Mehr Energie aus Wind und Sonne

Bislang drehen sich für die Gemeinde Reinsfeld neun Windräder. In seiner jüngsten Sitzung wollte der Ortsgemeinderat Reinsfeld von Fachleuten wissen, wie die Chancen auf eine bessere Nutzung erneuerbarer Energien stehen. Neue Standorte für Windkraftanlagen und Solarmodule sind im Gespräch.

Reinsfeld. Erneuerbare Energien sind in Reinsfeld so wichtig, dass der Ortsgemeinderat auch schon mal während der Sommerpause tagt. Ortsbürgermeister Rainer Spies und seine Ratskollegen wollten in ihrer zurückliegenden Sitzung von drei Planern wissen, wie die Chancen für neue Windräder und eine Photovoltaikfläche auf dem ehemaligen Standortübungsplatz der Bundeswehrkaserne Hermeskeil stehen, der teilweise auf gemeindeeigenen Flächen liegt. Denn im Vorfeld der Sitzungen der Regionalen Planungsgemeinschaft und des Zweckverbands Konversion, die beide im September tagen, will der Ortsgemeinderat klären, wie viele neue Energiestandorte genehmigungsfähig sind.
Uwe Seher von der Planungsfirma Neue Energietechnik (Net) aus Trier sieht nur für ein neues Windrad eine Genehmigungs chance in der ausgewiesenen Vorrangfläche. Weitere würden zu viel Lärm erzeugen und müssten deshalb nachts abgeschaltet werden. "Möglich ist jedoch, Altanlagen durch neue, größere zu ersetzen", sagte der Planer und empfahl dem Rat, das Genehmigungsverfahren für eine Anlage voranzubringen. Ein Schallschutzgutachten sei bereits in Arbeit. Partner von Net sind die Stadtwerke Trier (SWT), die bereits drei Windräder auf Reinsfelder Gebiet laufen lassen. Ein wesentlich größeres Rad dreht der Windenergieanbieter Juwi aus Wörrstadt. Projektentwickler Axel Straube ist sich sicher: "In Reinsfeld sind acht neue Windräder möglich." Das Konzept kann jedoch erst nach Änderung des Regionalen Raumordnungsplans greifen, denn alle acht Windkraftanlagen (WKA) liegen außerhalb der ausgewiesenen Vorranggebiete - drei im Norden Reinsfelds im Bereich der Autobahn, zwei hart an der Grenze zum bereits ausgewiesenen Gebiet und drei auf dem ehemaligen Standortübungsplatz.
Straube sprach von 143 Meter hohen Anlagen mit 114 Metern Rotordurchmesser, die bis zu 16 000 Vier-Personen-Haushalte versorgen und zusammen bis zu 660 000 Euro pro Jahr an Pacht einbringen könnten.
"Reinsfeld könnte Stromexporteur werden", versprach der Planer und brachte das Bürgerstromkonzept ins Gespräch, an dem jeder Interessierte mit sogenannten Bürgersparbriefen Miteigner eines Windrads werden kann.
"Das ist eine schwierige Abwägung, denn wir wollen ja nicht überall Windräder haben", sagt dazu Hermeskeils VG-Bürgermeister Michael Hülpes. Letztendlich müssen alle Beschlüsse in einen neuen Flächennutzungsplan einfließen.
Zweckverband muss kaufen


Als Beraterteam traten schließlich Axel Haas und Dietmar Müller von der Firma Copcon aus dem bayerischen Fürstenfeldbruck auf. Sie boten an, die gesamte Planung, Verhandlungen mit Anbietern und den Behörden für eine Photovoltaikanlage im Konversionsgebiet Truppenübungsplatz übernehmen zu können, ohne dass diese Dienstleistung die Ortsgemeinde Reinsfeld was kostet, denn die bauausführende Firma übernimmt am Ende auch das Honorar. "Auf 25 Hektar könnte ab Juni 2012 eine Zehn- Megawatt- Anlage stehen", stellte Haas in Aussicht und empfahl Reinsfeld, selbst Betreiber zu werden. Die 16 Millionen Euro schwere Investition könnte komplett finanziert werden. 3,8 Millionen Euro bringe die Anlage nach 20 Jahren unterm Strich an Ertrag. Danach fließe der Strom ohne Zins und Tilgung.
"Mir sind bereits zwölf dieser Modelle vorgestellt worden", warf Michael Hülpes ein. Der Zweckverband Konversion müsse doch zuerst das Gelände beim Bund erwerben und danach könne erst ausgeschrieben werden.
Der Reinsfelder Ortsgemeinderat forderte von Net, SWT und Juwi Vorvertragsentwürfe an, über die im Haupt- und Finanzausschuss weiter beraten wird.
Der Zweckverband will entscheiden, ob er selbst Betreiber der Photovoltaikanlage sein will oder ob das die Gemeinde Reinsfeld übernehmen kann.