Mehr Wir-Gefühl und besseres Marketing: Lena Weber will Stadtchefin in Hermeskeil werden

Kommunalwahl : Mehr Wir-Gefühl und besseres Marketing: Lena Weber will Stadtchefin in Hermeskeil werden

Lena Weber (28) möchte Stadtbürgermeisterin in Hermeskeil werden. Dem TV hat die SPD-Kandidatin erzählt, was sie motiviert, welche Aufgaben sie anpacken will und was sie an der Arbeit im Stadtrat gern ändern würde.

Als „waschechte“ Hermeskeilerin, der die Stadt „sehr am Herzen liegt“ – so beschreibt Lena Weber sich selbst. Mit ihren 28 Jahren ist sie wohl eine der bislang jüngsten Bewerberinnen für das Ehrenamt an der Spitze der Stadt Hermeskeil. Dennoch ist sie politisch kein unbeschriebenes Blatt. Seit 2014 sitzt Weber für die SPD im Stadtrat, ist seit drei Jahren Vorsitzende des Ortsvereins und Mitglied im Kreisvorstand Trier-Saarburg. Nun will sie Stadtchefin in Hermeskeil werden: „Ich wollte im Rat sowieso weitermachen. Als Stadtbürgermeisterin kann ich noch viel mehr für Hermeskeil herausholen.“

Bislang vermarkte die Hochwald­stadt ihre Stärken und Potenziale so gut wie gar nicht, stellt Weber fest. Hier wolle sie ansetzen. „Wir brauchen eine umfassende Marketingstrategie, um zu zeigen, was Hermeskeil zu bieten hat.“ Sie sei jetzt genau in dem Alter, „wo man sich fragt, ob man hier eine Existenz aufbauen und Wurzeln schlagen will“. Das Ziel müsse sein, die Argumente dafür zu bündeln und für alle Zielgruppen abrufbar zu machen – für Neubürger und Familien, für ansiedlungswillige Betriebe und Touristen. Zurzeit gebe es zwar vereinzelte Initiativen: „Aber gebündelt unter dem Label der Stadt hätte das mehr Strahlkraft.“

Die Infrastruktur und Verkehrsanbindung Hermeskeils müsse man anderswo suchen, sagt Weber. Allerdings habe die Stadt weder Internetseite noch Facebook-Auftritt, um ihre Vorteile gezielt zu bewerben. „Dafür wird es höchste Zeit.“

Chancen aufgreifen, die zuletzt zu oft verpasst wurden – darin sieht die Hermeskeilerin die größte Motivation, um sich an vorderster Front für ihre Heimatstadt einzusetzen. Ein „Knackpunkt“ für ihre Entscheidung sei gewesen, als 2018 der von einer privaten Stiftung geplante Bau eines Aussichtsturms am Widerstand von Teilen des Stadtrats und des Stadtvorstands scheiterte: „Das hat mich unglaublich enttäuscht.“

In ihrer Kandidatur bestärkt habe sie dagegen eine andere Erfahrung: Anfang September 2018 organisierte sie mit einem lokalen Bündnis ein Friedensfest im Stadtpark als Reaktion auf eine Veranstaltung der AfD. 350 Bürger beteiligten sich. „Da habe ich gesehen, dass ich es schaffe, innerhalb kurzer Zeit viele Menschen für eine gute Sache zusammenzubringen“, sagt die 28-Jährige. An dem Tag habe sie ein „Wir-Gefühl“ bei den Hermeskeilern gespürt, das sie gern zurückbringen wolle.

Die Lokalpolitikerin, seit neun Jahren in der SPD, engagiert sich auch im Kultur- und Vereinsleben. Sie spielt drei Instrumente – Trompete, Flügel- und Waldhorn – unter anderem bei der Stadtkapelle Hermeskeil und den Buchwald-Musikanten, ist Mitglied im Karnevalsverein Ruck-Zuck, hilft bei der Organisation der Ferienspaß-Aktion in der Verbandsgemeinde (VG). Weber arbeitet mit im Beirat, der das Stadtfest-Programm auf die Beine stellt. Und sie gehört zum Team, das ehrenamtlich Berichte für die Heimatzeitung „Rund um Hermeskeil“ schreibt.

Sie sei gut vernetzt, sagt Weber. Einzelkämpferin – das sei nicht ihr Stil. Als Stadtchefin wolle sie die Zusammenarbeit mit der VG-Verwaltung intensivieren. „Da sitzen die Fachleute, die wir mit an den Tisch nehmen müssen.“ Die Hermeskeilerin weiß um die Herausforderungen des Bürgermeisteramts in einer 6000-Einwohner-Stadt, sieht sich aber gut gerüstet: „In der Partei stehen mir erfahrene Leute zur Seite. Und ich bin mir nicht zu schade, um Rat zu fragen.“

Die Rückendeckung der Genossen zeigt sich an den vorderen Plätzen, die Lena Weber auf den Wahllisten für den Verbandsgemeinderat Hermeskeil und den Kreistag Trier-Saarburg belegt. Die Liste für den Hermeskeiler Stadtrat führt sie an. Werde sie gewählt, sagt sie, wolle sie an der Arbeitsweise in den Gremien unbedingt etwas ändern: „Das ist alles sehr starr. Einer redet, die anderen stimmen ab.“

Sie vermisse ein projektorientiertes Arbeiten, wie sie es von ihrem Job beim Zeitungsverlag her kenne (siehe Zur Person). Ab und an müsse man festgefahrene Strukturen aufbrechen, sagt sie: „Alle im Rat haben ein Ziel, für das sie sich einsetzen wollen. Warum fragt man nicht mal danach, sammelt die Ideen und schaut, was man gemeinsam umsetzen kann“, beschreibt Weber ihre Vision für mehr fraktionsübergreifende Zusammenarbeit.

Auch den Kontakt zum Bürger möchte sie erleichtern. Ihr schwebe eine Art Ticketsystem vor, über das die Bürger kurze Eingaben machen und beispielsweise auf akute Probleme hinweisen könnten.

Webers Konkurrent bei der Kommunalwahl am 26. Mai ist CDU-Kandidat Willi Auler (68), zurzeit erster Beigeordneter der Stadt, mit dem sie im Stadtfest-Beirat seit Jahren zusammenarbeitet. Dazu sagt die 28-Jährige: „Die Hermeskeiler haben die Wahl zwischen zwei Menschen, die sich für die Stadt einsetzen. Mein Vorteil ist, dass ich wohl länger am Ball bleiben kann.“