regime reagierte damit auf einen Generalstreik infolge der völkerrechtswidrigen Zwangsrekrutierung von Luxemburgern zum Wehrdienst. Lorent bezeichnete es als Ehre, das Andenken an seinen Vater wie an alle anderen würdigen zu können. Muller appelliert, keine der verschiedenen Opfergruppen in Vergessenheit geraten zu lassen.

Neben KZ-Häftlingen zählen dazu auch Frauen, die bei gefährlichen Zwangsarbeiten umkamen, zwangsumgesiedelte Familien und Schüler. Einige waren mit ihren kompletten Klassen auf Burg Stahleck bei Bacharach interniert. Dort machte die Ausstellung, die im Mai um Tafeln zur Burg und zu Hinzert erweitert worden war, Anfang Juni Halt.

Zur Eröffnung in Hinzert erinnert Bernhard Kukatzki, Direktor der gastgebenden Landeszentrale für politische Bildung, an die Bedeutung des KZ während der deutschen Besetzung Luxemburgs (1940 bis 1945). Die Ausstellung vertiefe Wissen über die „Folgen der deutschen De-facto-Annektierung“. Mindestens 1588 Luxemburger seien seit der Besetzung nach Hinzert verschleppt worden. Viele kehrten nicht zurück – darunter die Ermordeten von 1942 sowie 23 Männer, die 1944 getötet wurden.

Teils persönlich betroffen sind auch Ausstellungsbesucher. Sein Opa sei nur knapp einer Deportation nach Hinzert entkommen, erzählt ein 48-Jähriger aus Trier. Ein mutiger Mensch habe das verhindert – für ihn bei aller Unmenschlichkeit ein Zeichen der Menschlichkeit.

Jean-Claude Muller (l.) und Joseph Lorent (r.) vom Staatsministerium Luxemburg bei der Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte SS-Sonderlager KZ Hinzert mit Landrat Günther Schartz (2.v.l.) und Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. Foto: Ursula Schmieder

Die vom Erinnerungskomitee, der Stadt Wiltz und der Luxemburgischen Botschaft in Berlin erarbeitete Wanderausstellung ist bis zum 11. August in Hinzert zu sehen.

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