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Mäusebussard macht Moselradweg unsicher

Mäusebussard macht Moselradweg unsicher

Ein Mäusebussard hat einen Jogger auf dem Moselradweg bei Nittel-Rehlingen (Kreis Trier-Saarburg) angegriffen. Der Mann kam mit Kratzern davon. Ein anderer Läufer berichtet von nahezu täglichen Attacken des Vogels. Der Volksfreund hat sich auf die Suche gemacht und das Tier vor Ort beobachtet.

 Markus Schommer vom Konzer Ordnungsamt hat sich die Situation vor Ort angesehen. Noch hat die Behörde sich nicht auf ein Vorgehen festgelegt.
Markus Schommer vom Konzer Ordnungsamt hat sich die Situation vor Ort angesehen. Noch hat die Behörde sich nicht auf ein Vorgehen festgelegt. Foto: Christian Kremer
Mäusebussard macht Moselradweg unsicher
Foto: Christian Kremer

Am Rand des Moselradwegs bei Nittel-Rehlingen plätschert der Rehlinger Bach in den Fluss. Ab und an kommen Spaziergänger oder Radfahrer vorbei. Die Idylle scheint perfekt. Doch genau an dieser Stelle hat vor einer Woche ein Bussard einen Jogger attackiert.

Der Nitteler Norbert Arnoldy ist am Vatertag auf seiner Haus- und Hof-Laufstrecke unterwegs. "Man denkt an nichts Böses, und auf einmal krallt sich etwas in deinem Skalp fest", erzählt er. Der Vogel habe ihn ordentlich zerkratzt, bevor er ihn mit Schreien und wilden Gesten habe abwehren können. Die Kratzer auf dem Kopf hätten geblutet, sagt er. Inzwischen seien die Wunden wieder verheilt.

Der Vogel sei unter Joggern schon bekannt. Man grüße sich auf der Strecke mit Sätzen wie: "Pass auf! Der Bussard ist heute wieder schlecht drauf", erzählt Arnoldy. Einer seiner Leidensgenossen ist Herbert Steinbach. Der Wincheringer ist sogar schon mehrfach von dem wilden Vogel angegriffen worden - zuletzt am Freitagmorgen. Seit drei Jahren machten Raubvögel an dieser Stelle den Moselradweg unsicher, sagt Steinbach. Dieses Jahr sei der Vogel besonders aggressiv. "Der kommt bei mir fast jeden Morgen", sagt der Wincheringer. Er vertreibe das Tier dann durch lautes Klatschen. In den vergangenen Jahren haben sich die Angriffe laut Steinbach von Mitte Mai bis Mitte Juni hingezogen.

Auch als Markus Schommer vom Konzer Ordnungsamt zusammen mit dem Volksfreund-Reporter an der Mündung des Rehlinger Bachs ankommt, kreist ein Greifvogel über dem Bereich. Das Raubvogelrevier steht jetzt unter Beobachtung der deutschen Behörden. Den Vogel schert das wenig. Er landet erst auf der luxemburgischen Moselseite, bevor er wieder aufsteigt und auf Beutetour zurück nach Deutschland fliegt. Zum Angriff setzt er diesmal nicht an. Steinbach vermutet, dass der Bussard auf der deutschen Seite nahe der Bahngleise sein Nest hat. Er hofft darauf, dass es nach der Brutzeit entfernt wird, damit das Tier nächstes Jahr woanders brütet.

Greifvogelexperte Wolfgang Klotzbücher identifiziert den fliegenden Grenzgänger auf einem Volksfreund-Foto als Mäusebussard. Diese Raubvögel sind laut dem Betreiber des Saarburger Greifvogelparks bekannt für ihren schwierigen Charakter. Angriffe von ihnen auf Jogger oder Radfahrer seien keine Seltenheit. Die Vögel wollen ihre Brut beschützen. Sie reagieren auf schnelle Bewegungen oder Signalfarben.

"Alle Greifvögel stehen unter Naturschutz", betont er. "Am besten ist es, den Bereich zu meiden." In zwei bis drei Wochen werde sich die Lage beruhigen. Die Möglichkeiten, gegen die Vogelangriffe vorzugehen, sind laut Klotzbücher begrenzt. Entweder man stellt ein Warnschild auf oder man entfernt nach der Brutzeit das Nest, um zu verhindern, dass es im nächsten Jahr erneut zu Vogelattacken kommt.

"Solche Vorfälle werden nicht zentral registriert", sagt Helmut Lieser, Chef des Forstamts in Saarburg. Im März 2012 hatte sich beim Volksfreund zum Beispiel ein 40-Jähriger aus Trierweiler gemeldet, nachdem er beim Joggen in Moersdorf von einem Greifvogel angegriffen worden war.

Auch Lieser hat schon häufig mitbekommen, dass Vögel aggressiv ihre Brut verteidigen. Zuletzt habe er einen Vorfall am Mattheiser Weiher in Trier beobachtet. Dort habe ein Schwanenmännchen unter Protest der anwesenden Spaziergänger an seinem Nest eine kleine Nilgans gepackt und im Teich ertränkt, nachdem sie sich der Brut des Schwans genähert habe. "Das ist die Natur", meint Lieser. "Die Vögel verteidigen ihre Brut, da muss man einfach wegbleiben."

Nicht nur Raubvögel und Schwäne können gefährlich werden. In Trier haben Raben mehrfach Menschen angegriffen. Die Stadt Trier hat sogar eine offizielle Warnung herausgegeben. cmk