Mehrheit spricht sich gegen Friedwald aus

KONZ-FILZEN. Mit einem Fried- oder Ruhewald in der direkten Nachbarschaft leben – das ist für die Mehrheit der Filzener unvorstellbar. So votierten nach einer teilweise emotionalen Diskussion deutlich mehr als zwei Drittel von rund 70 Einwohnern bei einer Bürgerversammlung gegen das Einrichten dieses alternativen Bestattungsmodells. Damit ist das Thema in Filzen endgültig gestorben.

"Ich sehe, wir haben interessante Themen ausgesucht", sagte Ortsvorsteherin Angela Schneider beim Blick in den vollen Saal des Filzener Casinos. Dort hatten rund 70 der 450 Einwohner Platz genommen, um mit den Vertretern des Ortsbeirats, Revierförster Martin Bee sowie Bürgermeister Winfried Manns über zwei Themen zu diskutieren: das Einrichten eines Friedwalds sowie eines Wohnmobilstellplatzes (siehe unten).Fragen brennen Bürgern unter den Nägeln

Mit Fotos von Friedwäldern in Hümmel (in der Eifel) und dem saarländischen Britten schilderte Schneider, wie eine Beisetzung dort funktioniert: Ein Friedwald ist ein naturbelassenes Waldstück, in dem Menschen ihre Asche in einer biologisch abbaubaren Urne an Baumwurzeln beisetzen lassen. Mit einer Plakette am Baum wird die Grabstätte kenntlich gemacht. Für das Einrichten eines solchen Walds sei ein etwa zehn Hektar großer Teil des Filzer Walds - bei Zustimmung der Einwohner - vorgesehen, schilderte sie. Verwaltet werden könne er über zwei Anbieter oder über die Stadt Konz. Immer wieder schnellten Hände in den Reihen der Bürger hoch. Die Fragen brannten ihnen unter den Nägeln. Beispielsweise: "Was haben wir davon?" Manns erklärte: "Das ist nicht die Grundsatzfrage, mit der man sich dem Thema nähert." Die Versammlung sei einberufen worden, um herauszufinden, "ob die Leute grundsätzlich mit der Idee leben könnten". Erst dann könne man Details planen. Mit dem "Ja" oder "Nein" der Einwohner stehe oder Falle die Entscheidung. "Ich will keine Situation schaffen, in der sich die Leute nicht wohl fühlen", sagte Manns. Mehr Verkehr, weniger Ruhe

Bedenken äußerte ein Mitglied des Ortsbeirats: Zum einen halte er den Wald für zu klein, zum anderen sorge er sich um den Ruf der Weinlagen im Umfeld des möglichen Friedwalds. Auch die Position der katholischen Kirche zu dieser Bestattungsform regte eine Diskussion an, bei der ein Stimmengewirr den Saal füllte. Die Fragen, wer sich dort aus welchem "Einzugsgebiet" bestatten lassen dürfe und mit wie vielen Bestattungen pro Jahr zu rechnen sei, wurden zudem an- und in einigen Fällen auch aufgeregt debattiert. Es zeigte sich, dass einige Einwohner nicht wünschten, dass dort Fremde beerdigt würden. Diese Punkte könne man gegebenenfalls in der Friedhofssatzung festlegen, erklärte Manns. Zahlreiche Bürger äußerten Bedenken, dass der Verkehr im Ort durch einen Friedwald stark zunehmen und dass die Ruhe im Wald erheblich gestört werden könnte. Auch die Sorge, dass ein regelrechter Bus-Tourismus losbrechen könnte, wurde geäußert. Zudem machte sich ein Einwohner auch aus moralischer Sicht Luft: "Man verbuddelt Katzen unterm Baum, aber doch keine Menschen!" Ein anderer Mann erklärte: "Ich bin dagegen, ich halte es für pietätlos, ich will es nicht in Kanzem und auch nicht in Saarburg." Für seine Aussage erntete er viel Applaus. Doch auch einige Befürworter meldeten sich zu Wort, die das Konzept und die Idee begrüßten. Die abschließende Abstimmung zeigte allerdings, dass sie in der Minderheit waren: 15 Bürger votierten per Handzeichen für, der Rest gegen einen Friedwald. Damit ist das Thema in Filzen nun ad acta gelegt.