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Martinuskirche Hermeskeil: Verschenkaktion ab 11. November

Aktion ab 11. November : Der heilige Martin als Vorbild: Hermeskeiler Pfarrei verschenkt in der Kirche Kleidung und Spielsachen

Die Martinuskirche in Hermeskeil wird ab dem 11. November für rund drei Wochen zur „Verschenkekirche“ für gut erhaltene Kleidungsstücke und Spielzeug. Was hinter der Aktion steckt und warum sich viele Institutionen und Freiwillige dabei engagieren.

Jacken, Hemden und Pullover hängen auf Kleiderbügeln in den Seitengängen, auf den Kirchenbänken lagern Bücher und Gesellschaftsspiele: So in etwa wird es ab Freitag, 11. November, in der Martinuskirche in Hermeskeil aussehen. Dann wird die katholische Pfarrkirche für dreieinhalb Wochen zur „Verschenkekirche“.

Das wird in der Martinuskirche in Hermeskeil ab dem 11. November verschenkt

Bis zum Nikolaustag am 6. Dezember werden im Kirchenraum gut erhaltene Kleidung, Schuhe, Spielsachen und Haushaltsgegenstände aufbewahrt, die kostenlos an jeden abgegeben werden, der daran Interesse hat. „Die Sachspenden stammen größtenteils aus unseren eigenen Beständen“, erklärt Christian Heinz, leitender Pfarrer der Pfarrei Sankt Franziskus und Mitglied des Leitungsteams für den Pastoralen Raum Hermeskeil. Auch das Deutsche Rote Kreuz und das Mehrgenerationenhaus würden für die Aktion ihre Lager leeren.

Verschenkemarkt in der Kirche fand bei Premiere 2021 schon großen Anklang

 Der Verschenkemarkt für gut erhaltene Kleidung und Spielsachen in der Hermeskeiler Martinuskirche fand bei der Premiere 2021 bereits großen Zuspruch - hier ein Bild mit Initiator Christian Heinz, Leitungsmitglied des Pastoralen Raums Hermeskeil.
Der Verschenkemarkt für gut erhaltene Kleidung und Spielsachen in der Hermeskeiler Martinuskirche fand bei der Premiere 2021 bereits großen Zuspruch - hier ein Bild mit Initiator Christian Heinz, Leitungsmitglied des Pastoralen Raums Hermeskeil. Foto: Herbert Thormeyer

Heinz hatte bereits im Vorjahr die Idee für die Verschenkaktion in der Kirche, die wegen des großen Zuspruchs nun wiederholt werden soll. Damals war der Antrieb insbesondere, eine sinnvolle Verwendung für überschüssige Sachspenden zu finden, die ursprünglich für Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal gesammelt worden waren. „Wir wussten anfangs nicht, ob es klappt“, erinnert sich Heinz. „Aber schon am ersten Tag war fast alles weg.“ Deshalb war der Verschenkemarkt mehrmals verlängert worden. Genutzt hätten ihn ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, sagt Heinz. Darunter viele alleinerziehende Mütter, „die für das Angebot zutiefst dankbar waren“.

Pfarrer: Viele Menschen in der Kirche, die den Weg sonst seltener finden

Dass die Aktion erneut organisiert wird, hat laut dem Pfarrer aber noch andere Gründe: „Es passt einfach in diese Jahreszeit und zum Namenspatron unserer Pfarrkirche.“ Der heilige Martin habe schließlich gezeigt, wie Teilen funktioniere. Der Legende nach soll er seinen Mantel zerschnitten und eine Hälfte einem frierenden Bettler gegeben haben. Ab dem Martinstag soll das Teilen und Verschenken auch in der Martinuskirche im Fokus stehen.

Für Christian Heinz spielt dabei Nachhaltigkeit ebenfalls eine Rolle, da noch brauchbare Dinge an diejenigen weitergeben würden, die sie sich gerade vielleicht selbst nicht leisten könnten. In der Idee für die „Verschenkekirche“ bestärkt habe ihn zudem die Tatsache, dass der Kirchenraum dadurch zu einem Treffpunkt geworden sei: „Es waren fast immer Menschen in der Kirche. Darunter viele, die sonst seltener den Weg dorthin finden.“

Die auf den Bänken verteilten Kleidungsstücke hätten die Gläubigen nicht gestört: „Sie saßen beim Gottesdienst einfach dazwischen, keiner hat sich beschwert.“ Auch habe es keinerlei Missbrauch des Angebots gegeben.

Bevor die Aktion am 11. November starten kann, sind noch Vorbereitungen wie das Sortieren und der Transport der Spenden notwendig. Dabei helfen laut dem Pfarrer ehren- wie hauptamtliche Kräfte – vom Technischen Hilfswerk über das Rote Kreuz und das Mehrgenerationenhaus (MGH) bis zum Hochwälder Familiennetzwerk Hafen.

Versteckte Armut auch ein Thema in der Hochwaldstadt

Hafen-Koordinatorin Karen Alt half schon im Vorjahr mit. Sie will wieder beim Aufbau unterstützen und auch zwischendurch dafür sorgen, dass in der Kirche alles ordentlich bleibt: „Wir schauen auch zum Beispiel beim Spielzeug danach, dass alles vollständig ist und kein Ramsch dabei ist“, sagt sie. Beim Familiennetzwerk seien von der Aktion 2021 noch ein paar Kisten übrig, auch etwas gut erhaltene Bettwäsche wolle man zusätzlich beisteuern. Der Ansturm im Vorjahr, erinnert sich Alt, sei enorm gewesen – sicher auch wegen des sehr niedrigschwelligen Angebots: „Die Kirchentüren stehen täglich offen. Jeder kann sich mal umschauen.“ Gerade in Hermeskeil, sagt die Hafen-Koordinatorin, begegne ihr das Phänomen der versteckten Armut immer wieder: „Beide Elternteile arbeiten, aber es reicht am Monatsende trotzdem nur gerade so. Unser Angebot in der Kirche kann jeder nutzen, ohne sich groß zu outen.“

Helferin: Leisten mit Verschenkekirche auch Beitrag gegen Wegwerfgesellschaft

Das Team des MGH habe schon das Jahr über die Augen offen gehalten nach noch brauchbaren Dingen, die irgendwo ausgemustert wurden, sagt Mitarbeiterin Sandra Cäsar. Bei der Premiere 2021 habe man gesehen, dass der Bedarf vor allem in der Vorweihnachtszeit da sei: „Und durch die Energiekrise wird es nicht weniger.“ Als Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft wolle das MGH „Kirche mitleben“ und beteilige sich auch deshalb, sagt Cäsar. „Wir können unser Netzwerk nutzen und außerdem einen Beitrag gegen die Wegwerfgesellschaft leisten.“ Es sei schön zu sehen, dass man damit Menschen aktiv helfen könne.

Laut Pfarrer Christian Heinz könnte die „Verschenkekirche eine feste Institution im Leben der Pfarrei werden“. Er hofft, dass das Angebot erneut rege genutzt wird. Die Martinuskirche ist dafür ganztägig geöffnet. Zum Auftakt am Freitag, 11. November, 17 Uhr, gibt es einen Gottesdienst, zu dem besonders Familien mit Kindern eingeladen sind.