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Mehr Unfälle, weniger Verletzte

 Eine der besonders gefährlichen Strecken im Hochwald ist die B 407 zwischen Zerf und Hermeskeil. Auf der von Wald umgebenen Strecke kam es 2016 erneut zu zahlreichen Kollisionen mit Wild. TV-Foto: Christa Weber
Eine der besonders gefährlichen Strecken im Hochwald ist die B 407 zwischen Zerf und Hermeskeil. Auf der von Wald umgebenen Strecke kam es 2016 erneut zu zahlreichen Kollisionen mit Wild. TV-Foto: Christa Weber FOTO: (h_hochw )
Hermeskeil/Kell am See. Auf den Straßen im Hochwald hat die Polizei 2016 mehr Unfälle als im Vorjahr verzeichnet. Die Inspektion in Saarburg spricht sogar von einem Zehn-Jahres-Rekord. Wild ist nach wie vor eine Gefahr. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Christa Weber

Hermeskeil/Kell am See Wie sicher fährt es sich im Hochwald? Wo passieren die meisten Unfälle und warum? Und wie kann man die Ursachen bekämpfen? Antworten darauf liefern die jährlichen Unfallstatistiken der Polizeiinspektionen (PI), die gestern landesweit veröffentlicht wurden. Im Hochwald zeigen die Zahlen für 2016 bekannte Schwachpunkte, aber auch kleine positive Entwicklungen.

Zahl der Unfälle Im Vergleich zum Vorjahr hat es auf den Straßen häufiger gekracht. 860 Unfälle gab es im Gebiet der PI Hermeskeil, das auch Teile der Verbandsgemeinden (VG) Ruwer, Kell und Thalfang umfasst. Das ist ein leichter Anstieg um ein Prozent. Für den westlichen Teil der VG Kell ist die PI Saarburg zuständig. Die verzeichnet in ihrem Bereich ein "Zehn-Jahres-Hoch". 1676 mal krachte es dort, 61 mal häufiger als 2015.

Die Folgen Trotz gestiegener Unfallzahlen wurden weniger Menschen ernsthaft verletzt. Laut der PI Hermeskeil mussten bei 16 Unfällen Betroffene im Krankenhaus versorgt werden. Die Zahl der Schwerverletzten sank von 32 auf 18. "Gott sei Dank hatten wir diesmal auch keinen Unfall mit tödlichen Folgen", freut sich PI-Leiter Michael Wahlen. 2015 starben im Hochwald fünf Menschen. Auch die PI Saarburg verzeichnet keine Toten und 49 Verletzte weniger als 2015 - ein "Tiefstwert im Zehn-Jahres-Vergleich".

Die Ursachen: Wer abgelenkt ist, zu schnell fährt und dabei nicht genug Abstand hält, der riskiert, dass etwas passiert. Das zeigt sich auch 2016 bei den Haupt-Unfallursachen. In der landesweiten Statistik steht Rasen ganz oben auf der Liste - und bleibt auch im Hochwald ein Problem. Im Bereich der PI Saarburg steht allerdings mit 20 Prozent der Sicherheitsabstand an der Spitze der Ursachen, in Hermeskeil sind es Fehler beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren (16 Prozent). Ein Thema, dem die Hermeskeiler Beamten immer mehr Aufmerksamkeit widmen, ist das Telefonieren am Steuer. "Wir hatten zwar keinen Unfall, der auf Handynutzung zurückzuführen ist", sagt Michael Wahlen. "Aber wir stellen schon fest, dass besonders Jüngere beim Fahren zum Handy greifen." Kontrolliert werde vor allem innerorts, weil sich dort eher nachweisen lasse, dass keine Freisprech-Einrichtung benutzt wurde. "Auf hohem Niveau" blieben weiterhin die Geschwindigkeits-, Alkohol- und Drogenkontrollen, sagt Wahlen.

Risikofaktor Wild Ein Reh taucht plötzlich auf der Fahrbahn auf - damit muss man im Hochwald rechnen. 422 Zusammenstöße mit Wild wurden rund um Hermeskeil registriert - 33 mehr als 2015. Die PI Saarburg hatte im Vorjahr von einer Rekordzahl gesprochen. Sie stieg 2016 erneut - von 562 auf 583. Die Unfälle passierten nicht nur abends und am frühen Morgen, sagt Wahlen. Autofahrer müssten "zu jeder Tageszeit" wachsam sein und bei Warnschildern für Wildwechsel "an die Sichtweite angepasst" fahren. Besonders achtgeben heißt es auf der Hunsrückhöhenstraße (B 407/B 327) zwischen Mandern und Malborn. Dort gab es allein 115 Wildunfälle.
Kinder Laut dem Landestrend hat die Zahl der Unfälle mit Kindern zugenommen. Die Hermeskeiler Beamten zählten 2016 sechs solche Vorfälle. Bei den Saarburgern ging die Zahl von 18 auf 12 zurück, allerdings kamen 14 Kinder zu Schaden. Verkehrssicherheitsberater Stephan Wagner empfielt daher, auf "den passenden Kindersitz" zu achten. Auf dem Schulweg sei "reflektierende Bekleidung kein Luxus für die Kinder".

Junge Fahrer/Senioren Fahranfänger und Fahrer, die älter als 65 Jahre sind, gelten als Risikogruppen. Im Gebiet der PI Hermeskeil waren 18- bis 24-Jährige an 153 Unfällen beteiligt. Das sind fast 20 Prozent aller Unfälle. "Über unsere Präventionsarbeit bleiben wir bei den jungen Leuten am Ball", sagt Wahlen. "Die Schulen machen gut mit und laden uns zu Veranstaltungen ein." Die Zahl der Unfälle mit Senioren ging leicht zurück (von 108 auf 105). Im Bereich der PI Saarburg stieg sowohl bei den jungen als auch bei den älteren Fahrern die Zahl der Vorfälle, an denen ihre Altersgruppe beteiligt war.