Integrationskurs in Saarburg: Migrantinnen auf dem schwierigen Weg zum Job

Integrationskurs in Saarburg : Migrantinnen auf dem schwierigen Weg zum Job

Es war ein Kraftakt, einen funktionierenden Integrationskurs für Frauen mit Migrationshintergrund auf die Beine zu stellen. Der Kreisverwaltung ist dies mit Partnern in Saarburg gelungen. Das Beispiel könnte Schule machen.

 Die Frauengruppe, die sich seit März 2018 täglich in der Famo-Kaserne in Saarburg trifft, ist bunt gemischt. Einige tragen Kopftuch, andere ihr Haar offen. Sie  kommen aus Afghanistan, dem Iran und Syrien. Sie sind zwischen 21 und 40 Jahren alt. Die meisten haben Kinder, eine Frau sogar fünf. Die Gemeinsamkeit dieser zehn Frauen: Sie besuchen den Integrationskurs in Saarburg. Das heißt, sie lernen Deutsch in Wort und Schrift und dann auch einiges über die deutsche Geschichte, das Rechtssystem und das kulturelle Leben hierzulande.

Mehr als ein Sprachkurs Dass dieser Kurs funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Das hängt unter anderem mit dem Rollenbild der Frau in den Herkunftsländern zusammen und den daraus resultierenden Aufgaben. Denn demnach sind es die Frauen, die sich um die Kinder kümmern und tagsüber nur schwerlich einen Kurs besuchen können. Keine unüberwindliche Hürde für die Kreisverwaltung. Ralf Rauland, Geschäftsbereichsleiter der Verwaltung, sagt: „Wir haben viel Arbeit reingesteckt, um diesen Kurs ins Rollen zu bringen.“ Zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz wurde eine Kinderbetreuung im Gebäude nebenan eingerichtet. Die Unterrichtszeit wurde auf drei Stunden am Tag begrenzt und so auch Zeiten anderer Betreuungseinrichtungen wie Schulen berücksichtigt. Die Teilnehmerinnen, die aus Saarburg, Konz und Temmels kommen, erhalten Fahrtgeld. Für den Transfer vom Saarburger Bahnhof zur Kaserne wurde ein Fahrdienst eingerichtet. Den Kurs selbst bietet die Christliche Erwachsenenbildung (CEB) an. Im Rahmen der ersten Module hat sie auch eine sozialpädagogische Betreuung gestellt. Auch beim Jobcenter stehen den Frauen feste Ansprechpartnerinnen zur Verfügung, falls sie Probleme haben. Gefördert wird das Projekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, das es der Kreisverwaltung nicht leicht gemacht hat. Rauland sagt: „Eine der Hürden war, dass die Förderverfahren nicht abgestimmt sind.“

Saarburg als Vorbild  16 Frauen haben den Kurs angefangen. Zehn von ihnen sind immer noch dabei. Dass dies ein Erfolg ist, spiegelt den Organisatoren das Interesse wohl auch an Nachahmung von außerhalb wider. Rüdiger Schneider, Chef des Trierer Jobcenters Trier, sagt: „Vertreter des Saarbrücker Jobcenters, das viel größer ist als das unsrige, haben sich den Kurs hier angeschaut.“ Yvonne Mahler, seit Januar 2019 Bildungskoordinatorin des Kreises Trier-Saarburg, ergänzt: „Ich komme aus diesem Bereich. Viele Kollegen haben schon versucht, solch einen Kurs auf die Beine zu stellen. Geglückt ist das nur ganz wenigen. Und gerade im ländlichen Raum ist es schwierig, die Frauen aus verschiedenen Ecken zusammenzubringen.

Verschiedene Muttersprachen Ein weiteres Problem: Die Schülerinnen sprechen unterschiedliche Muttersprachen, nämlich arabisch, persisch und kurdisch. Lehrerin Hamida Conrad hat sich darüber jedoch gefreut. Sie sagt: „Das motiviert, die Sprache schneller zu lernen.“ Das unterschiedliche Bildungsniveau – eine hat studiert, einige andere nur sechs Jahre lang die Schule besucht – habe die Sache nicht einfacher gemacht. Zudem hätten viele zunächst die lateinische Schrift lernen und sich an das Schreiben von links nach rechts gewöhnen müssen. Dennoch ist Conrad zufrieden mit ihren engagierten Schützlingen. „Sie können Briefe schreiben, lesen und miteinander reden“, stellt sie fest. Nicht alle würden das höhere Niveau B1 schaffen, aber das sei bei der Ausgangslage auch unrealistisch gewesen. Conrad betont, dass es gut sei, dass die Frauen, die auch sprachliche Alltagssituationen übten, zum Lernen unter sich seien. Sie berichtet davon, dass sich Schülerinnen sehr zurückhielten, sobald Männer dabei seien.

Unterschiedliches Rollenverständnis Doch wieso ist es so schwierig, anerkannte Asylbewerberinnen in Integrationskurse zu bringen, wenn diese doch Pflicht sind? Dazu antwortet Jobcenterchef Rüdiger Schneider: „Es gibt Ausnahmen. Kinderbetreuung gilt beispielsweise als Grund für eine Ausnahme.“ Und von Kindern rede man bis zum 14. Lebensjahr. Schneider berichtet davon, dass es unter den Migranten am Anfang der Einwanderungswelle große Probleme gegeben habe mit Männern, die ihre Frauen nicht in Kurse gehen lassen wollten. Schneider: „Jetzt sind das nur noch wenige Ausnahmen. Die Frauen sind selbstbewusster geworden.“ Auch Trennungen habe es aufgrund des unterschiedlichen Rollenverständnisses gegeben. Die Frauen hätten sich in dem Punkt weiterentwickelt. Männer hielten oft noch an der Macho-Rolle fest.

Die Perspektiven Schneiders Blick geht nach vorne. Er sagt: „30 Prozent unserer Kunden Flucht/Asyl sind Frauen. Wir wollen, dass sie zum Erwerbsleben beitragen. Sie auch.“ Die Frauen hätten nach dem Kurs in Saarburg die Möglichkeit, sich weiterzubilden oder eine Ausbildung anzufangen. Sie könnten auch arbeiten. Erfahrungsgemäß sei es ein langer Weg, die Anschlussperspektive zu erarbeiten. Doch die Arbeitsmarktsituation sei gut, versichert er. „Betriebe suchen händeringend Leute, die arbeiten wollen.“ Und das wollen die Frauen aus dem Kurs. In einer Abschlussrunde stellen sie sich und ihre Wunschperspektiven vor – alle in gut verständlichem Deutsch. Die Wünsche reichen von Ausbildungen zur Erzieherin, Bankkauffrau und Friseurin bis hin zur Arbeit als Küchenhilfe oder Reinigungskraft. Auch eine Bauzeichnerin ist dabei, die in ihrem Job weitermachen möchte.

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