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Mit 80 Jahren neue Ziele vor Augen

Mit 80 Jahren neue Ziele vor Augen

Heimatforscher Dittmar Lauer aus Kell am See feiert am Freitag seinen runden Geburtstag und blickt auf sein Lebenswerk. Ein Projekt liegt ihm noch besonders am Herzen.

Kell/Hermeskeil Er ist Forscher, Autor, Kommunalpolitiker und Vereinsgründer im Hochwald: Dittmar Lauer feiert am 23. Juni seinen 80. Geburtstag. "Seit Jahrzehnten interessiere ich mich für die regionale Geschichte im Trierer Land und im Hochwald", sagt der weithin bekannte Heimatforscher, der die ehemalige Freie Reichsherrschaft Dagstuhl und das Leben des Trierer Erzbischofs Philipp Christoph von Sötern (1567-1652) zu seinen Spezialgebieten erklärt hat.
Noch bekannter wurde Lauer mit seiner Hexenforschung, in deren Rahmen er auch an der Universität Trier mitarbeitet. Ein eigenes Hexenmuseum in Grimburg ist das Ergebnis, das den Besuchern diese Form der Verfolgung von Menschen plastisch und drastisch vor Augen führt.
Die Grimburg hat Lauer exakt geschichtlich verankert, kann sagen, wann was passiert ist, besonders wenn es um Hexenprozesse geht. Beim Wiederaufbau der historischen Burg mit überregionaler Bedeutung half er mit, nicht nur mit seinem Wissen, sondern auch mit Kelle und Mörtel beim Mauern.
Gefragt, wie viele Bücher er schon geschrieben hat, sagt Lauer: "So 20 bis 30, genau weiß ich das gar nicht." Bei den Fachaufsätzen hat er längst aufgehört zu zählen.
Doch das alles genügt diesem äußerst aktiven Rentner nicht, der auch seit vielen Jahre kommunalpolitisch Akzente setzt, denn: "Ich betreute noch etliche syrische Familien. Vier Familiennachzüge waren schon erfolgreich."
Außerdem ist Lauer Erfinder der Hochwälder Kartoffeltage und hat damit selbst ein Stück Heimat-Tradition etabliert. "Ein Leben ohne Engagement geht nicht", fügt er im Gespräch mit dem TV hinzu.
Mit 80 Jahren will Lauer allerdings alle politischen Ämter niederlegen: "Damit habe ich mehr Zeit für mein eigentliches Anliegen, die Einrichtung und Betreuung des neuen Hochwaldarchivs, gemeinsam mit meinem Archivteam." Träger ist der Kulturgeschichtliche Verein, bei dem Dittmar Lauer auch Gründungsmitglied ist.
Das Archiv im Keller Bahnhof des dortigen Heimat- und Kulturvereins geht, ebenso wie die 5000 Bände umfassende Bibliothek Lauers, ins neue Archiv in der ehemaligen Hochwaldkaserne über. Dritter Bestandteil wird das Pfarrarchiv St. Franziskus sein.
"Wenn das alles fertig ist, werden wir das neue Archiv der Öffentlichkeit vorstellen", kündigt Lauer an. Der Bahnhof des Heimat- und Kulturvereins Kell soll zum Verkauf angeboten werden.
Lauers Wunsch ist, die Geschichte der Region dauerhaft für künftige Generationen zu bewahren, am liebsten im Hermeskeiler Klösterchen, wo auch das Gemäuer zum Thema passen würde. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Der 1937 Geborene ist als junger Mensch von der Nachkriegszeit geprägt worden. Als zweites von fünf Kindern ist Lauer trotz Nazivergangenheit des Vaters als einziges der Heimat treu geblieben. "Ich schreibe auch darüber, ganz offen", sagt Lauer, der sich gut an die Beschimpfungen als "Nazikind" erinnern kann. Das sei eben erlebte Geschichte.
Gute Geschichtslehrer legten den Grundstein für das Interesse an der Vergangenheit. Die Entscheidung, lieber Architekt als Historiker zu werden, war rein ökonomischer Natur. 80 000 Kilometer, also zweimal um die Erde, hat Dittmar Lauer auf Fahrten zu Archiven schon zurückgelegt: "Archive sind die Grundlage, nicht Bücher, in denen jemand über etwas schreibt." Er wolle immer an die Quelle der Information. Viele Kopien füllen mittlerweile viele laufende Regalmeter. Lauer konnte sogar die preußische Geschichtsschreibung über die Herren von Sötern revidieren.
Ohne Helfer geht diese Arbeit nicht: "Ich habe aber nie von jemandem etwas verlangt, das ich nicht auch selbst gemacht hätte." Dank habe er nie erwartet: "Dann wird man auch nicht enttäuscht." Es gehe ihm immer nur um die Sache.
Der überzeugte Hochwälder ist ein Fan der Jesuiten und Franziskaner: "Die einen legen keinen Wert auf Äußerlichkeiten, die anderen überzeugen mich intellektuell." Oswald von Nell-Breuning (1890 -1991) und seine Sozialethik haben ihn als Schüler geprägt. Dittmar Lauers Lebensziel lautet: "Ich will Wissen vererben."Extra: GRATULANTEN SIND WILLKOMMEN


Dittmar Lauer empfängt am 23. Juni ab 9 Uhr in seinem Haus in Kell, Wiesplätzchen 9, jeden, der gratulieren will. "Wir sind vorbereitet", sagt der dann 80-Jährige.