"Mit einem blauen Auge davongekommen"

"Mit einem blauen Auge davongekommen"

KONZ-OBEREMMEL/WILTINGEN/AYL. Nach dem schweren Unwetter, das Ende September einige Gemeinden der Verbandsgemeinden Konz und Saarburg mit Hagelkörnern, so groß wie Taubeneier, heimgesucht hatte, fürchteten zahlreiche Winzer große Ernteverluste (der TV berichtete). Obwohl sie bei der Weinlese Einbußen in Menge und Qualität vermelden, sagt Winzer Hans-Joachim Scherf aus Wiltingen: "Wir hatten Glück im Unglück".

Es hat nur einige Minuten gedauert, als am 30. September mit einem heftigen Unwetter in einem Streifen von Konz-Oberemmel bis Ayl und Ockfen Keller voll gelaufen waren, Dächer zerschlagen und Teile der Weinernte geschädigt waren. An dem Samstagnachmittag waren Hagelkörner, so groß wie Taubeneier, auf die Gemeinden in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg heruntergeprasselt und hatten dafür gesorgt, dass die Einwohner und besonders die Winzer alle Hände voll zu tun hatten: Sie versuchten, die Schäden möglichst schnell zu beseitigen oder zumindest einzudämmen. Mit Verlusten von bis zu 40 Prozent des Leseguts hatte der Winzer Alois Kirchen aus Oberemmel beispielweise damals gerechnet. Obwohl die Weinbauern der betroffenen Gemeinden teilweise mit deutlichen Einbußen klar kommen müssen, sagt Hans-Joachim Scherf aus Wiltingen: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen." "Die Winzer waren gezwungen, sehr, sehr schnell zu lesen", erklärt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbands Mosel-Saar-Ruwer, auf TV-Anfrage. Das habe natürlich Auswirkungen auf den Ertrag. Von Betrieb zu Betrieb habe das Unwetter Schäden in ganz unterschiedlicher Höhe angerichtet, denn die Weinlagen seien nicht gleich stark betroffen gewesen, sagt der Weinbauexperte. In der Lage "Raul" vermeldet der Oberemmeler Winzer Alois Kirchen beispielsweise Ernteeinbußen in der Menge von bis zu 25 Prozent. Bei den teilentblätterten Rebsorten seien die Verluste deutlich höher als bei den Sorten mit einer noch dichten Laubdecke. Auch er betrachtet die Lage ganz ähnlich wie sein Wiltinger Kollege - wenn auch ein bisschen weniger optimistisch: "Wir sind mit zwei blauen Augen davongekommen", sagt Kirchen. Durch die schnelle Reaktion der Winzer habe man den Schaden eindämmen können, erklärt Scherf: "Wir mussten drei Wochen früher ernten als geplant." Hätten sie länger gewartet, wären die Verluste deutlich höher geworden. Die Menge an Trauben habe er noch einfahren können. Durch die frühere Ernte liegen die durchschnittlichen Mostgewichte nach den Angaben Scherfs zwischen 75 bis 90 Grad Öchsle, dabei wären 95-gradige Ernten zu einem späteren Zeitpunkt durchaus möglich gewesen. In diesem Jahr seien die Winzer wegen des Unwetters und einer "hohen Reifeentwicklung" besonders auf Erntehelfer angewiesen gewesen, um ihre Trauben möglichst unbeschadet einbringen zu können, erklärt Gerd Knebel. Durch die Quotenregelung bei den Helfern sei die schnelle Ernte in diesem Jahr nicht unbedingt einfacher gewesen, sagt er. Der Geschäftsführer hätte sich eine flexiblere Handhabung der Reglung durch die Behörden gewünscht, um die Winzer in dieser Situation zu entlasten. "In der offenen Werkstatt der Natur" seien die Weinbauern immer vom Wetter abhängig, schildert er. Das sei manchmal bitter, manchmal seien die Ergebnisse hervorragend. In diesem Jahr "haben sie das Beste draus gemacht", resümiert Knebel. In Folge dieser Entwicklung werden sich seiner Schätzung nach die Mostpreise auf einem höheren Niveau einpendeln. Auch die Verbraucher werden nach seinen Angaben vermutlich für den 2006er Jahrgang tiefer in die Tasche greifen müssen. Außerdem prophezeit Knebel eine weitere Folge aus dem Unwetter und der schnellen Reifeentwicklung: "Es wird in diesem Jahr in unserer Region kaum Eisweine geben."

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