"Menschen wollen Äpfel aus der Region"

Merzkirchen-Rommelfangen · Gemeinsam mit seiner Frau Kornelia produziert Stefan Samson aus Merzkirchen-Rommelfangen Tafeläpfel und vermarktet sie regional. Erst vor wenigen Jahren begann das Ehepaar damit, vollberuflich Obst anzubauen, weil die Nachfrage nach regionalen Äpfeln immer größer wurde.

Merzkirchen-Rommelfangen. Rechts entlang des buckligen Sträßchens nach Merzkirchen-Rommelfangen unterbrechen riesige weiße Rechtecke den grün-braunen Flickenteppich aus Wiesen und Feldern. Es sind Hagelnetze, unter denen Apfelbäume wachsen - zu Hunderten, in langen Reihen.
Die Bäume gehören den Obstbauern Stefan und Kornelia Samson aus Merzkirchen-Rommelfangen, insgesamt besitzen sie rund 16 000 Stück. Bei dieser Größenordnung wäre ein Ernteausfall wegen eines Unwetters eine Katastrophe. Deshalb baute das Ehepaar vor drei Jahren die Hagelnetze auf, nachdem ein heftiger Sturm beinahe die gesamte Ernte zerstört hätte. "Seitdem schlafen wir etwas ruhiger", sagt Kornelia (47).
Als Landwirt könne man sich dennoch nie ganz gegen schlechtes Wetter absichern, sagt ihr Mann. Ein Frost während der Apfelblüte reiche schon aus, um einen ganzen Jahrgang zu zerstören. Im vergangenen Mai war es fast so weit: Während vielerorts nachts die Blüten erfroren, blieb das Thermometer in Merzkirchen-Rommelfangen bei genau einem Grad über Null stehen, das war großes Glück. "So ist das eben, wenn man von der Natur lebt", sagt Stefan Samson (44) und zuckt mit den Schultern.
Samsons Betrieb besteht bereits in der vierten Generationen, allerdings war es früher ein Milchbetrieb mit Kühen, einigen Schweinen und einer Brennerei. Als die Preise für Milch und Schweinefleisch immer weiter verfielen, lohnte sich die Landwirtschaft irgendwann nicht mehr. Vor zehn Jahren wurden die Kühe abgeschafft, nur ein paar Schweine blieben für den Nebenerwerb. Stefan und Kornelia begannen, auswärts zu arbeiten.
Probieren und beraten lassen


Doch die Brennerei lief gut, und immer mehr Kunden fragten nach Tafeläpfeln. "So haben wir nach und nach Bäume gesetzt, bis wir uns schließlich ganz auf die Brennerei und den Obstbetrieb spezialisiert haben", erzählt Stefan.
Seit ein paar Jahren lebt das Ehepaar wieder von der Landwirtschaft. Neben Brennereiprodukten, Viez und Apfelsaft, produzieren sie vor allem Tafeläpfel wie Gala, Elstar oder Braeburn - in guten Jahren pflücken sie über 200 Tonnen Äpfel.
Diese Menge wird schon längst nicht mehr nur auf dem Hof verkauft, sondern landet größtenteils in den Regalen nahegelegener Supermarktfilialen auf beiden Seiten der Mosel. "Der Obstmarkt läuft gut", sagt Stefan Samson, "besonders in Luxemburg hat sich in den letzten Jahren immer stärker die Einstellung durchgesetzt, bevorzugt regionale Produkte zu kaufen." Auch in Deutschland sei dieser Trend spürbar. "Warum soll man auch Äpfel aus Australien importieren, wenn sie direkt vor der Haustür wachsen?", meint Stefan Samson. Schließlich sei regional angebautes Obst viel frischer und umweltfreundlicher. Persönlicher sei es auch, findet seine Frau: "Wer bei uns auf dem Hof kauft, kann die verschiedenen Sorten hier gleich einmal probieren und wird von uns beraten. Das ist etwas ganz anderes als im Supermarkt."
Extra

In der Region Trier gibt es etwa 80 Betriebe, die Tafelobst anbauen, vorwiegend Äpfel, danach Zwetschgen, Kirschen und Birnen. Weil es häufig keinen Nachfolger gibt, ist die Anzahl der Obstbetriebe seit Jahren rückläufig, allerdings sind die verbliebenen Betriebe heute in der Regel deutlich größer als früher. Der Anbau und die Vermarktung von Tafelobst ab Hof und über mobile Verkaufsstände erlebt seit rund 20 Jahren einen deutlichen Aufschwung in der Region Trier. Immer mehr Kunden auf deutscher und luxemburgischer Seite der Mosel schätzen die Vorteile von heimischem Obst, welches qualitativ hochwertig ist und aufgrund der kurzen Transportwege baumreif geerntet und verkauft werden kann. Der regionale Obstbau hat sich für viele Betriebe zu einer neuen Perspektive und Einkommensquelle entwickelt. beke