Mehr Freude als Frust nach Votum in Mainz

Mehr Freude als Frust nach Votum in Mainz

Ein CDU-Politiker aus Hermeskeil, der nicht traurig über die Abstimmungsniederlage seiner Parteifreunde in Mainz ist. Ein Bürger aus Talling, der darauf setzt, dass Fehler wieder rückgängig gemacht werden können. Und ein Bürgermeister aus Morbach, der nicht mehr den Fokus auf die früher ablehnende Haltung seiner Gemeinde richten will. So breit gefächert ist die Palette der Reaktionen auf das Ja des Landtags zur Einrichtung des Nationalparks.

Thalfang/Morbach/Hermeskeil. Die Entscheidung in Mainz war für niemanden mehr eine Überraschung: Mit den Stimmen der rot-grünen Regierungskoalition und gegen den Widerstand der CDU-Opposition hat der Landtag dem Gesetz zur Einrichtung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald zugestimmt. Dessen Eröffnung an Pfingsten steht somit nichts mehr im Weg.
Der TV hat am Tag nach der Abstimmung in der direkt betroffenen Region Reaktionen gesammelt.
Michael Hülpes ist Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Der CDU-Politiker beantwortet die Frage, ob er die Abstimmungsniederlage seiner Parteifreunde im Landtag bedaure, eindeutig: "Nein, in dieser Sache nicht. Ich bin froh und glücklich, dass das Gesetz verabschiedet wurde." Hülpes war von Anfang an ein klarer Befürworter des Projekts, und dabei bleibt er auch: "Ich bin mir sicher, dass unsere Region durch das Alleinstellungsmerkmal Nationalpark profitieren wird." Neben dem Beitrag zum Naturschutz sieht Hülpes im Nationalpark "ein wichtiges Instrument zur Entwicklung unserer Region". Er setzt darauf, dass das Land die Infrastruktur im Hochwald und Hunsrück besonders fördern wird. Auch dem Vorwurf der Landes-CDU, es habe zu wenig Bürgerbeteiligung gegeben, schließt sich Hülpes nicht an: "Meiner Meinung nach konnte man mehr nicht machen."
Auch sein parteiloser Kollege Marc Hüllenkremer aus Thalfang sieht die mit dem Nationalpark verbundene Regionalentwicklung als besonders wichtig an: "Nun müssen den Worten aber auch Taten folgen. Unsere Region darf nicht nur bis zur Landtagswahl 2016 im Fokus stehen." Klar ist für Hüllenkremer, dass der Nationalpark "auf jeden Fall eine Chance ist. Diese muss man auch ergreifen. Denn wer nichts wagt, der nichts gewinnt." Das Hunsrückhaus am Erbeskopf könne als eines der Nationalpark-Eingangstore eine Aufwertung erfahren. "Wir hoffen, dass wir für diese Einrichtung eine Kooperation mit dem Land hinbekommen", sagt Hüllenkremer.
Die Gemeinde Morbach mit ihren großen Betrieben aus dem Bereich der Holzindustrie gehört nicht direkt zum Nationalparkgebiet. Sie stand dem Projekt bislang ablehnend gegenüber. Morbachs Bürgermeister Andreas Hackethal (CDU) sagt: "Dafür gab es auch gute Gründe. Wir haben jetzt aber die Situation, dass ich sie nicht mehr in den Vordergrund stellen will. Wir müssen den Blick nach vorne richten. Morbach hat jedenfalls kein Interesse daran, eine Regionalentwicklung zu blockieren, sondern will sie mitgestalten."
Matthias Schneider ist Landrat des Kreises Birkenfeld, in dem der Großteil des Parks liegt. Auch er ist CDU-Politiker und bewertet "die Zustimmung des Landtags für unsere Regionalentwicklung als positiv. Mit dem Beschluss haben wir vor allem Projektsicherheit erreicht. Jetzt wird es am Land liegen, die im Nationalparkkonzept angebotene Regionalentwicklung auch mit aller Entschiedenheit mitzutragen. Das Interesse und Engagement an diesem Projekt in der Region ist groß." Nun beginne vor Ort aber erst die Arbeit. Schneider: "Feiern können wir erstmals am Eröffnungstag und dann, wenn sich die ersten Erfolge im Zuge einer zukunftsorientierten Regionalentwicklung ergeben haben." axMeinung

Das Beste daraus machen
Ja, der Nationalpark stößt im Hunsrück nach wie vor teilweise auf Ablehnung. Aber nein, die Landes-CDU ist auf dem Holzweg, wenn sie ihn den Menschen in der Region immer noch madig machen will. Selbst mehrere ihrer Parteifreunde aus der Region wollen da schon lange nicht mehr mitmachen. Und sie haben damit recht! Natürlich ist der Nationalpark kein Heilsbringer, mit dem alles auf einen Schlag gut wird. Er eröffnet einer Region mit vielen Problemen aber immerhin eine Chance, durch eine bevorzugte Bezuschussung von Infrastrukturprojekten und mehr öffentliche Aufmerksamkeit wieder besser auf die Beine zu kommen. Spätestens seit Mittwoch steht fest: Es bringt überhaupt nichts mehr, den Nationalpark zu bekämpfen. Ab sofort sollte sich die Region darauf besinnen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und das Beste aus diesem Projekt zu machen. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Christoph Manz (Talling) ist Vorsitzender des Vereins Ja zur Natur - Nein zum Nationalpark. Er und seine Mitstreiter betonen, dass sie sich weiter kritisch mit dem Projekt auseinandersetzen werden. Aus Sicht des Vereins "verschleiern die Regierungspolitiker die wahren Kosten." Langfristig befürchten die Nationalparkgegner auch eine "Demontage der B 269", weil die Hauptverbindungsstraße zwischen Morbach und Birkenfeld mitten durch den Park verlaufen wird. Trotz des Votums in Mainz gibt sich Manz im TV-Gespräch optimistisch: "Fehler können durch andere politischen Mehrheiten auch wieder rückgängig gemacht werden." Ulla Kolling (Neuhütten) ist Pressesprecherin des Nationalpark-Freundeskreises. Sie freut sich über die Entscheidung des Landtags und spricht von einer "Aufbruchstimmung". Kolling stellt heraus, dass vielen Vorschlägen der Bürger im Nationalparkgesetz Rechnung getragen worden sei. "Es macht uns stolz, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wurde." Außerdem gehe es mit der Bürgerbeteiligung weiter. Kolling hebt auch hervor, dass sich wegen des Nationalparkprojekts ein "regionales Bewusstsein gebildet hat und sich Menschen über Kreisgrenzen hinweg zusammengeschlossen haben". ax

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