Luxemburger und Rheinland-Pfälzer gedenken NS-Opfer im ehemaligen KZ Hinzert

Gedenken an NS-Opfer : Dem Hass mutig entgegentreten: Gedenken in ehemaligem KZ Hinzert

Luxemburger und Rheinland-Pfälzer haben gemeinsam vieler ermordeter Menschen bei Hinzert gedacht.

In der Gedenkstätte SS-Sonderlager/Konzentrationslager (KZ) Hinzert gedachten Repräsentanten des Großherzogtums Luxemburg und von Rheinland-Pfalz der Opfer des Nazi-Regimes. Im Mittelpunkt standen 23 Luxemburger, die vor 75 Jahren dort getötet wurden. Die Redner dankten allen, die wie Angehörige und Schüler daran erinnerten und sich einsetzten für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde.

Worte könnten dem Leid nicht gerecht werden, betonte Großherzog Henri. Doch es sei wichtig, die Erinnerung an eine Zeit, die sich niemals wiederholen dürfe, lebendig zu halten, würdigte er die Bemühungen beider Länder um ein vereintes und gerechtes Europa. Für Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel gilt es daher umso mehr, den Frieden in Europa hochzuhalten. Hinzert sei aus Luxemburger Sicht ein fürchterlicher Ort: „Über Jahrzehnte vermochte man nicht, diesen Namen auszusprechen.“

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer verwies auf die „besondere Verantwortung“ für Deutsche. Mit dieser Vergangenheit könne man keinen Schlussstrich ziehen. Erst recht nicht in Zeiten wieder lauter werdender „rechtsextremer Stimmen mit Hetze und Hass“.

Deutsche schuldeten es den Opfern, Unfrieden und Ausgrenzung aufrecht und couragiert entgegenzutreten und „den neuen Nationalsozialismus“ zurückzudrängen. Und das „im Netz und im analogen Leben“, im Beruf wie im privaten Umfeld.

Schüler des Lycée de Garçons in Esch-sur-Alzette und der IGS Hermeskeil tun das: Gemeinsam besuchten sie die Gedenkstätte und das ehemalige Frauen-KZ Ravensbrück. „Schlimme Beispiele“ hätten ihnen das Leid der Menschen bewusst gemacht. Nun müssten sie „lernen, mit dieser Vergangenheit umzugehen“, sagte eine IGS-Schülerin. Für Schüler aus Esch gebietet es schon der Respekt vor den Opfern, nicht zu vergessen. Wegen des erneuten „Drucks von rechter Seite“ sei das umso wichtiger. Die „Vogel-Strauß-Politik“ derer, die das nicht wahrhaben wollten, mache keinen Sinn.

Den Gedenkgottesdienst der Amicale des Anciens de Hinzert zelebrierten Erzbischof Jean-Claude Hollerich und Triers Bischof Stephan Ackermann, die mit Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, den abschließenden Segen sprachen. Identität sei ja grundsätzlich positiv, sagte Hollerich. Gefährlich werde es aber, „wenn man Identitäten nicht mit Freiheit zusammenbringt“.

Nach dem Verlesen der Namen und Heimatorte aller in Hinzert gestorbenen 82 Luxemburger fand die Kranzniederlegung mit Repräsentanten weiterer Länder statt. Mit dabei Luxemburgs Botschafter Jean Graf, sein deutscher Kollege Heinrich Kreft und die Generalkonsuln Vladimir Wassiljewitsch Sedykh, Russische Föderation, Aleksander Gowwin, Polen, und Caroline Mettavant, Frankreich. Avadislav Avadiev vertrat den Landesverband der Jüdischen Gemeinden Rheinland-Pfalz. Bernhard Kukatzki, Direktor der für die Gedenkstätte zuständigen Landeszentrale für politische Bildung, begrüßte darüber hinaus an die 30 Angehörige ehemaliger Hinzert-Inhaftierter namentlich. Darunter ein Sohn eines der am 25. Februar 1944 Getöteten.

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