Mehr Pendlerparkplätze fürs Trierer Umland - In Hermeskeil wird schon gebaut

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Mehr Parkplätze für Pendler im Trierer Umland - In Hermeskeil wird schon gebaut

Zehntausende Menschen aus Stadt und Kreis fahren fast täglich mit dem Auto zur Arbeitsstelle. Um diesen Verkehr zu reduzieren, setzt der Landesbetrieb Mobilität auf Mitfahrerparkplätze. 19 gibt es aktuell, sechs weitere sind geplant.

Udo Sachse ist Dozent an der Hochschule der Polizei am Flughafen Hahn. Er lebt im Hochwaldort Grimburg. Wenn es seine Dienstzeiten erlauben, bildet er eine Fahrgemeinschaft mit einem Kollegen aus dem Saarland, um zum Arbeitsplatz zu kommen. „Wir treffen uns dann in Hermeskeil und fahren mit einem Auto weiter.“ Das zweite Fahrzeug werde am alten Bahnhof oder auf Langzeit-Parkflächen eines Supermarkts abgestellt. Denn ein größerer Mitfahrerparkplatz direkt an der A1 fehle bislang. „Gäbe es dort einen, würden ihn bestimmt viele nutzen“, meint Sachse. Und genau das ist geplant.

Überblick Mitfahrerplätze Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) baut seit kurzem in Hermeskeil eine neue Anlage mit 50 Stellplätzen an der Anschlussstelle zur Autobahn 1. Sie soll ab April 2020 einsatzbereit sein. Landesweit gibt es etwa 140 Mitfahrerplätze, meist an Knotenpunkten, wo es sinnvoll ist, sich zu Fahrgemeinschaften zusammenzuschließen. Nutzer können dort ganztägig gebührenfrei ihre Autos abstellen.

Der LBM sieht darin ein Mittel, die täglichen Berufspendlerströme in der Region Trier zu verringern. „Die Plätze können grundsätzlich diesen Verkehr bündeln, um Einzelfahrten zu vermindern. Damit werden natürlich Verkehrsbelastungen und Parkplatzbedarf in den Zielorten reduziert“, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Im Kreis Trier-Saarburg gebe es derzeit 19 Anlagen mit Platz für insgesamt 976 Autos (siehe Grafik). Nach aktuellen „Vorüberlegungen“ könnten in naher Zukunft bis zu 220 Stellplätze hinzukommen. Bei Nittel und Pellingen (Verbandsgemeinde (VG) Konz) sind neue Anlagen geplant, in Osburg, Mertesdorf (VG Ruwer) und Wincheringen (VG Saarburg-Kell) sollen vorhandene erweitert werden.

Aktuelle Pendlerzahlen Dem gegenüber stehen Zehntausende Berufspendler aus der Stadt Trier und dem Landkreis. Laut der Trierer Stadtverwaltung pendeln derzeit von rund 55 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Trier etwa 31 000 Menschen von außerhalb dorthin, der Großteil davon täglich. Etwa 18 500 dieser Berufspendler kommen laut Kreisverwaltung aus dem Landkreis. Viel Bewegung herrscht auch in Richtung Luxemburg. Dort haben nach Angaben der Stadt 7700 Pendler aus Trier ihr Ziel, etwa 14 000 aus dem Kreis. Von Trier ins deutsche Umland pendeln 9000 Menschen.

Übersicht über die 19 vorhandenen Mitfahrerparkplätze im Kreis Trier-Saarburg und die geplanten Erweiterungen des Angebots. Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Faktoren für Standorte Dem LBM liegen nach eigener Aussage keine Daten zum Verlauf der Pendlerströme vor. Die Auswahl neuer Standorte für Mitfahrerplätze, heißt es, richte sich nach dem Bedarf vor Ort, der anhand „wild parkender Fahrzeuge“ im Umfeld ermittelt werde. In Hermeskeil zum Beispiel habe man nahe der A1 viele quartierfremde Fahrzeuge in Wohnstraßen und auf Privatflächen (Lidl) registriert. Laut LBM sind die 19 vorhandenen Mitfahrerplätze „nach subjektiver Beobachtung überwiegend gut ausgelastet“. Exakte Zahlen dazu gebe es nicht. Grundsätzlich würden sie an Autobahnanschlüssen besonders gut angenommen. Auch der mögliche Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei ein Effekt, „der gern mitgenommen wird“.

Ein „Bedarfsschwerpunkt“ liege sicher im Grenzraum zu Luxemburg. Wie der TV kürzlich berichtete, gibt es in Oberbillig (VG Konz) Probleme, weil Luxemburg-Pendler, die dort die Fähre nach Wasserbillig nehmen, die Uferstraße zuparken. Der Gemeinderat will dies mit Halteverboten eindämmen (TV vom 28. September). Die Lage entspannen könnten außerdem Pläne der luxemburgischen Bahn. Sie will bis Mitte 2023 ein vierstöckiges Pendlerparkhaus auf dem Bahnhofsvorplatz in Wasserbillig bauen.

Wo Mitfahrerplätze entstehen, hängt laut LBM auch von verfügbaren Flächen ab. Genutzt würden Restflächen der Baulastträger (Bund, Land), aber Kommunen stellten auch aus Eigeninteresse Flächen zur Verfügung. Das ist jedoch auch eine Kostenfrage: Denn wird der Parkplatz über eine Gemeindestraße erschlossen, muss die Gemeinde Bau und Unterhaltung bezahlen. Liegt er an einer Autobahn, zahlt der Bund (im Fall Hermeskeil 350 000 Euro). Laut LBM können Kreis und Gemeinden Zuschüsse erhalten.

Entlastungseffekte Die Stadt Trier und der Landkreis begrüßen die Pläne für weitere Pendlerparkplätze. Konkrete Effekte benennen oder einschätzen, wo weiterer Bedarf wäre, können beide Verwaltungen jedoch nicht. Die Kreisverwaltung sagt, vorhandene Anlagen würden rege genutzt, was den Pendlerverkehr entlaste. Um wie viel, sei nicht feststellbar.

Baumaschinen und Bagger sind in Hermeskeil an der A1-Anschlussstelle zu Gange. Dort entsteht ein neuer Mitfahrerparkplatz mit 50 Stellplätzen. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Die Stadt Trier spricht von einem „positiven Beitrag zur Verkehrsreduzierung“. Genaue Auswirkungen aufs städtische Straßennetz oder Parkplatzangebot seien aber ohne eine Befragung der Nutzer nicht zu ermitteln. Schließlich würden viele Plätze von verschiedenen Pendlerströmen genutzt – der größte in Sirzenich zum Beispiel von Pendlern nach Trier, Bitburg und Luxemburg.

Sinnvoll seien Parkplätze generell an allen Haupteinfahrtsstraßen: Das sind im Norden die A 602, B 53 und Loebstraße, im Westen die B 51 (Bitburg) und B 49 (Luxemburg/Sauertal), im Süden und Osten die B 51 (Konz), B 268 (Pellingen) und Kohlenstraße. Um ihren Verkehr zu reduzieren, verfolgt die Stadt viele weitere Strategien – von neuen Buslinien nach Trier, über die Reaktivierung der Bahn-Weststrecke und den Ausbau des Regionalbahnkonzepts bis zur Einrichtung einer Pendlerradroute zwischen Schweich, Trier und Konz.

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