Metalldiebe schneiden Lücke in Bahnstrecke
Hinzert-Pölert · Neue Eskalationsstufe bei der Gefährdung von Bahnstrecken: Statt wie zuletzt an Oberleitungen haben sich Metalldiebe diesmal am Gleis selbst vergriffen. Im Verlauf der stillgelegten Hochwaldbahn bei Hinzert-Pölert (Verbandsgemeinde Hermeskeil) klafft seit Mittwochmorgen eine gut vier Meter große Lücke.
Hinzert-Pölert. Die Nacht zum Mittwoch, auf einem Hochsitz bei Hinzert-Pölert: Ein Jäger hält in der Dunkelheit Ausschau nach Wild. Er achtet auf jede Bewegung, jedes leise Geräusch. Doch diesmal wird der Waidmann abgelenkt: Werkzeuggeräusche schallen zu ihm herüber. Irgendjemand scheint sich an irgendetwas zu schaffen zu machen. Um wen und was es sich dabei handelt, kann der Jäger aber von seiner Position aus nicht feststellen.
Sachschaden rund 30 000 Euro
Am nächsten Tag erzählt der Jäger einer Anwohnerin sein Erlebnis. Sie stellt später vor Ort das überraschende Ergebnis des nächtlichen Arbeitseinsatzes fest: Im nahen Streckenabschnitt der Hochwaldbahn fehlen vier Meter Gleis komplett. Die beiden parallelen Schienen enden vorläufig im Nichts, und auch die 14 Eisenschwellen zwischen den Schienen sind verschwunden.
Für den Bahnverkehr ist die Bundespolizei zuständig, die ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr einleitet. "Unbekannte Täter haben vermutlich Schweißbrenner und schweres Gerät eingesetzt, um die Schienen und Schwellen zu demontieren und abzutransportieren", sagt Rudolf Höser, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Trier.
Die Hochwaldbahn zwischen Türkismühle im Saarland und Büchenbeuren beim Flughafen Hahn ist seit 1998 für den öffentlichen Zugverkehr außer Betrieb. Personenzüge sind dort schon seit 1969 nicht mehr unterwegs.
Die Deutsche Bahn hat die Strecke an die HEB Hunsrück Eisenbahninfrastruktur GmbH verpachtet, die zur Unternehmensgruppe Hochwaldbahn gehört. Nach ihren Angaben beträgt der Schrottwert des zwei Tonnen schweren Diebesguts zwar nur rund 400 Euro. Doch um das Gleis wieder zu vervollständigen, müsse auf 20 Metern Länge Material für rund 10 000 Euro eingebaut werden. "Und diese Zahl bezieht sich nur auf gebrauchtes Material", sagt HEB-Betriebsleiter Bernd Andreas Heinrichsmeyer im Gespräch mit dem TV. Etwa 20 000 Euro an Ausgaben kämen für die damit verbundenen Arbeiten hinzu. Damit summiert sich der Schaden laut HEB auf rund 30 000 Euro.
Zudem soll die Strecke reaktiviert werden. Für Herbst 2011 strebt die HEB erste Genehmigungen zum Betrieb als Güterzugstrecke an (der TV berichtete). Deshalb laufen seit Monaten Instandsetzungsarbeiten. "Wenn niemand die Lücke in den Schienen bemerkt hätte, wären wir vermutlich mit einem Bauzug entgleist. Das wäre sehr gefährlich geworden", stellt Heinrichsmeyer fest. Der fehlende Gleisabschnitt soll schon in Kürze ersetzt werden: "Der Diebstahl ist zwar ein ärgerlicher Rückschlag für uns, aber davon lassen wir uns nicht aufhalten."
Bundesweit gab es in diesem Jahr schon 1500 Metalldiebstähle an Bahnstrecken. Am 8. Juli wurden 700 Meter Kupferkabel bei Wiltingen gestohlen.
Zeugen, die in der Nacht zum Mittwoch Verdächtiges beobachtet oder gehört haben, werden gebeten, sich über die kostenlose Service-Telefonnummer 0800/6888000 bei der Bundespolizei zu melden.