Messerstecher hat sich provoziert gefühlt

Messerstecher hat sich provoziert gefühlt

Vor dem Trierer Landgericht wurde gestern der Prozess gegen einen 25-Jährigen Konzer, der am Rosenmontag in Greimerath einem 19-Jährigen ein Messer in den Rücken gestoßen haben soll, fortgesetzt.

Warum hat Michael F. am Rosenmontag einen 19-Jährigen vor der Grimoldhalle in Greimerath niedergestochen? Obwohl der 25-Jährige aus Konz bereits am ersten Verhandlungstag ein Geständnis abgelegt hat, muss das Gericht herausfinden, was letztlich zu der Attacke mit einem Küchenmesser geführt hat. Der heute 20-Jährige ist durch den Stich in den Rücken schwer verletzt worden.

Klarheit, warum es zu der blutigen Auseinandersetzung nach dem Rosenmontagszug in Greimerath gekommen ist, hat der zweite Verhandlungstag auch nicht gebracht. F., der zu dieser Zeit mit einer jungen Frau aus Greimerath zusammen gewesen war, hat ausgesagt, dass der Ex-Freund seiner Freundin diese beleidigt habe. Außerdem habe er sich durch die Clique des Ex-Freunds, zu der auch das Opfer gehört, provoziert gefühlt. Man habe ihm zu verstehen gegeben, dass er als Nicht-Greimerather ohnehin Außenseiter sei und einen schweren Stand habe. Die Vorsitzende Richterin der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts, Petra Schmitz, fragt daher immer wieder Zeugen, ob es Zugezogene in dem Hochwaldort mit seinen rund 1000 Einwohnern, schwer hätten, in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden.

Doch offensichtlich hat F. nicht unbedingt dazu beigetragen, sich beliebt zu machen. Zwei Tage vor der Tat in Greimerath soll er dem Ex-Freund seiner Freundin bei einer Fastnachtsveranstaltung in Zerf gedroht haben, er wolle ihm "die Kehle aufschneiden". Angeblich soll F. da schon ein Messer dabei gehabt haben. Am Rosenmontag ist der Konflikt dann eskaliert. F. soll die Freundin des späteren Opfers beleidigt haben, worauf dieser F. ein volles Glas ins Gesicht geschüttet haben soll. Es kommt zu Rangeleien, F. wird von den Veranstaltern der Karnevalsparty aus der Halle geworfen und vom Platz verwiesen. Kurze Zeit später kommt es dann zu der Messerattacke auf den 19-Jährigen, mit dem sich F. zuvor bereits gestritten hatte. Bei der Polizei hat der unter anderem wegen Diebstahls und Drogen vorbestrafte F. dann später angegeben, er habe sich nur wehren wollen, weil er von mehreren angegangen worden sei. Nach seiner Festnahme habe der stark Angetrunkene gesagt, er werde wieder nach Greimerath fahren, weil er "noch Dinge zu regeln habe". F. droht neben der Haft wegen versuchten Totschlags auch eine Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Der psychiatrische Sachverständige bescheinigt dem 25-Jährigen, der bereits mit zehn Jahren den ersten Vollrausch gehabt hat, eine Persönlichkeitsstörung und Abhängigkeit von Alkohol und illegalen Drogen. Obwohl F. während der Tat stark angetrunken war und unter Drogen gestanden hat, hält ihn der Sachverständige für voll schuldfähig. Das Urteil soll am Freitag fallen.