Mit 78 Jahren noch unermüdlich

MEHRING. Unermüdlich arbeitet Friseurmeister Hans Frick selbst im hohen Alter noch mit Schere und Kamm. Auch wenn er in wenigen Wochen 78 Jahre alt wird – ans Aufhören denkt der rüstige Mann noch lange nicht.

Während andere Mitmenschen sich ihren letzten Arbeitstag herbeisehnen, um in den wohlverdienten Ruhestand einzutreten, gibt es für Hans Frick zu keiner Zeit einen Anlass, ans Aufhören zu denken. "Ich habe meinen Beruf zum Hobby gemacht und arbeite weiter. Erst wenn meine Hände zu zittern anfangen, und eine Gefahr für meine Kunden besteht, höre ich auf", sagt er. Eine Brille hat Frick noch nicht, und "Tabletten" ist für ihn ein Fremdwort. Sein Beruf - und zusätzlich auch noch der Weinbau - lagen ihm stets am Herzen. Noch heute hilft er regelmäßig im Weinbaubetrieb, den inzwischen sein Sohn Stefan übernommen hat. Ein Schild oder ein Hinweis auf den Friseurladen in der Neustraße gibt es nicht. Nur Eingeweihte wissen von Frick ("Es ist natürlich alles ordnungsgemäß angemeldet") und seinem Geschäft. "90 Prozent Stammkundschaft aus der Umgebung habe ich seit Jahrzehnten." Dazu gehören mittlerweile auch zahlreiche Bettlägerige oder ehemalige Kunden, die in Seniorenheimen in Schweich oder Pölich wohnen. Ein Anruf genügt. Dann schwingt sich Frick auf den Motorroller und fährt zum "Hausbesuch". 1928 geboren, musste er noch 1944 für kurze Zeit in den Krieg ziehen. Doch er kam nur bis ins Saarland. "Die Amerikaner haben uns Kinder, ich war 16 Jahre alt, dann von dort wieder nach Hause geschickt." Die Lehre als Friseur (Gesellenprüfung 1947) und der Besuch der Meisterschule in Essen (1956) folgten. Selbstständig zu werden, war sein großes Ziel. So richtete er zunächst im Hause seiner Schwiegereltern drei Bedienungsplätze ein. Später baute Meister Frick in der Neustraße seinen Betrieb auf 13 Bedienungsplätze aus und beschäftigte zeitweise sechs Mitarbeiter. Tochter Elke war als Geschäftsnachfolgerin vorgesehen. "Diese Planung zerschlug sich aber, und daher betreibe ich seit 1965 einen reinen Herrensalon." Nicht nur als guter Friseur ist er an der Mosel bekannt, sondern auch als ältestes Mitglied in der Winzerkapelle "Original Moselländer". "An unserer Medarduskirmes 1947 habe ich das erste Mal mit meiner Posaune mitgespielt." Sie ist ihm auch bis zum heutigen Tag als Lieblingsinstrument erhalten geblieben. Es war für Hans Frick eine schöne Zeit, in der ihn die Jugendlichen des Vereins jung gehalten haben. Seine weiteste Reise hat er auch mit der Winzerkapelle, in der er mit Karl Bollenrath und Klaus Madert zwei Dirigenten erlebte, unternommen. Der mittlerweile verstorbene Pastor Franz Herbert Westerwinter hatte 2001 für den Verein eine Reise nach Rom und eine Privataudienz beim Papst organisiert. Fotos im Friseurgeschäft von dieser Audienz und dem Konzert der Kapelle vor der Kulisse von 35 000 Besuchern auf dem Petersplatz sind stumme Zeugen dieser einmaligen Reise. Mittwochs kann man Hans Frick seit Jahren auch noch in einer anderen Eigenschaft erleben. Im "Seniorenclub Aktiv" trägt er mit seinen Kollegen - auch dort ist er der Älteste - zur Verschönerung des Ortsbildes bei.