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Merkel will Hinzert-Pölert regieren

Merkel will Hinzert-Pölert regieren

Nach langer Suche hat sich ein Kandidat für das Amt des Ortsbürgermeisters in Hinzert-Pölert gefunden. Der 44-jährige Altenpfleger Jürgen Merkel, der bisher noch keine politischen Erfahrungen gesammelt hat, wird sich am Dienstag, 24. Januar, der Wahl durch den Gemeinderat stellen. Er würde dann die Nachfolge von Markus Schmitt antreten, der im August 2010 zurückgetreten war.

Hinzert-Pölert. "Ich habe die Sache die ganze Zeit aus der Distanz verfolgt und immer gedacht, dass es bei 300 Leuten im Dorf doch jemanden geben muss, der das Amt übernehmen will. Doch es hat sich nichts getan und deshalb habe ich selbst die Initiative ergriffen." Das sagt Jürgen Merkel, der am 24. Januar neuer Ortsbürgermeister von Hinzert-Pölert werden will.
Machtvakuum seit 2010


Im Doppelort herrscht seit August 2010 ein Machtvakuum. Damals hatte Markus Schmitt seinen Rücktritt als Gemeindechef erklärt, weil er aus beruflichen Gründen in den Raum Koblenz umzog. Zwar sollten die Einwohner am 4. Dezember per Urwahl darüber entscheiden, wer ihm nachfolgt. Doch daraus wurde nichts. Es fand sich bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist kein Anwärter für den Posten. Auch alle sechs Ratsmitglieder hatten darauf verzichtet. So hat die erste Beigeordnete Mathilde Müller übergangsweise die Geschäfte im Doppelort regeln müssen. Während ihres Urlaubs kam diese Aufgabe vier Wochen lang sogar dem Hermeskeiler Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) zu.
"Ich finde, das war alles kein Zustand mehr. Es kann doch nicht sein, dass unser Dorf von Hermeskeil aus regiert wird oder man uns irgendwann sogar den Nachbarorten Rascheid und Beu-ren zugeschlagen hätte", betont Merkel.
Das hat den 44-Jährigen dazu bewogen, als Bewerber aus der Bürgerschaft sein Interesse am Amt des Ortsbürgermeisters zu bekunden. Die rheinland-pfälzische Gemeindeordnung sieht diese Möglichkeit ausdrücklich vor. Allerdings muss sich Merkel der Wahl durch den Hinzert-Pölerter Rat stellen. Das soll am Dienstag, 24. Januar, ab 19 Uhr im Bürgerhaus Pölert geschehen.
Zustimmung scheint sicher


Eine Zustimmung scheint sicher zu sein. Es war nicht nur ein Gespräch mit dem Hinzerter Ratsmitglied Lutwin Loch am Rande des Weihnachtsmarkts, das Merkel in seiner Kandidatur bestärkte. Auch die aus Pölert stammende Beigeordnete Müller sagt: "Ich bin froh, dass er sich gemeldet hat." Hülpes betont: "Herr Merkel hat auf mich einen sehr positiven Eindruck gemacht. Ich bin überzeugt, dass er sich der Sache voll annimmt. Ich begrüße es vor allem, dass er eine ortsinterne Lösung gefunden wurde."
Merkel wohnt erst seit vier Jahren im Doppelort - und zwar zunächst in Hinzert, ab 2009 im schmucken Eigenheim in Pölert. "Ich habe immer einen Bauplatz gesucht, auf dem ich meine Pferde direkt am Haus haben kann. Dafür waren hier die Möglichkeiten ideal", sagt der gebürtige Ehranger. Zusammen mit Ehefrau Nicole, mit der er eine neun Monate alte Tochter hat, habe er sich gut eingelebt. Beruflich ist er als Altenpfleger in Luxemburg tätig. Aber: "Das Pendeln ist kein Problem. Wir haben ja hier eine gute Autobahnanbindung."
Es ist aber nicht allein die Tatsache, dass Merkel als Zugezogener Ortsbürgermeister werden will, die seine Kandidatur so bemerkenswert macht. Der 44-Jährige sagt zudem auch klipp und klar: "Ich bin politisch ein kompletter Neuling." Deshalb betont Merkel ausdrücklich, dass er in der Einarbeitungszeit auf enge Zusammenarbeit mit dem Rat setzt. Bewusst nennt er auch keine großen Projekte und Visionen, die er sich - sofern er am 24. Januar gewählt wird - für seine bis Sommer 2014 dauernde Amtszeit vorgenommen hat. "Es geht vor allem darum, wieder Normalität in den Ort reinzubekommen und den Betrieb aufrechtzuerhalten."
Merkel sieht aber auch Vorteile darin, dass er kein Einheimischer ist und keine politische Erfahrung hat. "Ich gehe total unbelastet an diese Aufgabe heran und weiß, dass es nicht einfach wird. Ich traue sie mir aber zu", sagt der Bürgermeister-Bewerber.
Meinung

Sehr mutiger Schritt
Großer Respekt, Herr Merkel! Da steckt Hinzert-Pölert in einer tiefen Führungskrise, weil keiner der alteingesessenen Einwohner oder der etablierten Ratsmitglieder willens ist, den Dorfhäuptling zu spielen. Und dann ist es ausgerechnet ein politischer Nobody, der noch nicht lange im Ort wohnt, der Verantwortung übernehmen will und sagt: "Ich mach es." Das kann man nur als sehr mutigen Schritt bezeichnen. Denn eins ist klar: Gerade in Hinzert-Pölert ist die Herausforderung für einen Gemeindechef besonders groß. Denn der 1969 durch Zwangsfusion entstandene Doppelort ist nach wie vor nicht zusammengewachsen. Die Hinzerter und Pölerter leben weniger miteinander sondern eher nebeneinander her. Das hatte bisher stets zur Folge, dass ein Hinzerter Gemeindechef in Pölert einen schweren Stand hatte und umgekehrt ein Pölerter Bürgermeister in Hinzert mit Akzeptanzproblemen kämpfen müsste. Zumindest mit diesen überlieferten Vorurteilen kann der zugezogene Merkel nicht gebrandmarkt werden. Es bleibt zu hoffen, dass ihm die Bürger in beiden Ortsteilen eine Chance geben. a.munsteiner@volksfreund.de