Marktflair, mieses Wetter und die gute Tat

Hermeskeil · Das Wetter hat es bei der 22. Auflage des Martinusmarktes nicht gut mit den Marktleuten und ihren Kunden gemeint. Kaum mehr als 20 Anbieter waren nach Hermeskeil gekommen, und die hatten fast alle nur Bekleidung. Insgesamt besuchten geschätzte 1000 Menschen den Markt. Der Erlös beim Lions-Club fließt in die Sanierung des Kirchengeläuts.

Hermeskeil. Warum nur hat der Heilige Martin auch so spät im Jahr Namenstag? Zwangsläufig fällt deshalb der Martinusmarkt in Hermeskeil in die nasskalte Jahreszeit. Entlang des Langen Marktes (Fußgängerzone) zeigten sich bei der 22. Auflage viele Lücken bei den Ständen der ambulanten Händler. Die Sonne kämpfte sich immer nur kurz durch die Wolkendecke, um dann wieder vor einem Schauer zu kapitulieren.
Beliebt ist immer das beheizte Zelt des Lions-Clubs Hochwald-Hermeskeil. Fast alle der 42 Mitglieder taten hier abwechselnd Dienst an der Kuchentheke sowie am Wurst-, Eintopf- und Getränkestand. "In früheren Jahren kamen schon mal 3000 Euro für den guten Zweck zusammen", erklärt Präsident Manfred Sänger. Diesmal fällt der Betrag wohl kleiner aus, denn nur rund 1000 Besucher kamen zum Markt des Martinus.

Sammeln für den Glockenstuhl


Dabei wäre gerade jetzt die gute Tat wichtig, denn der Glockenstuhl der Pfarrkirche des Heiligen muss saniert werden. "Die Konstruktion ist aus Stahl und überträgt beim Läuten die Schwingungen der Glocken ungebremst auf das Mauerwerk", nennt Sänger den Hintergrund der Lions-Spende.
"Läuten dürfen wir noch. So schlimm ist es noch nicht", beruhigt indes Dechant Clemens Grünebach. Dennoch hat sich vor Jahresfrist ein Förderverein gegründet, der Geld für den Erhalt des Sakralbaus sammelt. "Allein die Sanierungsarbeiten am Glockenturm werden so um die 120 000 Euro kosten", schätzt dessen Vorsitzender Martin Eiden. Weiter müssen die Kirchenfenster und später auch das Dach saniert werden.
Der Glockenstuhl soll wieder aus Holz gebaut werden. Dieses bewährte Material federt Schwingungen ab. Weiter werden dafür Sponsoren gesucht. "Wenn 200 Spender zehn Jahre lang zehn Euro pro Monat zahlen, ist das Problem im Turm gelöst", rechnet Eiden vor.
Problemlos ging der Tag nicht an den Händlern vorbei. Die Ersten packten wieder ein, noch bevor sich endlich ein bisschen die Sonne durchsetzte. Dieter Singh (55) aus Losheim bietet Oberbekleidung an und sagt: "Das Geschäft geht schlecht, nicht nur hier, sondern auf allen Märkten."
Besucherin Monika Viaud (55) aus Grimburg bemängelt: "Hier gibt es nur drei Stände, die keine Kleidung haben." Beim Bauernmarkt vor drei Wochen sei die Vielfalt größer gewesen. Gut, wenn man nicht vom Geschäft abhängig ist, wie Michael Claus (70) aus Baden-Baden, der den Handel mit Schwarzwälder Schinken als Hobby betreibt: "Richtig gute Ware verkauft sich immer." Auch Martin Weiler (53) aus Neuhütten ist Hobby-Händler, und zwar mit einem Angebot, das am Sonntag zum Wetter passt: Glühwein.
"Im Zentrum haben rund 30 Geschäfte geöffnet", weiß die Sprecherin des Hochwald-Gewerbe-Verbandes (HGV), Stefanie Schömer. Auch bei schlechtem Wetter müssten die Betriebe bei einem verkaufsoffenen Sonntag Präsenz zeigen. Für die kleinen Besucher gab es zum Trost die beliebte Martinsbrezel in fast jedem Laden.