"Majuuuu – das ist der totale Absturz!"

"Majuuuu – das ist der totale Absturz!"

SCHWEICH. Wahlabend in der Verbandsgemeinde Schweich: Ohne große Erwartungen hatte auch hier die CDU der Entscheidung entgegengesehen, während die SPD mit Zuversicht in die Schlacht gezogen war. Doch es gab am Ende auch einen "schwarzen" Sieger: den CDU-Direktkandidaten des Wahlkreises Trier-Schweich, Arnold Schmitt aus Riol.

Gelassen sehen die VG-Mitarbeiter gegen 17.45 Uhr den Dingen entgegen, die da kommen sollen. Die 25 Wahllokale in der VG werden gleich schließen und insgesamt 207 Wahlhelfer mit der Auszählung beginnen. Noch flimmern hinter den Ortsnamens-Listen auf den Bildschirmen die Nullen. Einige erfahrene Wahlbeobachter frotzeln über die "enorme Auszählungsgeschwindigkeit" in einigen kleinen Orten an der Mittelmosel. Und laut wird spekuliert, ob bei der nächsten Landtagswahl, bei der es "vermutlich keine Verbandsgemeinde mehr gibt", die Elektronik auch bei der Stimmabgabe Papier und Bleistift ersetzen wird. Kurz nach 18 Uhr treffen dann die ersten Prognosen von ARD und ZDF ein: Sie weisen noch deutliche Abweichungen auf - doch die Tendenz ist eindeutig: Die Wähler in Rheinland-Pfalz haben der CDU - insbesondere aber deren Vorsitzendem Christoph Böhr - die klare Absage erteilt. Dann fallen die einlaufenden Hochrechnungen je nach Sichtweise immer desaströser oder triumphaler aus. Gegen 18.20 Uhr meldet das ZDF 44,66 Prozent für die SPD und 33,6 für die CDU. Dann erschallt die Stimme des gerade eingetroffenen CDU-Direktkandidaten Arnold Schmitt im Treppenhaus: "Ein Desaster - da ist die Sache wohl auch für mich gelaufen!" Der nun auch hinzu gekommene Hausherr, Bürgermeister Berthold Biwer von der VG Schweich, spendet dem Kandidaten Trost und einen dreistöckigen Mirabell zum Aufwärmen, obwohl der Abend eigentlich frühlingshaft lau ist. Nicht anwesend ist Schmitts SPD-Gegenspieler Manfred Nink, der das Geschehen im heimischen Kenn verfolgt. "Majuuuh, der totale Absturz für die Union!", ruft derweil Büroleiter Horst Walsch, der ständig die aktuellen Auszählungsergebnis auf seinen PC-Bildschirm zaubert. Außerdem spielt er "Mädchen für alles" in Sachen Auszählung. Sein Telefon steht nicht still: Gibt es in draußen einem Wahllokal Zweifel an der Gültigkeit eines Stimmzettels, wird er angerufen und gefragt. Oder der Anruf einer Schweicherin aus dem fernen Spanien, die den Stand der Dinge erfahren möchte und prompt Auskunft erhält.Plötzlich wird es nochmals spannend

Während Spitzenkandidat Böhr in Mainz das politische Handtuch wirft, laufen in der Schweicher VG-Verwaltung mehr und mehr die Auszählungsergebnisse aus den Ortsgemeinden ein mit dem Ergebnis, dass es regional nochmals richtig spannend wird: CDU-Kandidat Schmitt hat, zumindest in seiner heimatlichen VG Schweich, eine deutlichen Vorsprung vor Manfred Nink aus Kenn. Doch Schmitt bleibt skeptisch: "Ich mache mir keine Hoffnungen. Warten wir erstmal die Ergebnis aus den Trierer Stadtteilen Ehrang und Ruwer sowie aus der VG Trier-Land ab, dann sieht die Sache vermutlich anders aus." Gelassen bis erfreut sieht unterdessen Kontrahent Nink, dem ein Listenplatz sicher ist, dem Endergebnis entgegen. Vom TV telefonisch befragt, spricht er "von einem überragenden Sieg der SPD". Nink wörtlich: "Das ist ein Hammer, das haben wir nun doch nicht erwartet." Als dann die Ergebnisse aus den Trierer Stadtteilen einlaufen, scheint sich die skeptische Einschätzung des CDU-Kandidaten zu bestätigen. Nink holt deutlich auf, und am Ende läuft es tatsächlich auf ein knappes Kopf-An-Kopf-Rennen hinaus. Doch am Ende darf auch der Rioler CDU-Mann jubeln. 43,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis Trier-Schweich haben für ihn gestimmt. Währendessen muss sich der SPD-Kandidat aus Kenn mit "nur" 41 Prozent zufrieden geben. Schmitt zum TV, nachdem das Ergebnis feststeht: "Ich bin ganz Platt, damit war doch nicht mehr zu rechen nach diesem niederschmetternden Gesamtergebnis für die Union."

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