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Mit dem Motorrad zu den Sternen

OBERBILLIG. Motorradfahrer helfen Menschen, die an Muskelschwund leiden. Das ist das Motiv der zweiten "DGM-Sternfahrt". Am 9. September startet die 130 Kilometer lange Benefizfahrt rund um Oberbillig. ARRAY(0xf0a6140)

Motorendröhnen, Abgase und rauhe Sitten. Motorradfahrer haben nicht immer einen guten Ruf. Dass das nur Vorurteile sind, beweist die "DGM-Sternfahrt", die am 9. September von Oberbillig aus in die zweite Runde geht. Eine Sternfahrt ist eine Veranstaltung, an der Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen teilnehmen. Die Idee der Benefizfahrt: Auf einer 130 Kilometer langen Tour rund um Oberbillig werben Motorradfahrer um Unterstützung für die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM). Initiator und Gründer des Vereins "DGM-Sternfahrt" ist der leidenschaftliche Biker Markus Betz. Sein Sohn, der zehn Jahre alte Marius, leidet seit seiner Geburt unheilbar an Muskelschwund. Die vererbte Krankheit bewirkt, dass sich Marius' Muskulatur nur langsam entwickelt und sein Gewebe mit der Zeit immer schmächtiger wird. Da die Krankheit den gesamten Körper befällt, ist ein Leben im Rollstuhl unabwendbar. Aufgrund der Schädigung der Herz- und Lungenfunktion werden Betroffene wie Marius meist nicht älter als 20 Jahre. Um auf diese Krankheit aufmerksam zu machen und anderen betroffenen Familien zu helfen, kam Markus Betz 2003 auf die Idee, deutschlandweit Motorradfahrer zu einer Sternfahrt und einem Volksfest nach Oberbillig einzuladen. Ein Jahr später: Rund 500 Zwei- und Dreiradfahrer brachten den Ort zum Beben (der TV berichtete). "Die Reaktion nach der ersten Sternfahrt war überwältigend. Viele wären gern schon vergangenes Jahr wieder gekommen", sagt Betz. Leider sei dies aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands nicht möglich gewesen. Doch mit Hilfe der lokalen Vereine, der Gastronomie und der großzügigen Sponsoren stand der zweiten Sternfahrt in diesem Jahr nichts mehr im Weg. Es kündigte sich sogar politische Prominenz an: "Der Landesvater Kurt Beck hat die Schirmherrschaft für die Sternfahrt übernommen", sagt Betz voller Stolz. Der Ministerpräsident wird allerdings aus terminlichen Gründen nicht dabei sein, wenn am 9. September um 11.30 Uhr bis zu 1000 Biker in Oberbillig die Motoren dröhnen lassen. Für einen Spendenbeitrag von fünf Euro erleben die Teilnehmer eine Rundfahrt quer durch den Saargau über den Hochwald zurück an die Mosel. Aber auch die 3000 erwarteten Gäste ohne motorisiertes Zweirad dürfen sich über ein abwechslungsreiches Programm in Oberbillig freuen. Für viel Furore wird die Trial-Vorführung sorgen: "Das sind verrückte Profis, die auf Spezialmotorrädern ohne Sitz meterhoch über Hindernisse springen", sagt Betz. Am Abend werden die Leiendecker-Bloas und die Transvestitengruppe "Fada's Family" die Stimmung zum Siedepunkt bringen. "Bei diesem Spektakel darf aber nicht der Zweck der Veranstaltung vergessen werden", sagt Betz. Schließlich flossen dank der Sternfahrt vor zwei Jahren 13 500 Euro in die DGM. Auch dieses Jahr wird der Spendenerlös je zur Hälfte in die Aufklärung betroffener Familien und in die Forschung gehen. Weil die DGM aber von privaten Spenden abhängig ist, gibt es wenig Hoffnung auf schnelle medizinische Hilfe: "Man muss jeden Tag beten, dass ein Heilmittel entwickelt wird", sagt Betz. Seit der ersten Sternfahrt gehe es Marius sehr viel schlechter. Das Greifen beispielsweise einer Teetasse falle ihm sehr schwer. Dem 9. September fiebert Marius umso mehr entgegen: "Auf die Sternfahrt freut er sich praktisch schon seit zwei Jahren", sagt Betz. Wenn das Wetter so gut ist wie 2004, kann er es wieder im geöffneten Cabrio miterleben, wenn das Dröhnen hunderter Motorräder das Moselufer zum Beben bringt. Weitere Informationen unter www.dgm-sternfahrt.de.