Melodien und Moneten

Die Gema-Gebühren für Veranstalter von Festen und Konzerten sollen ab April nächsten Jahres geringer und überschaubarer werden. Für professionelle Veranstalter dagegen wird es deutlich teurer. Während einige Feste unter anderem wegen der Gema-Gebühren bereits ausgefallen sind, freuen sich andere Vereine über geringere Ausgaben.

Hermeskeil/Kell. Wenn die Rede auf die Gema kommt, verfinstern sich meist die Mienen von Vereinsvorsitzenden oder Ortsbürgermeistern. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte fordert Geld für die Aufführungsrechte der Werke von Komponisten oder Textdichtern und ist deswegen nicht besonders beliebt. Den Vorgaben der Gema zu entsprechen, kostet nicht nur Geld. Es macht auch viel Arbeit.
Gebühren als Todesstoß


Der Musikverein Ayl etwa spielte bei der Kirmes. Für ihn ist es bereits in diesem Jahr überraschend günstiger geworden, weil mehrere Sonntagsauftritte pauschal als Einzelauftritt gewertet wurden. Vorstandsmitglied Erwin Schons bearbeitet die Gema-Anmeldung für den Verein.
"Die Rechnung war mit 213 statt 250 Euro diesmal erstmals günstiger als in früheren Jahren." Aber der Auftritt war mit viel Bürokratie verbunden. Seit 2004 ein Kontrolleur bei der Ayler Kirmes aufgetaucht sei, müsse die Liste mit Komponisten und Arrangeuren noch penibler ausgefüllt werden. "Wird eine Musikveranstaltung nicht angemeldet, kann die Gema den Umsatz schätzen und den errechneten Betrag einfach verdoppeln", warnt Schons.
Das Saarweinfest im Konzer Tälchen dagegen hat es erwischt, ebenso die Reihe Kultur pur in Reinsfeld. Sie finden nicht mehr statt. Sowohl Matthias Rausch vom Verein der Tälchen-Winzer als auch der Reinsfelder Ortsbürgermeister Rainer Spies machen für den Mehraufwand die Gema-Gebühren verantwortlich. Spies sagt: "Der Zuhörerzuspruch hat nachgelassen, die Künstler sind teuer. Die Gema-Gebühren haben der Reihe dann den Todesstoß gegeben."
"Die Reserven sind aufgebraucht", sagt Rausch. "Das kostet nicht nur Geld, sondern beschert auch immer einen enormen Arbeitsaufwand", beklagt Spies, der in Reinsfeld auf zwei Orchester und sechs Chöre stolz ist. Gemeint sind auch dort die Listen der gespielten Musikstücke, die penibel geführt und eingereicht werden müssen - sogar die Reihenfolge der gespielten Musiktitel müsse stimmen.
Erwin Berens vom Kreismusikverband freut sich über sinkende Gebühren für Vereine: "Wir haben bei unseren 38 Platzkonzerten zum Verbandsjubiläum in Trier jeweils 36 Euro gezahlt." Ein normales Abendkonzert koste 50 bis 80 Euro Gebühr.
Das Tarif-Dickicht moniert Norbert Willems von der Keller Gemeindeverwaltung, der den örtlichen Kirmesveranstaltern die Arbeit abnimmt: "Da gibt es so viele Fakten zu beachten, bis der Preis gefunden ist."
Der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: "Ehrenamtliches Engagement in der Kultur darf nicht an Gema-Gebühren und Hallenmieten scheitern." Jeder Verein investiere in die Jugend. Das koste viel Geld.
"Was eine öffentliche Aufführung ist, wird im Urheberrecht geregelt", sagt Gema-Sprecher Martin Dirnberger. Ganz allgemein gelte das etwa für ein Volksfest, zu dem jeder Zugang hat und bei dem Musik erklingt, egal ob mit Stimme, Instrument oder von einem CD-Spieler.
Zuständig für Veranstaltungen im Kreis Trier-Saarburg ist die Gema-Bezirksdirektion in Wiesbaden, erreichbar unter Telefon 0611/79050.
Extra

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) wurde am 28. September 1933 gegründet. Sie verwaltet als staatlich anerkannte Treuhänderin nach eigenen Angaben die Rechte von mehr als 64 000 Mitgliedern sowie über zwei Millionen ausländischer Berechtigter. Die Gema macht selbst keine Gewinne, sondern schüttet Einnahmen nach Abzug von Verwaltungskosten an die Rechte-Inhaber aus. Neben der Gema gibt es viele weitere Verwertungsgesellschaften, welche etwa Rechte von Journalisten, Buchautoren oder bildenden Künstlern wahrnehmen. redExtra

Der Veranstalter eines Sommerfestes mit 300 Quadratmetern Fläche und drei Euro Eintritt zahlt künftig 90 statt 192,80 Euro. Selbst bei 700 Quadratmetern und sieben Euro Eintritt fallen nur 490 statt 668,90 Euro an. Eine Gala-Veranstaltung mit Live-Musik in einem 1500 Quadratmeter großen Ballsaal kostete bislang bei 60 Euro Eintritt 1470,70 Euro. Ab April 2013 werden es 9000 Euro sein, errechnet aus dem geschätzten Umsatz des Eintrittsgeldes von 90 000 Euro. Weitere Infos unter www.gema.de und www.lmv-rlp.de/ Service/ Download/Gema doth