Ministerin ehrt engagierten Ehrenamtler: "Man kann mit Tatsachen leben - oder wehrt sich"

Ministerin ehrt engagierten Ehrenamtler: "Man kann mit Tatsachen leben - oder wehrt sich"

Georg Ohs aus Schoden macht sich seit 27 Jahren für den Schutz der heimischen Gewässer und Fischbestände stark. Als langjähriger Präsident des Landesanglerverbandes hat er sich für die Unterwasserwelt der Mosel und Saar eingesetzt. Umweltministerin Ulrike Höfken zeichnete den verdienten Ehrenamtler deshalb mit der Landesverdienstmedaille aus.

Schoden. Das Kernkraftwerk Cattenom oder der Energiekonzern RWE - der Angler und Ehrenamtler Georg Ohs aus Schoden hat sich gemeinsam mit anderen Naturschützern nie gescheut, sich mit großen Gegnern anzulegen: "Wir haben sie alle in die Knie gezwungen", sagt Ohs. Für sein herausragendes Engagement für die heimischen Gewässer und ihre Fischbestände ehrte Umweltministerin Ulrike Höfken den 68-jährigen Schodener nun mit der Landesverdienstmedaille.
Durch die Sportfischerei lernte Ohs einiges am Wasser kennen. Für ihn sind Fischer die besten Polizisten am Gewässer: "Wenn man merkt, dass man eine bestimmte Fischart nicht mehr fängt, setzt man sich damit auseinander."
Als 1986 tonnenweise tote Fische die Saar herabtrieben, die nach amtlicher Meinung "an Sauerstoffmangel gestorben" seien, mobilisierte Ohs die Öffentlichkeit und Verbände.
In den von ihm geforderten Laboruntersuchungen kam dann die wahre Ursache des großen Fischsterbens ans Licht der Öffentlichkeit: Das Industriegift Cyanid war in die Saar gelangt. Durch die verzögerte Reaktion der Behörden sei der Verursacher jedoch unentdeckt geblieben, schimpft Ohs.
Aus dem Angler wurde damit schnell auch ein Naturschützer.
"Georg Ohs ist ein Kämpfer für den Schutz unserer Gewässer und ihrer Fischbestände", sagte Ministerin Ulrike Höfken bei der Feierstunde im Mainzer Umweltministerium. Als Präsident des Deutschen Anglerverbandes Rheinland Pfalz, zu dem er 1987 gewählt wurde, sah sich Ohs stets gewaltigen Aufgaben und Gegnern gegenüber. So auch, als er sich 1996 mit dem Energiekonzern RWE anlegte, indem er die Öffentlichkeit auf das Aalsterben in den Turbinen der Moselstaustufen aufmerksam machte. "Es heißt ‚saubere Energie\', aber im Umkehrschluss sind Wasserturbinen nichts als Häckselmaschinen für Fische."
1996 gelang es Ohs, mit der RWE-Stabsleitung einen Vertrag zum Schutz der Aale zu schließen. Seitdem zahlt der Energiekonzern jährlich 212 000 Euro dafür, dass Aale vor den Staustufen abgefischt und in Wassertanks zum Rhein abtransportiert werden. Von dort schwimmen sie ohne weitere Hindernisse bis ins Meer. Noch viele weitere Themen und Entscheidungen zu den heimischen Gewässern hat der Ehrenamtler Ohs mit beeinflusst. Dafür musste er vielen Leuten auf die Füße treten. "Man kann mit Tatsachen leben", sagt Ohs, "oder man wehrt sich. Ich habe mir nicht nur Freunde gemacht!"cmoExtra

1945 in Genthin (Sachsen-Anhalt) geboren wächst Georg Ohs vom dritten bis zum 13. Lebensjahr in Schweden auf. Nach dem Tod seines Vaters kehrt seine Mutter 1958 mit ihm in ihr Heimatdorf Schoden zurück. 1977 gründete Georg Ohs gemeinsam mit anderen Sportfischern den Angelsportverein Schoden. Von 1986 bis 1989 führte er die Geschicke des Fischerei-Verbandes Trier. 1987 wurde der Schodener zum Präsidenten des Deutschen Anglerverbandes Rheinland-Pfalz gewählt. Zunächst als Mitglied, später als Vorsitzender des Landesfischereibeirates, beriet Ohs die Landesregierung bei Fragen zur Fischerei. 1992 gründete Ohs mit weiteren Fischereiverbänden in Rheinland-Pfalz eine gemeinsame Arbeitsgemeinschaft. Bis heute ist er Mitglied der gemeinsamen Grenzfischerkommission von Luxemburg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. cmo

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