Märsche gegen die Kälte

SAARBURG. Mit einer großen Militärparade auf dem Place d'armes des Kasernengeländes beging das 16. Jägerbataillon der französischen Streitkräfte gestern seinen 150. Geburtstag. Bei eisiger Kälte verfolgten rund 100 geladene Gäste die Zeremonie.

Petrus ist kein Franzose. Vielleicht hätte sich der Wettergott sonst etwas gnädiger gezeigt und das Thermometer weiter Richtung Plusgrade steigen lassen. So versammelten sich am Donnerstagvormittag bei spürbaren Minusgraden rund 100 geladene Gäste plus einige französische Grundschüler auf der Tribüne des Paradeplatzes, um die eineinhalbstündige Zeremonie zum 150-jährigen Bestehen des 16. Jägerbataillons zu verfolgen. Sechs der insgesamt sieben Kompanien - die erste ist derzeit zum Auslands-Einsatz in der zentralafrikanischen Republik - marschierten vor den Augen des Chef du corps, Bruno le Ray, sowie des Generals und Président de la Fédération nationale des anciens chasseurs, Philippe Verlot, der extra aus Paris angereist war und die Präsentation der Soldaten ausdrücklich lobte. Zudem waren Vertreter militärischer und ziviler Dienststellen aus Belgien und Deutschland anwesend, Günther Schartz (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg), Stadtbürgermeister Franz-Josef Blatt, Winfried Manns, Bürgermeister der VG Konz, sowie die Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg. Rund 1000 Soldaten - darunter auch einige wenige Frauen - marschierten sternförmig auf den Place d'armes zu und sangen die Kampflieder ihrer Truppe. Dabei erklangen auch die fürs Militär bekannten Stücke "le protest" und "Sidi Brahim" - entstanden um 1880. Gekleidet waren die Soldaten in ihre unverwechselbaren Uniform: blaue Oberteile und Hosen, die an den Nähten mit gelbem Stoff abgesetzt sind. "Das ist diskreter als die traditionelle rote Hose, schützt besser vor dem Feind", erklärte le Ray in seiner Ansprache. Eine weitere Besonderheit bei der Jägereinheiten sei ihre Fahne, verriet le Ray. Erstmals überreicht von König Ludwig Philipp am 4. Mai 1841, zeige diese für die Jäger einzige Fahne ihre Einheit und den Zusammenhalt. Am 15. Januar 1854 wurde das 16. Jägerbataillon unter dem Kommando des Majors Esmieux in der Garnison von Grenoble zusammengeschlossen. Kaum gegründet, brach es zu Einsätzen in russischen und Gebieten des mittleren Ostens auf. Die Krim, Syrien und Libanon waren Ziele der ersten Kämpfe. In Saarburg sind die französischen Jäger, eine gepanzerte Infanterie-Einheit, seit 1968. Kampf- und Unterstützungs-Kompanien sind in Saarburg stationiert. Seit 1993 rücken die Soldaten auch wieder zu Kurzzeit-Einsätzen von durchschnittlich vier Monaten ins Ausland aus. So kehrt die erste Kompanie Ende kommenden Monats aus Zentralafrika zurück, andere Truppen waren im vergangenen Jahr in Afghanistan, und im Juni werden zwei Kompanien in den Tschad aufbrechen. Allerdings bleibt der Einsatz der aktiven und ehemaligen Soldaten nicht ungewürdigt: So verlieh Colonel le Ray während der Zeremonie insgesamt 15 Orden. Die Auszeichnung eines "Chevalier de l'ordre national du mérite" erhielt Oberstabsfeldwebel Auneau als Würdigung seines Gesamt-Einsatzes: Er scheidet im Sommer aus Altersgründen aus. "Médailles de la défense nationale" in Silber erhielten 14 Soldaten als Anerkennung für ihr Verhalten bei Einsätzen in jüngster Vergangenheit.