Mehr als nur einen Stein im Brett
Viele hundert Teile umfasst das Relief am Haus von Herwart Halsdorfer. Jeden einzelnen Stein hat er selbst ausgesucht, bearbeitet und in der großen Komposition fixiert. In mehreren Wochen entstand so ein fünf mal zwei Meter großes Puzzle.
Konz-Niedermennig. (kbb) Mit seinem organischen Wechselspiel aus hellen und dunklen Steinen erinnert das Relief an der Fassade an Herwart Halsdorfers Haus flüchtig an Pablo Picassos "Guernica". Dabei gibt sich das aus rund 600 Teilen bestehende Relief aus unzähligen Steinen jeglicher Größen und Strukturen weitaus weniger gegenständlich als Picassos bekanntes Ölgemälde. "Die Komposition ergab sich aus dem Material", sagt der pensionierte und gleichwohl passionierte Kunsterzieher und deutet auf die Mitte des dreiteiligen Reliefs. In immer neuen Zusammenstellungen reihen sich Kiesel, Marmor, Quartz und Speckstein nicht bloß aneinander, sondern erzeugen ein harmonisches Wechselspiel unterschiedlichster Strukturen. Die durch die rechteckige Form und die Konzeptionalisierung als Triptychon bedingte Statik des Reliefs erhält durch diagonal verlaufende Strukturen und mehrere Gruppierungen glatter Kiesel ein dynamisches Moment. "Der Schiefer ist in seiner Natur natürlich ausgesprochen spröde, die Kiesel hingegen haben eine relativ glatte Oberfläche", sagt Halsdorfer, der vor seiner Pensionierung rund 30 Jahre lang Bildende Kunst und Biologie am Trierer Max-Planck-Gymnasium unterrichtete. "Mit der Zeit vermisst man das Unterrichten schon", sagt er. Doch das Interesse an Kunst ist freilich geblieben. Eifeler Lavagestein neben schimmerndem Quartz
Im Februar erst ist das Relief fertig geworden, davor standen von der ersten Skizze bis zum fertigen Objekt mehrere Monate. "Der milde Winter war der Arbeit förderlich, vor allem der relativ warme Februar - denn der Spezialkleber braucht mindestens fünf Grad, um richtig fest zu werden." Bevor die einzelnen Teile auf einer zunächst horizontal liegenden Trägerplatte fixiert wurden, mussten sie bearbeitet werden. "Das ging mit der Flex relativ gut", erklärt Halsdorfer. So hat er auch den Marmor entsprechend bearbeitet, bis dessen unterschiedlich dick geschnittene Teile eine schroffe Kontur entwickelt haben, die an die felsigen Küstenregionen der schottischen Highlands erinnern. "Manche Steine findet man natürlich praktisch vor der Haustür, andere sind dagegen schwer zu bekommen." So stecken auch ein paar Stücke Eifeler Lavagesteins im Bild und bilden einen interessanten Kontrast zum schimmernden Quartz. Das finden auch Nachbarn und Passanten, die das Relief im Vorbeigehen ansehen. "Viele Leute kamen zu mir und haben mir erzählt, wie gut ihnen die Arbeit gefällt", sagt der pensionierte Kunsterzieher, ohne dabei allzu stolz zu wirken. "Das Bild sollte für sich selbst sprechen. Was ich davon halte, spielt für den Betrachter doch eine untergeordnete Rolle."