Missbrauchsprozess gegen Ex-Schulleiter: Staatsanwältin fordert drei Jahre Haft

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Missbrauchsprozess gegen Ex-Schulleiter in Trier: Staatsanwältin fordert drei Jahre Haft

Im Missbrauchsprozess gegen einen ehemaligen Schulleiter sind am Donnerstag am Landgericht die Plädoyers gehalten worden. Bei einem Schuldspruch droht dem Pädagogen eine Gefängnisstrafe. Das Urteil soll am 9. September verkündet werden.

Im Prozess gegen den ehemaligen Leiter einer weiterführenden Schule im Kreis Trier-Saarburg, der seit Ende Mai vor dem Landgericht Trier läuft, ist das Ende absehbar. Am Donnerstag wurden die Beweisaufnahme geschlossen und die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung vorgetragen. Dem 55-jährigen Pädagogen wird laut Anklage vorgeworfen, zwischen Juni 2014 und Juli 2015 einen damals 14 Jahre alten Schüler bei drei Gelegenheiten unsittlich berührt zu haben. Bei einem anderen 15-jährigen Schüler soll er dies Anfang 2017 versucht haben. Beide Schüler treten als Nebenkläger in dem Prozess auf. Der Angeklagte bestreitet seit dem ersten Verhandlungstag die Vorwürfe und spricht von „Missverständnissen“. Er ist seit Anfang 2017, seit dem Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn, vom Dienst suspendiert.

Plädoyers Aus Gründen des Opferschutzes, wie es hieß, war die Öffentlichkeit vom Vortrag der Plädoyers ausgeschlossen. Alle Zuhörer mussten den Saal verlassen, da Aussagen der mutmaßlichen Opfer angesprochen wurden, die diese als Zeugen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht hatten. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen später auf TV-Anfrage bestätigte, forderte Staatsanwältin Stephanie Matthies vor der Ersten Großen Jugendkammer des Landgerichts für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Nach TV-Informationen schloss sich der Rechtsanwalt des heute 17-jährigen Nebenklägers dieser Forderung an. Der Anwalt des heute 18-jährigen Hauptbelastungszeugen beantragte vier Jahre Freiheitsstrafe. Verteidiger Martin Barduhn plädierte auf Freispruch.

Laut Strafgesetzbuch kann der sexuelle Missbrauch Schutzbefohlener unter 16 Jahren mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Bisheriger Prozessverlauf Der Hauptbelastungszeuge hatte in seinen Vernehmungen ausgesagt, dass sein Schulleiter ihn bei Besuchen in dessen Haus unsittlich berührt habe. Der Junge lebte zu dieser Zeit in der Wohngruppe einer Jugendhilfe-Einrichtung. Im Laufe der Verhandlung war zur Sprache gekommen, dass der Schüler wegen einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) regelmäßig Medikamente nahm und in psychologischer Behandlung war. Nach Aussage des Schülers soll sich ihm der Pädagoge beim Schwimmbadbesuch nackt gezeigt haben. Zudem soll er ihn im Bad seines Wohnhauses an den Hoden abgetastet haben, um, wie der Mann erklärt habe, eine mögliche Krebserkrankung zu erkennen. Außerdem soll er ihn im Badezimmer seines Hauses aufgefordert haben, sich selbst zu befriedigen.

Der weitere Zeuge und Nebenkläger sagte aus, der Angeklagte habe auch ihm eine Hoden-Untersuchung angeboten – im Schulleiter-Büro –, die der Jugendliche aber verweigert habe. Im Laufe der Verhandlung wurden Handy-Nachrichten verlesen, die auf dem Mobiltelefon des Angeklagten sichergestellt worden waren und die dieser mit Schülern ausgetauscht hatte. Darin hatte sich der Schulleiter unter anderem nach dem Sexualleben der Jugendlichen erkundigt.

Die beiden Verteidiger, Martin Barduhn und Sven Schnitzer, bezweifeln die Glaubwürdigkeit des Hauptzeugen. Sie äußerten mehrfach, dass dessen Vorwürfe erfunden seien, und warfen den beteiligten Ermittlern vor, dem Jugendlichen bei der Vernehmung Worte in den Mund gelegt und ihm so den angeblichen sexuellen Missbrauch eingeredet zu haben. Die Verteidiger stellten eine ganze Reihe von Anträgen zur Vernehmung von Zeugen, die diese Zweifel erhärten sollten.

Die Erzieher des Hauptzeugen, der Leiter der Wohngruppe und ein behandelnder Psychiater des heute 18-Jährigen sagten vor Gericht aus, dass ihnen bei dem Jungen weder Gedächtnislücken noch Fantasien oder Wahnvorstellungen aufgefallen seien.

Urteilsverkündung Das Gericht will am Montag, 9. September, um 11 Uhr das Urteil verkünden.

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