Majestäten auf Werbetour

BERLIN. Rund 20 Weinköniginnen aus dem Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer besuchten mit der Deutschen Weinkönigin Petra Zimmermann die CDU-Fraktionsvorsitzende Angela Merkel in Berlin. Eingebunden in eine politische Informationsfahrt rührten sie die Werbetrommel für den deutschen Wein – gegen die Uhr.

Trier, Simeonstiftplatz, 6.30 Uhr. Eigentlich die Zeit für Frühstücks-Brötchen und Kaffee. Nicht in dem Reisebus, der mit 48 Passagieren aus Weinbau, Tourismus und politisch Interessierten auf Werbetour für den deutschen Wein in Richtung Berlin startet. Probiergläschen mit Weißwein und Sekt machen im Morgengrauen die Runde. Eine gute Ausgangsstimmung für die bevorstehende Aufgabe: in Berlin auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster (CDU) für den deutschen Wein ganz allgemein und speziell für die regionalen Produkte zu werben. "Unding": Bei Empfängen kein deutscher Wein

Denn bei politischen Empfängen, so hatte Kaster bei seiner Mandatsübernahme vor zwei Jahren stirnrunzelnd festgestellt, seien bis vor kurzem ausschließlich ausländische Weine kredenzt worden. "Ein Unding", wie sich ein Winzer auf der Fahrt in die 3,6-Millionen-Einwohner-Metropole empört: "So etwas würde es in Rom oder Paris nicht geben." Gespannte Erwartung dann in der Gruppe am nächsten Vormittag gegen Ende einer Rundfahrt durch die Stadt, in der es 6000 Kneipen und Restaurants gibt. Petra Zimmermann, die deutsche Weinkönigin aus Temmels, steigt - schick in ein Kostüm gekleidet - beim Zoo zu der Reisegruppe. Extra für den Besuch bei Angela Merkel ist sie - eingebunden zwischen Terminen in Koblenz und Korea - von Frankfurt nach Berlin geflogen. Im Handgepäck zwei Flaschen Wein für die CDU-Frontfrau. Als Weinkönigin müsse sie alle 13 Weinanbaugebiete paritätisch vertreten, erklärt die 20-Jährige später. Die Präsente wähle das Deutsche Weininstitut aus. Umso erfreulicher stimmt es Zimmermann, dass ein Nitteler Elbling-Sekt mit dabei ist. Überraschte Blicke von Passanten und Politikern am Reichstag - die elegant gekleideten Weinrepräsentantinnen sorgen selbst im attraktionsverwöhnten Berlin für Aufsehen. Denn einige der Weinhoheiten strahlen - nun umgezogen - mit Krönchen und in ihren Roben mit der Frühlingssonne um die Wette. "Keine Ahnung, was auf uns zukommt", meinen die jungen Damen. Nervosität macht sich Minuten vor dem Treffen mit Angela Merkel breit, als Zimmermanns "Augapfel", die Krone, zu Boden fällt. "Mein Herz!", fasst sich die Weinkönigin an das selbige, erleichtert, dass nichts beschädigt ist. Dann geht alles blitzschnell. Merkel, sichtlich abgespannt, betritt den Fraktionsvorstandssaal. Zwei, drei Minuten bleiben nur noch Zeit, der Terminplan ist wegen einer überzogenen Sitzung völlig aus den Fugen geraten. Nette Worte und ein Fototermin

Ein paar nette Worte, der Fototermin folgt und frisst die meiste Zeit. Keine Zeit mehr für Zimmermann, Merkel über ihre wohl vorbereiteten weinpolitischen Anliegen zu informieren: dass für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 das Deutsche Weininstitut die Weinlizenz erworben hat und nur deutscher Wein ausgeschenkt werden darf ("ein großer Erfolg"), dass das Weinland Deutschland im aufstrebenden japanischen Markt Fuß fassen müsse und dass mit einer neuen Werbekampagne das Deutsche Weininstitut die Position des deutschen Weins im Ausland weiter ausbauen will. Und - Zimmermann wörtlich: "Das ist meine persönliche Meinung" - dass ein gewisses Nationalbewusstsein von Nöten sei, damit hierzulande deutscher Wein Anerkennung finde. "Hoffentlich schmeckt Merkel der Wein", murmelt jemand. "Und ob", meint Winzer Peter Terges, der Merkels Vorliebe für trockenen Wein kennt. Er nutzt die Gunst der Stunde, der Politikerin eine Weinauswahl verschiedener Trier-Olewiger Winzer zu schenken. Trotz der Kürze der Aktion ist die Gruppe zufrieden. "Eine gute Werbung für unseren Wein", meint die Wincheringer Weinkönigin Karin Lahr. "Spätestens seit heute Mittag wird auch Angela Merkel wissen, dass es uns gibt", hofft der Winzer Georg Fritz von Nell aus Trier.