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Matthias Clemens von Zec+ bekennt seine LIebe zu Saarburg und kritisiert die Verwaltung - Streit um Betriebshalle

Hip-Hop-Kultur trifft Verwaltung : Fitness-Unternehmer kritisiert per Video das Saarburger Rathaus

Der Saarburger Matthias Clemens ist ein Kumpel des deutschen Rapstars Kollegah und Unternehmer. Nun hat er sich in einem viel beachteten Video beklagt, dass er ein Gebäude räumen soll, das er von der Stadt gemietet hat.

Zec+ heißt die Firma von Matthias Clemens. Das Unternehmen vertreibt seit 2013 Nahrungsergänzungsmittel für die Fitnessbranche zum Muskelaufbau, zum Fettverbrennen oder für die Fitness. Damit ist der Saarburger ziemlich erfolgreich. Für die Firma arbeiten inzwischen laut Clemens mehr als 100 Menschen. Es gebe eine Außenstelle in Saarlouis und Filialen in mehreren deutschen Großstädten. 50 Mitarbeiter seien am Standort Saarburg beschäftigt, sagt Clemens im Gespräch mit dem TV. Zudem seien mehrere Freiberufler aus der Region Trier/Trier-Saarburg für ihn tätig.

Clemens hat sich in der Fitness- und Bodybuilder-Branche schnell einen Namen gemacht. Ein Geheimnis seines Erfolgs: Der muskulöse Saarburger ist auch in der deutschen Hip-Hop-Szene sehr bekannt. Er zeigt sich gemeinsam mit Rappern wie Farid Bang in der Öffentlichkeit. Mit Rapper Kollegah, der Clemens als guten Freund bezeichnet, hat er eine Stiftung gegründet, die unter anderem wohltätige Projekte in Palästina unterstützt. Doch auch beim Geschäft helfen sich die Freunde gegenseitig. Die Rapper unterstützen Zec+ beim Marketing, er hilft unter anderem durch Sponsoring. So spricht er nicht nur die Fitness-Szene, sondern auch die Sportler aus der Hip-Hop-Szene an. Er verknüpft sozusagen den Hip-Hop-Stil mit dem Geschäft für Fitnessnahrung, das bisher eher bieder daherkam. Er präsentiert sich deshalb auch in Interviews mit dem Online-Magazin Hiphop.de, wo  normalerweise Rapstars auftreten.

Doch der Saarburger generiert nicht nur so seine Reichweite. Er selbst und sein Unternehmen betreiben Seiten auf Facebook, Instagram sowie mehrere YouTube-Kanäle, mit denen Clemens Hunderttausende Menschen erreicht. Normalerweise spricht er dort quasi als authentische Galionsfigur der Firma Zec+ über seine Produkte oder die Verfehlungen der Konkurrenz. Zum Teil geht es in den Videos rau zu, ähnlich wie in der Hip-Hop-Szene, wenn Rapper ihre Gegner öffentlich „dissen“. Ein „Diss“ ist im Szenejargon ein Stilmittel, das einer Schmähkritik gleichkommt, mit der man seine Gegner heruntermacht.

 Das ist das ehemalige Kasernengebäude, das die Firma Zec+ zurzeit gemietet hat.
Das ist das ehemalige Kasernengebäude, das die Firma Zec+ zurzeit gemietet hat. Foto: Dirk Tenbrock

Vor zweieinhalb Wochen hat Clemens jedoch etwas Außergewöhnliches gemacht: Er hat in einem seiner Videos seine Liebe zur Region thematisiert. Zugleich hat er sich keinen Konkurrenten, sondern die Saarburger Verwaltung mit ihrem Bürgermeister Jürgen Dixius auf seine spezielle Art vorgeknöpft. Das Video wurde knapp 19 000-mal angesehen – im Vergleich zu Clemens‘ anderen Videos sind das eher wenige Clicks. Der Vorwurf des Unternehmers: Dixius verhindere, dass er mit seiner Firma in seinem geliebten Saarburg bleiben könne. Die Stadt habe Zec+ quasi aus dem Nichts den Mietvertrag für die Betriebshalle in der Irscher Straße auf dem Gelände der ehemaligen französischen Kaserne gekündigt. Obwohl er selbst die Region sehr liebe und deshalb weiterhin gerne Gewerbesteuern zahlen wolle, komme die Stadt ihm nicht entgegen, sagt Clemens. Dabei habe der Bürgermeister Zec+ im Februar 2019 zugesichert, dass die Firma die Halle zwei bis drei Jahre ab diesem Zeitpunkt nutzen dürfe. Mitten im Corona-Lockdown habe die Stadt der Firma jedoch eine Kündigung mit der Aufforderung geschickt, die Halle bis April 2021 zu räumen – zu diesem Zeitpunkt aus Unternehmer-Sicht ein Unding.

Aus Sicht der Stadt Saarburg ist die die Halle so wichtig, weil sie zentral für die Umsetzung des Vorzeigeprojekts „Gärten von Saarburg“ ist (siehe Info). Fünf Millionen Euro Bundesfördergeld erwartet die Stadt für dieses Projekt. Die derzeitige Zec+-Halle soll später die Eingangs- und Eventhalle werden. Um das Fördergeld zu bekommen, müssen Fristen eingehalten werden. Deshalb muss die Firma Ende März 2021 wohl raus aus der Halle.

Bürgermeister Dixius erklärt gegenüber dem TV, dass die Vorwürfe, die Stadt habe die Firma nicht unterstützt, haltlos seien. „Natürlich sind wir daran interessiert, Firmen in Saarburg zu halten und junge Firmen anzusiedeln.“ Das zeigten die jüngsten Neuansiedlungen von Unternehmen in der Stadt. „Auch die Firma Zec+ haben wir über Jahre unterstützt  – unter anderem durch die Ansiedlung im leerstehenden Toom-Markt.“ Nach Abriss des Markts, an dessen Stelle ein Hotel gebaut werden soll, im Jahr 2018 habe die Stadt Zec+ eine andere Halle  auf dem Kasernengelände angeboten. Die Firma habe sich jedoch für eine Halle entschieden, die eine entscheidende Rolle für die „Gärten von Saarburg“ spiele. Diese Halle hat Zec+ von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gemietet. Inzwischen gehört die Halle aber der Stadt. 

Der Bürgermeister verweist darauf, dass das Unternehmen auch schon weitere Grundstücke im Gewerbegebiet Irscher Straße reserviert habe. Auch dabei unterstütze die Stadt die Firma. „Wir brauchen eine Aussage, wie sich die Firma ihre Zukunft in Saarburg vorstellt“, sagt Dixius. „Das Projekt Gärten von Saarburg können wir aber nicht in Frage stellen.“ Deshalb sei die derzeit genutzte Halle keine dauerhafte Option.

Das Thema wird am Donnerstag, 23. Juli, im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung besprochen. Nichtöffentlich ist die Diskussion über die Zec+-Halle  wegen des Datenschutzes in Bezug auf ein Mietverhältnis. Im Vorfeld der Sitzung gab es schon ein Gespräch mit Unternehmer Clemens, an dem Bürgermeister Jürgen Dixius, die Fraktionsvorsitzenden sowie die Beigeordneten der Stadt Saarburg teilgenommen haben.